Eine halbe Stunde. Wenigstens eine halbe Stunde hätten die Wettergötter noch warten können. Doch nein: Genau im Moment, als die Leserwanderschar auf der Krete des Obergrenchenbergs ankam, verdüsterte sich der Himmel schlagartig. Immerhin: Wie Scheinwerfer beleuchteten die letzten Sonnenstrahlen die Aare, die sich goldsilbern reflektierend, einer Riesenschlange gleich, durch die saftig-grünen Wiesen und Äcker der Grenchner Witi schlängelt. «Wow, diese Landschaft!», «Toll, diese Aussicht!», tönte es reihum. Und dies, obwohl dicke Schleierwolken im Süden das verdeckten, wofür dieser Aussichtspunkt bekannt ist: das Alpenpanorama.

Dem Unsichtbaren nachzutrauern blieb aber nicht Zeit. Bald einmal ertönte erstes Donnergrollen. Die Frage von Wanderleiterin Susanne Im Hof, ob man lieber die Mittagsrast einschalten oder doch lieber den Rückweg antreten wolle, war letztlich eine rhetorische. Ja, und dann begann es auch schon zu giessen. Wie aus Kübeln. So, dass bei der Ankunft auf dem Untergrenchenberg auch der und die letzte der etwas über 60 Wanderlustigen nass war. Nass bis auf die Haut.

Dabei hatte am gleichen Ort ein paar Stunden zuvor alles noch ganz anders angefangen: Nach der Postautofahrt ab dem Bahnhof Grenchen Süd auf den Untergrenchenberg wurde da bei noch idealen Wanderbedingungen die Rundwanderung zu beiden Flanken der ersten Jurakette gestartet. Zu sehen und zu hören gabs unterwegs viel: Susanne Im Hof wies immer wieder auf Besonderheiten hin oder flocht historische Reminiszenzen ein.

Nicht nur Teilnehmer aus dem Aargau waren angesichts von Skiliftanlagen überrascht zu erfahren, dass es auf dem Grenchenberg auch ein Skigebiet gibt. «Bei Grenchen-Tourismus kann man schon jetzt Skiferien buchen», empfahl die Wanderleiterin. Gelegenheiten für Gespräche unter den verschiedensten Teilnehmern zu den verschiedensten Themen gab es viele. So etwa einen Dialog zwischen den beiden Kantonsräten Beat Künzli (Landwirt, SVP) und Hubert Bläsi (Lehrer, FDP) – über Viehzucht und künstliche Besamung ...

Gedenkstein für «Willi National»

Bald schon war die «Längschwand» erreicht, wo ein Gedenkstein an Willi Ritschard erinnert. Der populäre Solothurner Bundesrat war hier am 16. Oktober 1983 auf einer Sonntagswanderung auf seinem geliebten Jura zusammengebrochen und verstorben. Dem «Büezer» Ritschard hätten damals, nach seiner Wahl, viele nicht zugetraut, dass er einen guten Bundesrat abgeben würde, erinnerte sich Im Hof: «Doch genau das hat er dann mit viel gesundem Menschenverstand unter Beweis gestellt.»

Vorbei an zahllosem gelbem Enzian (dem Rohstoff für den «Änzene»-Schnaps, einer Mischung zwischen Genussmittel und bitterer Medizin); vorbei am Berggasthof Tiefmatt (bereits auf bernjurassischem Kantonsgebiet); vorbei an Felsen, gespickt mit Fossilien aus grauer Vorzeit; vorbei an kunstvoll aufgeschichteten Trockenmauern und quer durch eine «Ruhezone» für Auerhähne und Auerhühner, gings dem Oberen Grenchenberg entgegen. Dort, wo der Ausblick auf Wandfluh, Mittelland und Alpen wartete. Doch den Rest, den kennen Sie ja schon.