Zofingen

Sektenexperte und Jung-Politiker gegen Stadtsaal-Vermietung an Scientology

Der Stadtammann findet die Vermietung unbedenklich. Für Sektenexperte Hugo Stamm nicht nachvollziehbar: «Scientology verfolgt radikale, zum Teil antidemokratische Haltungen». (Archiv)

Der Stadtammann findet die Vermietung unbedenklich. Für Sektenexperte Hugo Stamm nicht nachvollziehbar: «Scientology verfolgt radikale, zum Teil antidemokratische Haltungen». (Archiv)

Juso-Präsident Sascha Antenen kritisiert die Vermietung des Stadtsaals an Scientology. Bereits zum fünften Mal tagt die religiöse Gruppierung im Stadtsaal. Der Stadtammann findet dies unbedenklich. Scientology sei schliesslich nicht verboten.

Sascha Antenen, Einwohnerrat in Zofingen und Präsident der Juso, verurteilt es scharf, dass sich Scientology im Stadtsaal einmieten darf: «Scientology ist eine klar antidemokratische, totalitäre Sekte. Der Stadtsaal gehört der Öffentlichkeit. Wir dürfen dieser Organisation keinen Platz bieten, damit sie sich weiter ausbreiten kann.»

Er weiss, dass das Stadtsaalreglement eine Organisation wie Scientology nicht explizit ausschliesst. Das Reglement enthält nur folgende Einschränkung: «Veranstaltern, deren Gedankengut oder deren geplante Veranstaltung gegen die Rassismus-Strafnorm verstossen, wird die Reservation und Benützung der Räumlichkeiten verweigert.»

Nationales Scientology-Treffen in Zofingen.

Nationales Scientology-Treffen in Zofingen.

Weitere Einschränkungen bezüglich der ideellen Ausrichtung von potenziellen Mietern führt das Reglement nicht auf. Antenen ist aber der Meinung, die Sekte verstosse gegen heute etablierte gesellschaftliche Grundwerte.

Scientology fragte selber an

Eine Mogelpackung ist die auf Samstag ab 18 Uhr angesetzte Veranstaltung im Stadtsaal Zofingen indes nicht. Scientology hat die Anfrage für den Stadtsaal im eigenen Namen getätigt. Und dies auch nicht zum ersten Mal.

Wie der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger auf Anfrage erläutert, belegen die Scientologen den Stadtsaal seit August 2014 bereits zum fünften Mal. Nur hatte die Zofinger Öffentlichkeit dies bisher nicht bemerkt.

Es habe sich durchwegs um interne Veranstaltungen dieser religiösen Gruppierung gehandelt. Die Veranstaltung von morgen Samstag ist ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, weil Wilfried Handl einen internen Flyer der Organisation auf seinem Blog gegen Scientology publiziert hat. Der Österreicher ist selbst ehemaliger Scientologe, gehört heute aber zum gegnerischen Lager.

Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger verteidigt die liberale Vermietungspraxis: «Scientology erregt mit dieser Veranstaltung kein öffentliches Ärgernis.» Und er betont auch, dass Scientology nicht verboten sei. Bei den vergangenen Veranstaltungen habe es keine Probleme gegeben.

Sektenexperte warnt

Der bekannte Zürcher Sektenexperte Hugo Stamm hält diese Aussagen für naiv. Auch die rechtsradikale PNOS sei nicht verboten. Für ein Verbot sei ein klarer Verstoss gegen das Strafrecht erforderlich. «Scientology operiert geschickt an der Grenze des Erlaubten. Die Organisation beutet ihre Mitglieder gnadenlos aus, bezahlt ihnen 50 Franken im Monat. Wenn sie im Alter Sozialfälle werden, muss die Öffentlichkeit für sie aufkommen.»

Stamm betont: «Scientology ist speziell gefährlich, weil sie unter allen Sekten die perfektesten Indoktrinationsmethoden anwendet. Sie macht Anhänger abhängig, manipuliert und unterdrückt sie. Sie verfolgt radikale, zum Teil antidemokratische Haltungen.»

Für den Zofinger Jungsozialist Sascha Antenen ist deshalb klar: «Ich prüfe einen parlamentarischen Vorstoss zur Änderung des Stadtsaalreglements.»

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