Talk Täglich
Familie Mahrer aus Möhlin wohnt aktuell zu neunt: Ohne Hilfe von Gastfamilien hätte der Aargau ein Problem mit den Geflüchteten aus der Ukraine

Seit einem Monat leben bei Familie Mahrer in Möhlin Flüchtlinge aus der Ukraine. Nicht überall ist das Zusammenleben zwischen Geflüchteten und Gastfamilien so harmonisch. Umplatzierungen will der Kanton aber möglichst verhindern.

Noemi Lea Landolt
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Die wichtigsten Momente aus der Gesprächsrunde zu den Ukraine-Flüchtlingen.

Tele M1

Am Dienstag sind 120 Geflüchtete aus der Ukraine im Aargau angekommen. «Es wäre schlicht nicht möglich gewesen, sie alle unterzubringen ohne Angebote von Privaten.» Das sagte Pia Maria Brugger, Co-Leiterin des Kantonalen Sozialdienstes, am Dienstagabend im «Talk Täglich» auf Tele M1.

Neun statt fünf Mitglieder im Haushalt

Die Angebote von Privaten gäben dem Kanton und den Gemeinden Luft, ihre eigenen Strukturen hochzufahren. «Angesichts der Prognosen wird es aber auch in Zukunft nur funktionieren, wenn alle mitziehen», sagte Brugger.

Die Familie von Simon Mahrer aus Möhlin gehörte zu den ersten im Kanton, die Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen haben. Vor einem Monat ist eine Mutter mit drei Kindern bei ihnen eingezogen. Anstatt zu fünft sind sie nun bis auf Weiteres zu neunt.

Seit einem Monat wohnen Anastasiia (17), Jrina (37), Kira (4 Monate) und Angelina (12) bei Simon und Karin Mahrer in Möhlin.

Seit einem Monat wohnen Anastasiia (17), Jrina (37), Kira (4 Monate) und Angelina (12) bei Simon und Karin Mahrer in Möhlin.

Severin Bigler

Der neue Alltag laufe, sagte Mahrer im «Talk Täglich». Wie lange die vier bleiben, könne er nicht sagen. Der Mutter sei es im Moment einfach wichtig, dass ihre Töchter in Frieden aufwachsen könnten. Ob sie wieder in die Ukraine zurückkehren, sei offen.

«Wir haben ihnen gesagt, uns sei es egal, ob sie eine Woche, einen Monat oder ein Jahr bleiben. Unsere Türen sind offen.»

Auch Brugger kann nicht vorhersehen, was in den kommenden Wochen und Monaten passieren wird. Sie sagt: «Wir bereiten uns – zusammen mit den Gemeinden – auf alle Eventualitäten vor.»

Dazu gehört auch, dass die Solidarität in der Bevölkerung nicht zwingend so gross bleibt, wie sie heute ist. Schon jetzt zeigt sich, dass das Zusammenleben von Gastfamilien und Geflüchteten nicht überall so harmonisch ist wie bei Mahrers. Oft liegt das daran, dass sich die Gastfamilien zu wenig damit auseinandergesetzt haben, was es bedeutet, Geflüchtete aufzunehmen.

Viel Ruhe und genug Raum, um anzukommen

Es sei wichtig, dass sich Gastgeberinnen und Gastgeber ehrlich fragen, was sie neben ihren eigenem Alltag tragen können, sagte Brugger. Die Personen seien nicht einfach für ein paar Nächte zu Besuch. «Sie haben eine Flucht hinter sich.» Gerade in der ersten Zeit bräuchten sie deshalb vor allem Ruhe.

Das bestätigte auch Simon Mahrer. In der zweiten Nacht hätten die Mutter und ihre Töchter 14 Stunden geschlafen und auch jetzt unternähmen sie nur sehr wenig mit ihnen zusammen. «Wir geben ihnen einfach Raum, um anzukommen.»

Wenn es zu Spannungen zwischen Gastfamilien und Geflüchteten kommt, werde versucht, zu vermitteln, sagte Brugger. Eine Umplatzierung sei die letzte Option. Der Kanton sei jetzt, wo so viele Plätze benötigt werden, sehr froh, wenn nicht zu viele Geflüchtete umplatziert werden müssten.

Die ganze «TalkTäglich»-Sendung zum Thema können Sie hier nachschauen:

Tele M1