Interview

UBS-Regionaldirektor Sommerhalder zum Klimawandel: «Ich muss meinen CO2-Verbrauch messen»

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder hat ein schwieriges Jahr hinter sich.

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder hat ein schwieriges Jahr hinter sich.

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder erklärt im Interview, warum er kein Elektroauto fährt, aber mit Fernwärme heizt. Er verrät, was er im Garten genauso gut kann wie Zinsrechnen und was der Kanton Solothurn vom Kanton Aargau lernen kann.

Ununterbrochen scheint in den Bergen die Sonne, die Skigebiete verzeichnen Rekord-Besucherzahlen und doch fragen sich alle: Wo bleibt der Schnee? Das Klima und seine Veränderung prägten die letzten Tage, Wochen und Monate wie kaum ein anderes Thema. Immer wieder stehen deswegen auch die Grossbanken am Pranger. Bewegen sie sich überhaupt nicht? Wir haben bei UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder nachgehakt.

Wie sehr betrifft Sie der Klimawandel persönlich?

Thomas Sommerhalder: Unsere Kinder, die mit 29 und 31 Jahren natürlich längst erwachsen sind, pushen mich und meine Frau sehr stark, uns mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Insbesondere unsere Tochter. Sie achtet extrem auf ihren ökologischen Fussabdruck. Sie veranlasst mich, regelmässig meinen eigenen mit der WWF-App nachzumessen.

Wie gross ist Ihr Fuss­abdruck denn?

Laut der App verbrauche ich rund 12,85 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist leicht unter dem Schweizer Durchschnitt von 13,51 Tonnen, aber über dem Weltschnitt von 7,41 Tonnen.

Woher rührt ihr CO2-Ausstoss?

Primär vom Autofahren. Das Fliegen ist bei mir nicht mehr ein grosses Thema. Früher, als Textil-Unternehmer, bin ich viel geflogen, heute vielleicht noch einmal pro Jahr.

Warum fahren Sie kein Elektroauto?

Ich bin noch nicht wirklich überzeugt, ob es gescheiter ist, in einem Elektroauto herumzufahren. Für mich steht eher die Frage im Zentrum, wie ich meinen Gesamtenergieverbrauch reduzieren kann.

Und?

Wir heizen beispielsweise mit Fernwärme. Bei uns in der Nähe kommt 21 Grad warmes Wasser aus dem Boden, davon profitieren wir seit mehr als 25 Jahren. Es war zudem auch bequem, weil man keinen Kaminfeger und keine eigene Infrastruktur braucht.

Was tun Sie sonst?

Ich finde, man sollte auch schauen, dass man möglichst dort arbeiten kann, wo man wohnt. Solche Themen werden immer wichtiger. Das war auch bei mir so, als ich vor zehn Jahren diesen Job annahm. Ich wollte wieder dort arbeiten, wo ich schon immer wohnte, im Aargau. Natürlich geht es da auch um weniger Pendlerzeit, also um Lebensqualität. Wie bei der Ernährung.

Wie meinen Sie das?

Wir essen daheim sehr regional, sehr saisongerecht. Wir haben einen eigenen grossen Garten, machen viele Lebensmittel selbst. Angefangen bei der Konfitüre, aufgehört beim Brot.

Sind Sie selbst auch ab und zu im Garten?

Ja, es gibt Arbeiten im Garten, die ich erledigen muss (schmunzelt).

Was sind Ihre Aufgaben?

Die ganze Beeren-Pflückerei zum Beispiel. Von den Erdbeeren über die Brombeeren bis hin zu den Himbeeren, alles. Ich habe auch grosse Freude an Gewürzen. Aber meine Frau ist sehr gut, wenn es um Salate, Karotten, Kartoffeln und alles andere geht.

Weg von der persönlichen Ebene hinzu der UBS. Was bedeutet der Mentalitätswandel in der Klimafrage für Ihre Bank?

Nachhaltigkeit ist bei uns schon sehr lange ein zentrales Thema. Unsere erste Klimastrategie stammt aus dem Jahr 2007. Und auch im abgelaufenen Jahr ist nochmals ein grosser Ruck durch die Gesellschaft und auch die Bank gegangen.

Das heisst?

Es gibt einen gewissen Druck von Kundenseite. Gewisse Anlagen sind nicht mehr gefragt, andere gewinnen an Bedeutung. Das beobachte ich übrigens auch bei mir selbst.

Inwiefern?

Mein persönliches Wertschriften-Portfolio ist viel stärker geprägt von Nachhaltigkeit, langfristigen Investments im Bereich Elektrizität und Mobilität. Diesen Wunsch spüren wir auch von Kundenseite, während andere Dinge nicht mehr «en vogue» sind.

Was tönen Sie hier an? Was ist nicht mehr «en vogue»?

Kunden wollen zum Beispiel sichergestellt haben, dass wir in einem Fonds keine Kohlekraftwerke haben. Es gibt auch solche, die keine Atomkraft wollen. Aber es geht schon vor allem um fossile Brennstoffe.

