Die besten Szenen des Gesprächs von Bruno Lustenberger mit AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli.

Tele M1/gue

«TalkTäglich»
«Wir dürfen kritisch sein»: Gastro-Präsident Lustenberger über Corona-Regeln, seinen Abschied von der «Krone» und sein wiederentdecktes Hobby

Die Pandemiemassnahmen haben bei Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, Spuren hinterlassen. Im «TalkTäglich» spricht er über tragische Schicksale von Wirten, den Abschied von seinem Restaurant und sein wiederentdecktes Hobby.

Dominic Kobelt
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Nach 24 Jahren hat er letzte Woche sein Restaurant in Aarburg geschlossen. In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele M1 blickt Bruno Lustenberger auf eine bewegte Zeit zurück und zieht auch Bilanz zur Coronapandemie, in der er als Präsident von Gastro Aargau die Wirtinnen und Wirte vertrat: «Die Aargauer Regierung hat es sehr gut gemacht – besser als praktisch alle anderen kantonalen Regierungen.» Es sei immer schnell entschieden worden und die Betriebe hätten finanzielle Unterstützung erhalten, da könne er den Regierungsräten ein Kränzchen binden.

Moderator Rolf Cavalli weist Lustenberger darauf hin, dass er die Massnahmen aus Bern meist negativ kommentiert habe. Lustenberger sagt: «Wir dürfen auch kritisch sein, es geht um unsere Existenz. Die Wirte haben meistens nicht viele Mittel auf der Seite.» Es sei eine schwierige Zeit gewesen, so habe es acht Mal neue Auflagen gegeben. Lustenberger räumt aber ein, dass auch er immer wieder «schlauer geworden» sei. So hatte er etwa gegen die Zertifikatspflicht eingewendet, Gastronomen seien keine Polizisten. «Jetzt zeigen die Gäste das Zertifikat und ihren Ausweis schon automatisch.»

Unverständnis für sturen Besitzer

Trotz allem kann Lustenberger den letzten knapp zwei Jahren auch ihr Gutes abgewinnen. «Ich bin zum Bergsteiger geworden – ich hatte das früher einmal gemacht und habe nun zu dem Hobby zurückgefunden. Es ist zu meiner Leidenschaft geworden.» Als ihm ein Zusammenschnitt seiner Aussagen während der Pandemie vorgespielt wird, muss Lustenberger schmunzeln: «Ich habe in der Zwischenzeit 13 Kilo abgenommen, auch wegen des Bergsteigens. Das sieht man.»

Natürlich gab es in der Zeit aber auch schwierige Schicksale, die Lustenberger erreichten. «Es gab im Aargau einen Familienbetrieb, ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern, und die haben ihre Sache wirklich gut gemacht. Doch der Besitzer wollte ihnen keinen Franken entgegenkommen und sie mussten aufhören – die haben mir sehr leidgetan.» Er habe noch mit dem Besitzer reden wollen, doch dieser hätte ihn nicht mal angehört.

Das zweite Weihnachtsfest in 24 Jahren

Auch wenn er die «Krone» verkauft hat, bleibt Lustenberger Präsident von Gastro Aargau. «Mir gehört noch ein anderes Restaurant, auch wenn ich es verpachtet habe. Und bin Verwaltungsratspräsident von zwei Hotelfachschulen, zu denen auch vier Restaurants gehören – also habe ich eigentlich noch fünf», erklärt Lustenberger.

Damit geht es für den Gas­tronomen «back to the roots», wie er selber sagt, denn er hatte seine Ausbildung in einer der Schulen absolviert. Die Restaurantlandschaft sei in der Zwischenzeit vielseitiger geworden. «Damals waren Pizzerias noch die Aussenseiter.» Mit seinem eigenen Betrieb verbindet er viele Geschichten. «Wir hatten einmal ein Firmenbankett und waren absolut am Limit. Als ich mich bei den Gästen entschuldigen wollte, dass sie auf das Essen warten müssen, sass unser Kellner – ein Erstlehrjahr-Stift – am Klavier und hat die Gäste unterhalten.»

Lustenberger freut sich jetzt auf die Festtage. Es ist erst das zweite Mal in 24 Jahren, dass er Weihnachten mit seiner Familie feiern kann, dafür gleich an drei Tagen. «Schöner geht’s nicht.»

Schauen Sie die ganze Sendung hier:

Der «TalkTäglich» mit Bruno Lustenberger.

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