Safenwil

«Tamilen-Mord» auf A1: Bundesgericht lässt Haupttäter abblitzen

Eingang zum Bezirksgericht Zofingen während des ersten Prozesses am 28. Oktober 1997.

Tamilen-Mord

Eingang zum Bezirksgericht Zofingen während des ersten Prozesses am 28. Oktober 1997.

Vor 21 Jahren erschoss ein Tamile einen Landsmann und Geldverleiher nachts auf dem Pannenstreifen der A1 in Safenwil. Erst vor drei Jahren konnte dem Täter der Prozess gemacht werden. Gegen die langjährige Haftstrafe hat er sich ohne Erfolg gewehrt.

Nachts um 3.25 Uhr am Freitag, 27. Mai 1994, machten Polizisten auf der Autobahn A1 bei Safenwil eine grausige Entdeckung: Auf dem Rücksitz eines Autos, das auf dem Pannenstreifen abgestellt war, fanden sie eine männliche Leiche.

Der reiche tamilische Geldverleiher (41) aus der Region Hünibach BE, bekannt für seine Wucherzinsen, war mit sechs Schüssen in Kopf, Hals und Schultern regelrecht hingerichtet worden.

Der Hintergrund des Mordes waren Spiel- und Kreditgeschäfte nach dem Schneeballprinzip. Die Täter hatten das Opfer unter dem Vorwand angelockt, eine Kreditrate zurückzahlen zu wollen, um ihm Geld zu rauben.

Täter von Tamilenmord 1994 stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zofingen.

Täter von Tamilenmord 1994 stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zofingen.

Einige Tage später nahm die Polizei vier Verdächtige fest, die sich auch vor Gericht verantworten mussten. Der Haupttäter allerdings konnte sich ins Ausland absetzen. Erst 2010 wurde er in London verhaftet.

Im Januar 2013 wurde ihm vor dem Bezirksgericht Zofingen der Prozess gemacht. Das Urteil für den heute 47-jährigen Tamilen lautete 13 Jahre Gefängnis wegen Mordes.

Die Staatsanwaltschaft hatte vor Bezirksgericht auf Merkmale eines Auftragsmords hingewiesen. So war der Täter mit einem Komplizen am Montag zuvor per Zug von Paris in die Schweiz eingereist und von den anderen Mittätern beherbergt worden.

Einen Tag nach der Tat stiegen die zwei wieder in einen Zug in Richtung französische Hauptstadt. Ein Auftragsmord liegt allerdings nur dann vor, wenn jemand für die Tötung eines Menschen bezahlt wird. Das konnte nicht bewiesen werden.

Der Täter und die Staatsanwaltschaft Zofingen-Muri legten Berufung ein. Das Aargauer Obergericht erhöhte die Strafe im August 2014 auf 15 Jahre. Nun hat das Bundesgericht über die Beschwerde des Tamilen entschieden, der einen Freispruch forderte. Die Richter in Lausanne haben das Urteil samt 15-jähriger Haftstrafe bestätigt.

Zeitungsausschnitt zum Tamilenmord im Jahr 1994

Zeitungsausschnitt zum Tamilenmord im Jahr 1994

Urteile für andere Täter

Das Bezirksgericht Zofingen hatte 1997 zum Fall ein erstes Urteil gegen vier Landsleute des Opfers gesprochen, die in der Schweiz lebten. Es verurteilte dabei drei Angeklagte vor allem wegen Mordes zu 18 und 14 Jahren Zuchthaus und einen vierten Angeklagten wegen Gehilfenschaft zum Raub zu 15 Monaten bedingt.

Drei der vier Verurteilten zogen das Urteil weiter – mit Erfolg. Das Bundesgericht den Fall ans Obergericht zurück und verlangte, die Angeklagten von der Anschuldigung des Mordes frei zu sprechen. So verurteilte das Obergericht im Jahr 2000 die drei Angeklagten wegen Raubes sowie Freiheitsberaubung und Entführung zu 3½ beziehungsweise 3 Jahre Zuchthaus.

Urteil: 6B_1039/2014

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