Sprechen wir jetzt von privaten oder von Firmenkunden?

Sowohl als auch. Aber der Druck kommt aber vor allem von den institutionellen Anlegern wie den Pensionskassen. Da wächst der Druck enorm, auch aufgrund von Governance-Vorgaben. Da geht es um grosse Geldmengen respektive Investitionen und das bedeutet, dass sich die Welt verändern wird – und zwar ziemlich zügig.

Stellen Sie auch bei den Firmen einen Trend zur Nachhaltigkeit fest?

Das ist nichts Neues, das begann mit Klima-Rappen, mit CO2-Vereinbarungen und so weiter schon vor 25 Jahren. Aber ich glaube schon, dass die Firmen im Wandel begriffen sind. Auch weil Sie erkannt haben, dass es sich rächen wird, wenn sie nicht reagieren. Diese Nachhaltigkeitsbewegung ist ein grosses Thema.

Genauso wie die Negativ­zinsen. Die Kunden stören sich an wachsenden Gebühren.

Die Kreditmargen waren vor 20, 25 Jahren bei 2 bis 2,5 Prozent. Damit hat man früher alles bezahlt: Porto, Computerausdrucke, alles. Die Margen aber sind geschrumpft, sie haben sich bis heute mehr als halbiert. Wir sind am Punkt angelangt, wo wir zwar noch das Geldgeschäft, Depositen und Kredite, finanzieren können, aber sonst nichts mehr. Und das obwohl die Volumen heute viel grösser sind als früher. Deshalb kosten die Dienstleistungen heute etwas.

Wie reagieren die Kunden?

Erstaunlich gelassen. Immerhin sind die Schuldzinsen auf einem Niveau wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Und wie sieht es bei Negativzinsen aus?

Der grösste Teil der Privatkunden zahlt keine Negativzinsen. Das kommt daher, dass der Schuldner den Sparer quersubventioniert. Oder anders gesagt, eigentlich müsste der Schuldner in der heutigen Konstellation Geld für seine Schulden kriegen, der Privatsparer im Gegenzug natürlich Negativzinsen zahlen…

Geld bekommen dafür, dass man sich verschuldet – eine völlig absurde Vorstellung. Ist dieses Szenario auch für die Schweiz realistisch?

Das ist schwer zu sagen. Wir beobachten so etwas in Ansätzen in Dänemark. Und ich weiss, dass sich die Weltbank mit Szenarien beschäftigt und sich fragt, was passieren würde, wenn wir Zinsen von minus 5, minus 6 Prozent hätten.

Zurück ins Regionale: Wie lief eigentlich das Jahr für Ihre Bank in der Region Aargau/Solothurn?

Am Anfang war es etwas schwierig. Aber wir hatten ein sehr gutes viertes Quartal. Das hatte vor allem mit einer wachsenden Zahl an Firmenübernahmen und komplizierten Finanzierungen zu tun. Da hat sich vieles bewegt und da sind wir besonders stark.

Was erwarten Sie vom neuen Jahr?

Das Umfeld bleibt fordernd. Aber die Pipeline fürs nächste Jahr ist schon mal sehr gut (schmunzelt).

Überhaupt war es kein einfaches Jahr für die Region. Die Leerstandsquoten sind hoch – im Aargau und noch ausgeprägter in Solothurn.

Ja, aber entsprechend sind die Baugesuche in Solothurn auch deutlich zurückgegangen. Im Aargau sind sie stabil. Über die Zeit wird sich das sowieso von selbst regeln. Boom-Regionen werden irgendwann an verkehrstechnische Kapazitätsgrenzen stossen, die Preise steigen. Irgendwann ist der Anreiz da, in Gebiete zu ziehen, wo jetzt Wohnungen leer stehen.

Solothurn steht im interkantonalen Vergleich in vielen Belangen nicht gut da.

Letzthin hat jemand mir gegenüber Solothurn als Armenhaus der Schweiz bezeichnet.

Hat er oder sie nicht Recht?

Ich sage seit Jahren: Der Kanton hätte super Voraussetzungen, was die Infrastruktur anbelangt. Sie haben einen Flugplatz, den man ein bisschen verlängern müsste. Sie haben grosse Industriebrachen. Solch grosse Flächen findet man sonst eigentlich nirgends in der Schweiz. Die Verwaltung ist schlank, noch schlanker als im Aargau sogar.

Warum nutzen die Solothurner ihr Potenzial nicht?

Der Kanton braucht einfach Zeit, um das Image als Potenzial-Kanton aufzubauen. Und man ist dran, wie die Ansiedlung von Biogen in Luterbach zeigt. Johnson&Johnson, Ypsomed und Mathys sind schon dort, da entwickelt sich ein Medizinaltechnik-Cluster.

Trotzdem hinken die Solothurner den Aargauern hinterher.

Auch der Aargau brauchte Zeit, um sein Image zu korrigieren. Heute spricht alles vom PSI, das war vor 15 Jahren noch anders. Da kannte man es vielleicht unter Insidern, heute ist es eine Institution von Weltrenommee.

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