Mieten

Viele Aargauer Mieter zahlen zu viel – einige wehren sich aus Angst nicht

Zimmer einer neuen Wohnung. (Symbolbild)

Zimmer einer neuen Wohnung. (Symbolbild)

Viele Mieter warten wegen tiefer Hypozinsen vergeblich auf Mietsenkungen. Wie viele Aargauer zu viel zahlen, ist unklar. Klar ist: Wollen sie eine Reduktion, müssen sie selbst aktiv werden.

Vermieter dürfen sich über rekordtiefe Hypothekarzinsen freuen. Die Mieter hingegen gehen oft leer aus.

Diesen Umstand kritisiert der Schweizerische Mieterverband und schätzt die Zahl jener, die bei sinkendem Referenzzinssatz auch wirklich von tieferen Mieten profitieren, auf knapp 20 Prozent (die az berichtete).

Auch zahlreiche Aargauerinnen und Aargauer zahlen mehr, als sie müssten. Wie viele es sind, ist nicht bekannt. Entsprechende Zahlen sind nur auf nationaler Ebene verfügbar.

Mieterverband fordert: Mieten sollen sinken.

Mieterverband fordert: Mieten sollen sinken.

Der Rat an die Mieter

Sarah Spielmann, Geschäftsleiterin des Mieterverbands Aargau, berät häufig Personen, die eine Reduktion der Miete einfordern wollen. Sie sagt: «Es gibt Vermieter, die den Mietzins von sich aus anpassen. Die Norm ist das allerdings leider nicht.»

Der Grund: Zwar besteht ein Anspruch auf Anpassung an den vierteljährlich vom Bundesamt für Wohnungswesen bekannt gegebenen Referenzzinssatz (aktuell 2 Prozent), die Vermieter sind aber nicht verpflichtet, selbst aktiv zu werden.

Anders gesagt: Wer nichts davon weiss, wohnt oftmals zu teuer. Vielen Mietern sei gar nicht bekannt, was ihnen zustehe, sagt Spielmann.

Und auch wer vom Anspruch wisse, fordere diesen nicht zwingend ein: «Einige Mieter haben Angst vor Repressionen.»

Doch diese sei unbegründet. «Sie sind gut geschützt. Eine Kündigung aus diesem Grund darf es auf keinen Fall geben.» Deshalb rät Sarah Spielmann allen Mietern, die ihnen zustehenden Reduktionen einzufordern.

«Der Aufwand ist gering.» Oftmals steht der Referenzzinssatz im Mietvertrag. Liegt er über den aktuell geltenden 2 Prozent, lässt sich die Senkung in der Regel einfordern. Berechnungstools und Musterbriefe stellt der Mieterverband auf seiner Website bereit.

Die Tendenz, dass Liegenschaftsbesitzer Zinssenkungen teilweise nur zögerlich oder gar nicht weitergeben, stellt auch die Aargauische Kantonalbank fest, die selbst im Immobiliengeschäft tätig ist.

Sprecherin Ursula Diebold: «Die AKB gibt jedoch Anpassungen in den von ihr bewirtschafteten Liegenschaften bei Senkung des Referenzzinssatzes zugunsten des Mieters jedes Mal weiter, und zwar auf den nächstmöglichen Kündigungstermin.»

Die letzte Anpassung sei im September 2013 erfolgt, als der Referenzzinssatz von 2,25 auf 2 Prozent gesunken sei. Und Diebolds Prognose für die nahe Zukunft dürfte die Mieter freuen: «In den nächsten zwölf Monaten rechnen wir nicht mit steigenden Mieten.»

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