Aargau
Wieso wechselt wieder ein SP-Grossrat zu den Grünliberalen?

Mit dem Fricktaler Sukhwant Singh wechselt innerhalb von fünf Jahren schon der dritte SP-Grossrat zur GLP. Deren Fraktionschefin Barbara Portmann erklärt das damit, dass ihre Partei eine Lücke geschlossen habe.

Mathias Küng
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Sukhwant Singh politisiert im Grossen Rat nun für die Grünliberalen.

Sukhwant Singh politisiert im Grossen Rat nun für die Grünliberalen.

zvg/Sandra Ardizzone

Seit 1. Januar ist der für die SP in den Grossen Rat gewählte Sukhwant Singh (Möhlin) Mitglied der Fraktion der Grünliberalen Partei (GLP). Singh, Manager im Bereich Cyber Security Services, hat sich schon im Oktober aufgrund inhaltlicher Differenzen entschlossen, aus der SP auszutreten. Nach reiflicher Analyse des Abstimmungsverhaltens aller Parteien kam er zum Schluss, die GLP passe besser zu seinen Überzeugungen.

GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann: «Es fehlte eine Partei, die liberales und grünes Gedankengut vereinigt. Wir haben diese Marktlücke geschlossen.»

GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann: «Es fehlte eine Partei, die liberales und grünes Gedankengut vereinigt. Wir haben diese Marktlücke geschlossen.»

Chris Iseli

Singh ist nach Roland Agustoni (Januar 2010) und Christine Haller (März 2010) schon der dritte SP-Grossrat, der zur GLP gewechselt hat. Wie erklärt sich GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann diese Verstärkung von links? Sie erklärt, vor der Gründung der Grünliberalen Partei habe es «eine grosse Marktlücke» gegeben. «Es fehlte eine Partei, die liberales und grünes Gedankengut vereinigt. Wir haben diese Lücke geschlossen.»

Portmann: kein Grabenkampfteam

Damit gebe es inzwischen eine Alternative für Politiker, die sich in ihrer Partei nicht mehr wohlfühlten. Wobei man auch schon eine Anfrage abschlägig beantwortet habe. Portmann: «Der- oder diejenige muss schon zu uns passen.» Es wechselten auch Freisinnige zur GLP, so zum Beispiel Grossrätin Renata Siegrist und der heute politisch nicht mehr aktive Peter Schuhmacher, der gar GLP-Fraktionschef wurde.

Nach entsprechenden Gesprächen habe sich bei Agustoni und Haller wie jetzt bei Singh gezeigt, «dass es passt». Vielleicht spiele es auch eine Rolle, so Portmann, «dass wir kein zerstrittenes Grabenkampfteam sind, sondern es in der Fraktion sehr gut haben miteinander».

Agustoni: bin der gleiche Mensch

Kann Agustoni, der nach dem Wechsel zur GLP 2012 für seine neue Partei wieder als Grossrat angetreten und gewählt worden ist, dies bestätigen? Er erinnert sich, dass er die SP damals zunehmend als zu polarisierend erlebte. Der Wechsel habe sich schon länger abgezeichnet. Auch er verfolgte damals das Abstimmungsverhalten der neuen GLP.

Agustoni: «Das passte mir. Und ich bin auch heute sehr glücklich in der GLP-Fraktion.» Deshalb politisiere er nicht anders, er sei der gleiche Mensch geblieben. Agustoni: «Das ist wie bei einem Fussballspieler, der vom FCB zum FCZ wechselt. Er trägt ein neues Leibchen, bleibt aber derselbe Mensch.»

Egli: kein inhaltlicher Zusammenhang

Für SP-Co-Fraktionschef Dieter Egli gibt es «keinen ersichtlichen inhaltlichen Zusammenhang zwischen diesen drei Abgängen». Womöglich würden Parlamentarier in einer anderen Partei «mehr vermeintliche Freiheit» erwarten, mutmasst er. Grundsätzlich erwarte er, dass jemand, der aus einer Fraktion austritt, das Grossratsmandat zurückgebe. Singh sei aber gewählt, es sei dessen Entscheidung, ob er das tue oder nicht.