Externe Anwälte, Revisoren und weitere Experten haben die illegalen Machenschaften bei Postauto untersucht. Den Untersuchungsbericht und das Expertengutachten hat die Post am Montag veröffentlicht. Alleine im Untersuchungsbericht kommt der Name von Pascal Koradi 42 Mal vor. Die Inhalte mehrerer E-Mails werden publik gemacht. Besonders brisant erscheint die Nachricht, die Koradi am 2. Juni 2013 einer unbekannten Person schickte. Darin gibt der damalige Finanzchef eine Empfehlung ab:

"Auf Seite 3 wird oben dazu vom aktuell noch genutzten Creative Accounting gesprochen. Diese Formulierung ist unglücklich gewählt und könnte dazu führen – wenn das Dokument in falsche Hande gelangt – dass die Glaubwürdigkeit und Richtigkeit der Rechnung PA in Frage gestellt wird. Hier würde ich einfach von der heutigen Verrechnungslogik sprechen."

Was hinter dem Begriff steckt

Unter "Creative Accounting" – wörtlich übersetzt kreative Buchhaltung – verstehen Rechnungs-Profis nichts Illegales. Der Begriff umfasst Methoden zur Manipulation der Rechnung, die in eine rechtliche Grauzone fallen. Ihr Einsatz ist legal – häufig werden Gesetzeslücken ausgenutzt –, verstösst aber gegen den Sinn des Gesetzes und untergräbt dieses somit.

Das weiss Koradi. Er empfiehlt, anstelle von "Creative Accounting" den Begriff "heutige Verrechnungslogik" zu verwenden. So wird unsaubere Buchführung zur Alltagspraxis, die niemanden Verdacht schöpfen lässt.

Dieser Ausschnitt aus dem Untersuchungsbericht zeigt den Inhalt des E-Mails.

  

Untersuchungs- und Expertenbericht finden Sie hier.

Der Bankrat der Aargauischen Kantonalbank sass am Montagabend zusammen. Das Führungsgremium dürfte den Untersuchungsbericht diskutiert haben. Ob und auf welcher Grundlage sich der Rat gegen Koradi aussprach, ist unklar. Fakt ist: Am Dienstag trat der AKB-Präsident zurück. Als Grund gibt er in einer Mitteilung der Bank an, er wolle die Reputation der AKB schützen. Weiter heisst es, der Bankrat habe die persönliche Integrität und das Vertrauen in Koradi zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.

Koradi bedauert, dass er von den Verantwortlichen der Post nie angehört wurde. Er selbst beharrt darauf, nichts falsch gemacht zu haben: "Ich betone, dass ich weiterhin zu all meinen damaligen Entscheidungen als CFO des Konzerns Post stehe."

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Pascal Koradi wird die Nachfolge von Rudolf Dellenbach antreten – obwohl er vergleichsweise geringe 600'000 Franken verdienen wird.