Unsere Gesellschaft wird immer älter, und so verändert sich auch die Situation in den Einrichtungen für behinderte Menschen.

Die Stiftung für Menschen mit einer Behinderung im Fricktal (MBF) bereitet zurzeit in Stein den Bau eines neuen Wohn- und Ateliergebäudes für ältere Menschen vor.

Die Stiftung MBF bietet bisher schon spezielle Tagesstrukturplätze für Senioren an, wo die Klienten nach ihrer Pensionierung leben und individuelle Betreuung erhalten.

Nebst der grösseren Nachfrage nach Wohnraum für ältere Menschen sieht Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung, auch einen zunehmenden Bedarf an Ausbildungs- und vor allem an Betreuungsplätzen für junge Leute:

«In der Stiftung MBF werden wie überall die Menschen immer älter. Wir stellen aber fest, dass zu uns auch immer mehr junge Leute von der Heilpädagogischen Sonderschule (HPS) kommen. 2008 hatten wir einen einzelnen Neuzugang von der HPS, 2013 waren es fünf neue Klienten.»

Den grössten Anstieg stellt Schnegg in den Werk- und Kreativateliers sowie in der Tagesstruktur für Senioren fest.

Hier hat die Anzahl Klienten seit 2009 von 62 auf aktuell 81 zugenommen. «Das ist im Vergleich zu den Zahlen in der Produktionswerkstätte, wo der Zuwachs nur knapp 10 Prozent beträgt, doch eine erstaunliche Entwicklung», so Schnegg.

In der Produktionswerkstätte werden unterschiedlichste Produkte im Auftrag der Wirtschaft hergestellt. Der Arbeitstag dauert hier acht Stunden und erfordert entsprechend eine gute Konzentrationsfähigkeit. Immer mehr junge Leute mit einer Beeinträchtigung scheinen damit Mühe zu haben.

Verlässliche statistische Zahlen zu dieser Entwicklung gibt es bisher keine. René Sommer, Schulleiter an der HPS Frick, bestätigt aber Schneggs Beobachtung: «Der Betreuungsbedarf steigt. Wir haben individuelle Unterrichtsziele für die Schüler. Die Lernziele und die soziale Bildung verlangen eine hohe individuelle Unterstützung. Das verlangt von uns zunehmend mehr Ressourcen.»

Die HPS in Frick besuchen in erster Linie Kinder und Jugendliche mit einer kognitiven Behinderung. René Sommer stellt fest: «Insbesondere komplexe Beeinträchtigungen, also Kombinationen von kognitiven, sozialen und körperlichen Beeinträchtigungen, nehmen zu.»

Die Hauptgründe dieser Veränderung sieht er in den steigenden Ansprüchen der Gesellschaft. Gerade junge Leute müssten heute immer anspruchsvolleren Anforderungen aus der Arbeitswelt und im Konsumverhalten gerecht werden. Kinder mit einer Beeinträchtigung können das oft nicht. Für Sommer ist das wichtigste Ziel, dass sich die Kinder und Jugendlichen ihren Begabungen entsprechend frei und möglichst erfolgreich entwickeln können.