AZ-Spendenaktion
Margrit Fuchs: So kam es zur Geburtsstunde ihres Hilfswerks in Ruanda

Vor 26 Jahren wurde zum ersten Mal die Weihnachts-Sammelaktion der AZ Medien durchgeführt. Auch dieses Jahr können Sie wieder spenden.

Edgar Zimmermann
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Margrit Fuchs zeigte sich begeistert von der AZ-Idee der Viehverteilungen. Hier begutachtet sie eintreffende Milchgeissen.

Margrit Fuchs zeigte sich begeistert von der AZ-Idee der Viehverteilungen. Hier begutachtet sie eintreffende Milchgeissen.

Edgar Zimmermann

Ab 1970 war die Windischerin Margrit Fuchs in verschiedenen Funktionen in Ruanda tätig, wobei sie stets auch bemüht war, Bedürftige zu unterstützen. Um Hilfeleistungen zu institutionalisieren und zu fördern, gründete sie 1988/89 zusammen mit dem Priester Josaphat das «Bureau Social» von Gitarama. Dies war die Geburtsstunde des Hilfswerks von Margrit Fuchs.

Allerdings wollte sie 1992, mit 75 Jahren, nach Windisch zurückkehren. Doch Josaphat brachte ihr vor ihrer Abreise eine Schar ausgehungerter Waisenkinder mit der Bitte, sie zu betreuen und ihnen das Leben auf der Strasse zu ersparen. Margrit brachte es nicht über sich, sie im Stich zu lassen – und blieb.

Sie brachte die Kinder in alten Hütten unter, doch immer mehr Waisen- und Strassenkinder wurden ihr zugeführt, viele mit vor Hunger aufgeblähten Bäuchen. Nach anderthalb Jahren betreute sie 220 Kinder!

Akute Raumnot

Die Unterbringung wurde zu einem grossen Problem. Im Dezember 1993 schrieb sie Bekannten, sie müsse dringend einen Heim-Neubau erstellen, welcher 30'000 Franken koste, doch fehle ihr das Geld. Die Redaktion des «Badener Tagblatt» erhielt von einem Briefempfänger das Schreiben zugeschickt und beschloss, spontan und ohne Wissen der Frau am 21. Dezember 1993 in der Zeitung eine Sammelaktion für dieses Projekt zu starten.

Die Leserschaft war tief beeindruckt vom Wirken der 76jährigen Frau und meldete bis zum 24. Dezember Spendenzusagen von 180'000 Franken; bis Ende Januar stieg der Betrag auf 320'000 Franken an. Für die Empfängerin war dies, wie sie der Zeitung schrieb, «das grösste Geschenk meines Lebens».

«Helfen dürfen macht glücklich»: Dieses Fazit zog Margrit Fuchs immer wieder bei ihrem Engagement in Ruanda. NN

«Helfen dürfen macht glücklich»: Dieses Fazit zog Margrit Fuchs immer wieder bei ihrem Engagement in Ruanda. NN

Damit war der Grundstein gelegt für den Aufbau des Hilfswerkes. Die Redaktion dachte zunächst nicht an eine Fortsetzung der Sammelaktionen. Doch dann begann in Ruanda ein furchtbarer Völkermord, der gegen eine Million Tote forderte, aber auch einen enormen Anstieg der Zahl der Waisen- und Strassenkinder bewirkte. Margrit Fuchs war stärker gefordert denn je.

In Absprache mit ihr wurden die Sammelaktionen ab 1994 fortgesetzt, wobei immer mehr Aktivitäten zugunsten der ärmsten Familien und der Kinder entwickelt werden konnten. Die Hilfswerk-Leiterin blieb bis zu ihrem 90. Altersjahr mit enormem Engagement tätig. 2007 starb sie bei einem Verkehrsunfall in Ruanda.

Seither setzt eine Stiftung, angeführt von einem ehrenamtlich tätigen Stiftungsrat, die Aktivitäten fort und weitet sie zudem aus. Nun also beginnt die 25. Sammelaktion. Die Zahl der beteiligten Zeitungen innerhalb der AZ-Medien ist inzwischen angewachsen.

In den Kantinen erhalten die Kinder dreimal in der Woche eine Mahlzeit, werden aber auch mit Kleidern und anderem Nötigen ausgestattet und von freiwilligen Müttern betreut.
8 Bilder
Die Armut auf dem Land ist nach wie vor erschütternd. In solchen und ähnlichen Hütten leben viele Familien.
Armselig wie die völlig verrauchte Hütte ist auch dieses Bett, in welchem zwei Kinder jeweils schlafen.
Vom Hilfswerk betreute Waisenkinder.
Die Zahl der betreuten Waisen- und Strassenkinder wird nächstes Jahr von heute 750 auf 1500 verdoppelt.
Das Hilfswerk ermöglicht über 2000 Kindern dank der Schulgeldzahlung den Schulbesuch.
In Ateliers und Werkstätten können Jugendliche einen Beruf erlernen; im Bild angehende Schneiderinnen.
Kühe werden für die Verteilung an arme Familien angeliefert.

In den Kantinen erhalten die Kinder dreimal in der Woche eine Mahlzeit, werden aber auch mit Kleidern und anderem Nötigen ausgestattet und von freiwilligen Müttern betreut.

Regula Gloor

Leserschaft trägt das Hilfswerk

Dass die Leserinnen und Leser mit ihren bei den Weihnachtsaktionen überwiesenen Spenden die Hauptträger des Hilfswerkes sind – damit werden rund 90 Prozent der Ausgaben für das Engagement zugunsten der Bedürftigen bezahlt -, ist wohl einzigartig und grossartig. Das Geld kommt ohne Spesenabzüge oder Administrationskosten den Bedürftigen zugute.

Zu einem «Markenzeichen» der traditionellen Weihnachtssammlung ist das Konzept geworden, wonach die Spendenden selber wählen können, wofür ihr Geld verwendet werden soll: für Schulgelder an momentan 1500 Kinder aus armen Familien, für die Betreuung von Waisen und vernachlässigten Kindern – derzeit sind es 460, Tendenz stark steigend -, für Viehabgaben an mittellose Familien, Berufsausbildung und anderes mehr.

Tausende von Menschen in Not erhalten dank den Spenden aus der Sammelaktion Unterstützung im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe. Der Stiftungsrat möchte den Spendern denn auch von ganzem Herzen danken. Auch den beteiligten Zeitungen spricht er für die grosse publizistische Unterstützung ein herzliches Dankschön aus.