Pandemie
Schulen, Impfen und Testen: Das sind die Pläne der Regierung für den Herbst

Der Regierungsrat will die regelmässigen Spucktests an Schulen auch nach den Herbstferien weiterführen. Allerdings bleibt die Teilnahme für die Schulen freiwillig, solange sich die epidemiologische Situation nicht verschlechtert. Die Maskenpflicht ab der 5. Klasse wird bis am 29. Oktober verlängert.

Noemi Lea Landolt
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Verschärft sich die epidemiologische Lage, könnte die Teilnahme an den regelmässigen Spucktests für alle Schulen im Aargau obligatorisch werden.

Verschärft sich die epidemiologische Lage, könnte die Teilnahme an den regelmässigen Spucktests für alle Schulen im Aargau obligatorisch werden.

Valentin Hehli

Die Herbstferien stehen vor der Tür und damit stellt sich auch die Frage, welche Coronamassnahmen es an den Schulen nach den Ferien braucht, damit die Situation unter Kontrolle bleibt. Die Sommerferien haben gezeigt, wie schnell es gehen kann, wenn sich Ansteckungen an Schulen häufen. Klassenquarantänen gehörten zum Alltag, es gab Schulschliessungen und das repetitive Testen funktionierte mehr schlecht als recht.

Der Regierungsrat hat sich eine Woche länger Zeit genommen, um zu entscheiden, wie es an den Schulen weitergehen soll. Gestern haben Bildungsdirektor Alex Hürzeler und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati vor den Medien über die Beschlüsse der Regierung informiert.

SP Aargau findet Entscheid der Regierung «mutlos»

Der Regierungsrat will die regelmässigen Spucktests an den Schulen nach den Herbstferien weiterführen. Die Teilnahme bleibt sowohl für die Schulen als auch die Schülerinnen und Schüler freiwillig. Die Regierung verzichtet auf ein Obligatorium, hält sich diese Option aber offen, sollte die Situation eskalieren.

Die SP Aargau bezeichnet diesen Entscheid in einer Mitteilung als «mutlos». Die repetitiven Tests könnten ihre voll präventive Wirkung nur entfalten, wenn alle Schulen und möglichst alle Kinder daran teilnehmen. Deshalb sollten sie obligatorisch für die Schulen sein, argumentiert die SP.

Teilnahmequote könnte besser sein

Laut Gallati ist die Teilnahme an regelmässigen Tests bisher in keinem Kanton obligatorisch. Der Gesundheitsdirektor gibt auch zu bedenken, dass es bei einem so grossen Kanton wie dem Aargau wohl ein Kapazitätsproblem auf Seiten des Labors gäbe, wenn alle Schulen Spucktests anbieten müssen. Trotzdem hofft Gallati, dass sich noch mehr Schulen für die Teilnahme an den regelmässigen Tests entscheiden. «Die Beteiligung ist bisher nicht fantastisch.»

Neben den freiwilligen regelmässigen Tests wird es an allen Schulen Ausbruchsuntersuchungen geben, wenn Kinder oder Lehrpersonen positiv auf das Coronavirus getestet werden. In diesen Fällen führen spezialisierte Teams die notwendigen Tests und Abklärungen durch, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Die Maskenpflicht ab der 5. Klasse, die der Regierungsrat per 1. September wieder eingeführt hat, soll noch bis am 29. Oktober gelten. Zusammen mit den regelmässigen Tests, den Ausbruchsuntersuchungen und Massnahmen wie Hygiene, Abstand und Lüften soll ein möglichst ungestörter Schulbetrieb ermöglicht werden. Klassenquarantänen sollen nur noch in Ausnahmefällen angeordnet werden.

Regierung empfiehlt für Lager eine Zertifikatspflicht

Anders als an Höheren Fachschulen und der Fachhochschule Nordwestschweiz wird es an Volks-, Mittel- und Berufsfachschulen im Aargau keine Zertifikatspflicht geben. Diese gilt nur für öffentliche Schulanlässe in Innenräumen.

