Valyo
30 bis 50 Prozent günstiger als bisher: Fintech-Start-up aus Baden will Banken das Anleihengeschäft abluchsen

Beim Anleihengeschäft geht es um Milliarden. Trotzdem werden die Geschäfte oft noch per Telefon abgewickelt. Jetzt will die Firma Valyo, ein Start-up aus Baden, das Business mit einer neuen Plattform revolutionieren und transparenter machen.

Sébastian Lavoyer
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Daniel Schwab, der CEO von Valyo in Baden, verspricht tiefere Kosten und mehr Transparenz im Anleihengeschäft.

Daniel Schwab, der CEO von Valyo in Baden, verspricht tiefere Kosten und mehr Transparenz im Anleihengeschäft.

Oliver Oettli / Zvg

Es gibt Bereiche in der Wirtschaft, die wirken wie aus der Zeit gefallen. Der Anleihenmarkt ist ein solcher. Es ist ein Bereich, mit dem viele von uns nie direkt in Berührung kommen. Es geht um Summen von 100 Millionen Franken aufwärts. Grossunternehmen beschaffen sich so Geld, Player wie die Swisscom, Nestlé oder Novartis. Institutionelle Anleger wie Versicherungen, Fonds oder Pensionskassen investieren hier: 10, 20, 25 Millionen Franken. Immer dazwischen: eine Bank.

Genau hier setzt Daniel Schwab an. «Wir haben uns gesagt, wir nehmen den Intermediär raus, also die Bank, und setzen Emittent, also den Herausgeber der Anleihe, und Investor, den Käufer, direkt in Verbindung», sagt der CEO des in Baden beheimateten Fintech-Start-ups Valyo. Schwab sagt, so könnten im Vergleich mit einer Anleihenemission mittels einer Bank 30 bis 50 Prozent an Kosten eingespart werden. Zugleich erhöhe man die Transparenz. Und zwar über die Plattform valyo.com.

Die Bank als Blackbox

Angefangen hat alles vor über fünf Jahren. Daniel Schwab arbeitete damals wie Mitgründer Stefan Linder in einer hohen Position im Finanzbereich bei der Swisscom, dem grössten und wichtigsten Emittenten von Anleihen in der Schweiz. Schwab sagt:

«Der Anleihenmarkt ist eine Art Blackbox. Als Emittent weiss man oft nicht genau, wer Investor ist, oder wer weshalb wie viele Anteile kriegt.»

Denn wer Geld beschaffen will, der kontaktiert die Bank und die wiederum die Investoren. Sie beschafft das Geld und transferiert es zum Kunden, also dem Grossunternehmen mit Finanzierungsbedarf.

«Aktien- und Devisenmärkte sind schon längst digitalisiert. Da würde es niemandem in den Sinn kommen, über eine Bank zu gehen. Aber der Anleihenmarkt in der Schweiz war 30 Jahre praktisch unverändert», sagt Schwab. Er und Linder wollten das ändern, und begannen im Dezember 2016 das Projekt ernsthaft zu verfolgen. Schon im Frühling 2017 wurde Raiffeisen auf die beiden aufmerksam.

Heute ist Valyo eine hundertprozentige Tochter von Raiffeisen Schweiz. Natürlich erhofft Raiffeisen sich, einen grösseren Teil des Anleihenmarktes sichern zu können. Aktuell ist sie noch die Nummer 4 hinter UBS, Credit Suisse und Zürcher Kantonalbank. Aber Raiffeisen ist nicht nur Investorin, sondern ermöglicht als Zahlstelle die Geldflüsse in operationeller Sicht, kotiert die Anleihe an der Börse und stellt ihr Wissen zur Verfügung.

Jährlich werden in der Schweiz zwischen 20 und 30 Milliarden Franken an Anleihen herausgegeben (2020 waren es 26,3 Milliarden Franken; Anmerkung der Redaktion). Valyo verdient ihr Geld mittels Gebühren auf den Transaktionsvolumen.

Billiger und transparenter – so lautet das Versprechen

Valyo will das deutlich billiger und transparenter machen als die traditionellen Banken. Transparenter wird der Prozess gleich in mehrfacher Hinsicht: Alle potenziellen Investoren werden gleichzeitig informiert. Es ist für den Emittent jederzeit ersichtlich, wer wie viele Anleihen kaufen will und unter welchen Bedingungen. Zum Beispiel kann der Emittent im Vorhinein selbst definieren, wie die Vergabe läuft, wenn die Anleihe überzeichnet wird. Das ist alles automatisiert, derweil die Raiffeisen Zahlung und Lieferung sowie Kotierung sicherstellt.

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Gegründet wurde Valyo letztlich Anfang 2019, rund ein Jahr später war die Plattform fertiggebaut. Danach wurden insbesondere die potenziellen Investoren kontaktiert. Denn will ein Unternehmen Geld beschaffen, will es, dass möglichst alle potenziellen Investoren informiert sind. Man habe nun gemeinsam mit Raiffeisen im Schweizer Anleihenmarkt praktisch das gleiche Investoren-Universum zu bieten wie die Schweizer Grossbanken, so Schwab.

Fehlender Mut als bremsender Faktor

Jetzt geht es für ihn und seine neun Mitstreiter bei Valyo darum, die Grossunternehmen von der Plattform zu überzeugen. Bisher konnte Valyo zwei Anleihen über die Plattform herausgeben. Eine für das Mutterhaus Raiffeisen (112 Millionen Franken), eine für die Swisscom (100 Millionen), seine ehemalige Arbeitgeberin. So weit er wisse, die erste digitale Emission eines börsenkotierten Unternehmens weltweit, sagt Schwab. Und:

«Wir haben viel Interesse, aber noch fehlt vielerorts der Mut, eine solche Transaktion komplett digital zu machen.»

Dass sich das schnell ändern wird, davon ist er überzeugt. Schon in wenigen Jahren rechnet er damit, dass fast alle Emissionen voll digital gemacht werden. Bis dahin aber will Schwab Valyo auch für grössere KMU zu einem interessanten Finanzierungstool machen.

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