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Wo sich das Grundwasser im Aargau erholt hat – und wo es kritisch werden könnte

Ohne Grundwasser geht nichts: In der Schweiz deckt es 80 Prozent der öffentlichen Wasserversorgung ab.

Ohne Grundwasser geht nichts: In der Schweiz deckt es 80 Prozent der öffentlichen Wasserversorgung ab.

Wie steht es um das Grundwasservorkommen im Aargau? Ein Vergleich von Daten auf EnVIS, dem Online-Portal für Umweltdaten des Kantons zeigt: An 16 von 27 Stationen lag der Grundwasserspiegel am 19. Juni unter dem Vorjahreswert. 11 Stationen wiesen mehr Wasser auf.

Christoph Mahr ist der Grundwasser-Spezialist in der kantonalen Abteilung für Umwelt. Er schätzt die Lage als "kritisch", aber nicht prekär ein. Man müsse beobachten, wie sich das Wetter in den kommenden Monaten entwickle. Ein Sommer wie der letzte wäre problematisch, denn: "Wir haben teilweise wenig Reserve", sagt Mahr. Winter und Frühling brachten vielerorts nicht die erhoffte Linderung. Das Gefühl, dass es im Frühling viel regnete, trügt: In der Nordwestschweiz fiel gemäss Meteo Schweiz nur 70 bis 90 Prozent der normalen Niederschlagsmenge. Das Niveau des Grundwasserspiegels ist maximal durchschnittlich. Mahr prognostiziert: "Nach einem heissen und trockenen Sommer und Herbst hätten wir vielerorts eine prekäre Situation."

Die Lage ist nicht überall im Kanton gleich kritisch: Entlang der grossen Flüsse, die viel Schmelzwasser führen, sieht es gut aus. Die meisten Freiämter Stationen in der Nähe der Reuss verfügen über leicht mehr Grundwasser als letztes Jahr.

Seitentäler wie das Suhrental oder Teile des Fricktals könnten hingegen Probleme bekommen. Das Grundwasser hat sich nur minim erholt. In der Staffelbacher Suhrenmatten liegt der Spiegel fast zweieinhalb Meter unter dem Vorjahreswert. Im Februar betrug der Unterschied drei Meter. "Drei Meter sind viel", sagte Mahr damals zur AZ. Der Staffelbacher Gemeinderat hat die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung über das tiefe Grundwasserniveau informiert. "Wir hoffen, dass es nicht weitergeht wie letztes Jahr", sagt Gemeindeammann Max Hauri. Derzeit sind keine Wassersparmassnahmen geplant. Falls es Einschränkungen braucht, wünscht sich Hauri, dass sie regional koordiniert werden. Letztes Jahr habe das nicht funktioniert. Einige Gemeinden hätten ihren Landwirten uneingeschränkten Zugang zum Grundwasser gewährt, andere nicht. Hauri sagt: "Es bringt nichts, wenn eine Gemeinde Wasser spart und die andere nicht. Wir entnehmen das Wasser alle dem gleichen Grundwassersee." Als der Kanton den Bezug aus der Suhre in Staffelbach verbot, durften jene Bauern, die eine Entnahmebewilligung für die Suhre haben, eine gewisse Menge Wasser aus dem Gemeindenetz schöpfen. Wie die Gemeinde auf ein erneutes Verbot reagieren würde, ist noch unklar.

Beträchtlich ist die Differenz mit rund zwei Metern auch in Kaiseraugst und Magden. "Wir wissen, dass sich das Grundwasser nicht gut erholt hat seit dem letzten Sommer", sagt Gemeindeammann André Schreyer. Nun müsse man die Entwicklung beobachten. "Wenn der Spiegel weiter sinkt, ordnen wir Wassersparmassnahmen an", sagt er. Rasensprengen, Autowaschen oder das Auffüllen von Schwimmbecken könnten untersagt werden. Über solche Einschränkungen entscheidet jede Gemeinde selbst. Droht in Magden ein Mangel, bezieht die Gemeinde ausserdem Trinkwasser aus Rheinfelden.

Die Gemeinde Hägglingen hat bereits auf die kritische Lage reagiert: Sie bat die Bevölkerung im Mai, sparsam mit Wasser umzugehen. "Die Niederschläge, die wir jetzt hatten, brachten nicht viel, denn dieses Wasser hat die Vegetation gleich aufgesogen", sagte Brunnenmeister Paul Huser.

Die letzte Trockenperiode führte dazu, dass fast die Hälfte der 27 Stationen im Spätjahr 2018 oder im Frühjahr 2019 rekordtiefe Grundwasserspiegel verzeichneten. Trotzdem ist Mahr verhalten positiv: "Die Wasserversorgungen sind mittlerweile recht gut vernetzt und können sich momentan noch gut gegenseitig aushelfen."

Eine einzelne Hitze-Woche wie die aktuelle hat kaum Einfluss auf den Grundwasserspiegel: Ob es 36 oder 30 Grad warm ist, ist nicht relevant. Das gleiche gilt für leichten Sommerregen: Die Vegetation verbraucht das Wasser, bevor es versickert. Damit die Tropfen bis ins Grundwasser gelangen, braucht es mehrere Tage andauernden starken, gleichmässigen Regen.

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