Ob die Schulen für Klassenlager ein Zertifikat oder einen negativen Test verlangen, überlässt die Regierung den Schulen. Sie empfiehlt ihnen lediglich, bei über 16-Jährigen ein Zertifikat und bei unter 16-Jährigen ein negatives Testresultat zu verlangen

Impfen an Oberstufe startet

Coronaausbrüche an Schulen will der Regierungsrat auch mit einer höheren Impfquote der Schülerinnen und Schüler verhindern. Seit Mitte August wird an Berufs- und Kantonsschulen im Aargau geimpft. 1991 Personen haben bisher eine erste Impfung erhalten.

Diese Woche wurde das Angebot auf die Oberstufe ausgedehnt. Im Gegensatz zu den Kantischülern und Berufsschülerinnen brauchen Oberstufenschüler, die sich gegen Covid-19 impfen lassen möchten, die Einwilligung ihrer Eltern.

Mehr als 33'000 Erstimpfungen im September

Die Anzahl Impfungen hat im Aargau wieder zugenommen. Im Juli haben 24'801 Personen eine erste Impfung erhalten, im August waren es 30'301 Personen und im September sind es bisher bereits 33'602. Von den Rekordzahlen im Juni, als 99'274 Personen die Erstimpfung erhalten haben, sind die heutigen Werte aber weit entfernt.

Anzahl Erstimpfungen im Kanton Aargau

in Tausend
JuniJuliAugustSeptember020406080100

Im Aargau sind 61,4 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Am höchsten ist die Impfquote mit 89 Prozent bei den 70- bis 79-Jährigen. Auffällig hoch ist sie mit 62 Prozent auch bei den 16- bis 19-Jährigen. Diese Altersgruppe gehöre zu den impfwilligsten, sagte Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, gestern vor den Medien. Die 16- bis 19-Jährigen haben inzwischen sogar die 20- bis 29- Jährigen überholt, wo die Impfquote bei 58 Prozent liegt.

Impfquote im Aargau nach Alter (Erstimpfungen)

Stand: 22. September 2021
80+70 bis 7960 bis 6950 bis 5940 bis 4930 bis 3920 bis 2916 bis 1912 bis 15020406080

Als möglichen Grund für die hohe Impfbereitschaft nennt Hürlimann die Angst vor kostenpflichtigen Tests. «Für Kantons- oder Berufsschüler sind regelmässige Tests fast nicht finanzierbar. Die Gratis-Impfung ist klar die günstigere Option.»

Zwei IPS-Patienten waren doppelt geimpft

Auf den Intensivpflegestationen (IPS) hat sich die Situation laut Hürlimann etwas entspannt. Die 49 verfügbaren Betten im Kanton Aargau sind aktuell zu 73 Prozent ausgelastet. Das Problem sei aber weiterhin, dass mehr als die Hälfte aller IPS-Patienten wegen Covid-19 behandelt wird. Am Mittwoch waren es 19 Covid-Patienten und 17 Nicht-Covid-Patienten. Schweizweit ist der Anteil Covid-Patienten auf der IPS mit knapp 27 Prozent deutlich tiefer.

Der Kanton informierte gestern auch über Impfdurchbrüche. Demnach waren von den 38 Covid-Patientinnen und Covid-Patienten, die seit dem 21. August auf den Intensivstationen im Kanton Aargau behandelt wurden, 32 nicht geimpft. Das entspricht 84,2 Prozent. Vier Patienten waren einmal geimpft (10,5 Prozent), zwei waren vollständig geimpft (5,3 Prozent).

Gute Nachrichten gibt es für alle impfwilligen Personen, die sich wegen einer Allergie auf die mRNA-Impfstoffe bisher nicht impfen lassen konnten. Der Aargau wird bald 12000 Dosen des «Johnson&Johnson»-Impfstoffs erhalten. Bei «Johnson&Johnson» handelt es sich um einen vektorbasierten Totimpfstoff. Der Impfschutz liegt mit 65 Prozent deutlich unter jenem der beiden mRNA-Impfstoffe. Er schützt aber zu 90 Prozent vor schweren oder tödlichen Krankheitsverläufen.

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