Aufgelöste Bank
Offensiv wird umworben und abgeworben: Kampf um Kunden und Mitarbeiter der NAB

Die Konkurrenz reisst sich um Kunden und Mitarbeitende der aufgelösten Bank.

Sébastian Lavoyer
Merken
Drucken
Teilen
Ende einer Ära. (Symbolbild)

Ende einer Ära. (Symbolbild)

Archiv

Es ist eine Aktion der Aargauer Kantonalbank (AKB), die seit Mittwoch für Aufsehen sorgt. Die AKB hat blaue Fussspuren auf den Boden kleben lassen. Um Kunden der Neuen Aargauer Bank (NAB) den Weg zur AKB zu weisen. Und zwar überall dort, wo die NAB-Filialen (insgesamt werden 14 geschlossen) verschwinden und eine AKB-Filiale in der Nähe ist. Wie an der Landstrasse in Wettingen, wo die konkurrierenden Bankhäuser nur wenige hundert Meter auseinanderliegen. Auf Anfrage teilt die Kantonalbank mit, es sei eine Spontanaktion. Sollten sich die Gemeinden daran stören, würden die Füsse wieder entfernt.

Dies ist bloss das jüngste Beispiel in einem unerbittlichen Kampf um die Juwelen der NAB, Kunden wie Mitarbeitende. Begonnen hat der Kampf vor gut drei Monaten. Am 25. August kommunizierte die Credit Suisse (CS) das Ende der NAB. Schon wenige Tage später begann das Gerangel um Kunden und Mitarbeitende der NAB, wie eine Auswertung von Inseraten zeigt. Gerade einmal vier Tage später schaltet zum Beispiel Moneypark ein ganzseitiges Inserat mit folgendem Inhalt: «Liebe NABler, Sparmassnahmen kennen wir auch, aber nur bei den Hypozinsen. Wir suchen motivierte Beraterinnen und Berater für unsere neue Filiale an der Bahnhofstrasse 7 in Baden.»

Bis 20 zu NAB-Leute arbeiten schon bald für BLKB im Fricktal

So offensiv wie der Spezialist für Hypotheken, Vorsorge und Immobilien ging kaum ein traditionelles Bankinstitut auf die NAB-Belegschaft los. Wobei auch Banken die Verpflichtung von ehemaligen NAB-Leuten offensiv kommunizierten. Zum Beispiel die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB). Ende September teilte sie mit, dass sie zwei Filialen eröffnen werde, eine in Rheinfelden, eine in Frick. Die Bank ergreife Wachstumschancen, «die sich aufgrund von Veränderungen in der regionalen Bankenlandschaft ergeben», hiess es. Die BLKB macht auf Anfrage der AZ denn auch kein Geheimnis daraus, dass man 15 bis 20 ehemalige NAB-Mitarbeitende abgeworben habe, diese würden auf Anfang 2021 zu ihnen stossen.

Ähnlich offensiv tat die Valiant kund, dass sie erfolgreich bei der Konkurrenz Personal abgeworben hat. Man expandiere ins Freiamt, teilte die Bank am 17. November mit. Man habe als Regionenleiter für den Bereich Firmenkunden Martin Schertenleib von der NAB gewinnen können, genauso wie Alexander Müller. Auch andere Banken sollen sich intensiv um NAB-Mitarbeitende bemüht haben. Laut finews.ch habe man NAB-Leute teilweise mit garantierten Boni geködert. Offiziell bestätigen will das allerdings niemand.

Credit Suisse und Neue Aargauer Bank beschäftigten im Aargau bisher zusammen rund 650 Angestellte. Mit der vollständigen Integration der NAB in die CS dürften rund 200 Stellen verloren gehen. Aus dem kantonalen Departement Finanzen und Ressourcen heisst es: «Wir bedauern die Auflösung der NAB. Das Werben der Banken zeigt, dass der Standort Aargau für sie interessant ist.»

Zu Gute kommt dies vor allem NAB- lern, die um ihre Stelle bangen müssen. Roberto Belci, der neue Chef bei der Credit Suisse Aargau, hat bisher rund 50 Kündigungen erhalten, wie er sagt. Einige gingen zur Konkurrenz, manche in leitender Funktion in ein KMU und einzelne zu Treuhändern. Zudem habe die NAB für viele Mitarbeitende interne Lösungen innerhalb der Credit Suisse, insbesondere in Zürich gefunden. Ganz allgemein findet Belci: «Ich bin extrem stolz auf meine Kolleginnen und Kollegen, wie sie diese hektische Zeit bisher gemeistert haben.»

Offensive auf NAB-Kunden: AKB inseriert am regelmässigsten

Offensiver als um Mitarbeitende wurde um die NAB-Kundschaft geworben. Mit teils ziemlich provokativen Inseraten wie: «Wo man entscheide für den Aargau im Aargau trifft, bin ich am richtigen Ort.» Der Seitenhieb Richtung der in Zürich beheimateten CS ist nicht zu überlesen. Während niemand so regelmässiger inseriert hat wie die AKB, stand die Konkurrenz der AKB in der Tonalität in nichts nach. «Das einzige, was bei uns gestrichen wurde, sind Boni für Manager», liess die Migros Bank die Aargauer wissen. Sie belegte Platz 2 im Ranking der meisten Inserate im Monat nach dem NAB-Aus. Dicht gefolgt von der Valiant und der Raiffeisen. Während Valiant insbesondere in den ersten Tagen nach dem angekündigten NAB- Ende inserierte, folgten Raiffeisen und die Migros Bank erst nach knapp zwei Wochen respektive einem Monat.

Beim öffentlichen Werben um die Gunst der NAB-Kunden übt sich die Grossbank UBS in Zurückhaltung. Die Inserate-Schlacht hat man bewusst nicht mitgemacht. Untätig blieb man aber keineswegs. «Wir haben seit Ende des Lockdowns überdurchschnittlich viele Neukunden gewinnen können», sagt UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder. Er handle wettbewerbsorientiert, sei «hart und fair». So schliesst er nicht aus, dass man künftig NAB-Leute verpflichte. Aber: «Wir sind sicher nicht gezielt auf ihre Leute zugegangen.»

Zur Zahl ehemaliger NAB-Kunden bei ihnen schweigt sich die Konkurrenz aus. Die Aargauische Kantonalbank teilt bloss mit: «Wir haben eine Verdoppelung bei den Neukunden.» Also fragen wir bei der NAB selbst: Wie viele Kunden haben Sie verloren? Ungefähr zwei Prozent der rund 250000 Kunden hätten sich abgewendet, sagt Roberto Belci. Firmenkundenchef Robin Wasser ergänzt: «Die allermeisten Unternehmen haben uns nach Gesprächen ihre weitere Zusammenarbeit zugesichert.» Auch da ist es bisher also nicht zum grossen Exodus gekommen.