Unglück im Tirol

Lawinen-Tod der Brittnauer Turner: «Bergführer sein ist ein Scheiss-Job»

Gewaltige Lawine tötet vier Aargauer im Tirol

Gewaltige Lawine tötet vier Aargauer im Tirol

Augenzeugen am Jochgrubenkopf äussern Bedenken zu den Schneeverhältnissen, doch ein lokaler Bergretter verteidigt den Bündner Bergführer der Skitourengruppe. (16.3.2017)

Beim Lawinenunglück vom Jochgrubenkopf (Ö) kam für vier Männer vom Männerturnverein Brittnau jede Hilfe zu spät. Wir haben mit Augenzeugen und Einheimischen gesprochen.

«Man wusste, dass es nicht gut ausgeht, wenn es so lange dauert», sagte Monika Eller. Die Einheimische aus der Tiroler Ortschaft Schmirn sah das Unglück aus nächster Nähe. Über 60 Rettungskräfte hatten nach Überlebenden gesucht. Am Ende bestand die ernüchternde Gewissheit, dass bloss vier Männer der achtköpfigen Skitourengruppe überlebt hatten. Die Betroffenheit im Tirol war gross.

«Hohes Risiko»

Bauer Johann Zingerle sah, wie die Gruppe am Morgen mit dem Bergführer aus Graubünden aufbrach: «Ich hab mir gedacht, das ist ein Risiko hier hoch zu gehen.» Zwar war die Lawinengefahr nur auf Stufe zwei von fünf. Wegen dem grossen Gefälle am Hang und darunter lagernden Altschneeschichten war das Risiko, wie sich herausstellte, dennoch erheblich. «Der Untergrund muss festgefahren sein», weiss Anwohnerin Eller, «und dazu waren zuvor einfach viel zu wenig Menschen am Berg».

Brittnau trauert um Lawinenopfer

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Die Männer, die beim Lawinenniedergang im Tirol ums Leben kamen, waren Mitglieder des Männerturnvereins Brittnau. Dort kann man den Vorfall kaum fassen.

Ging der Bergführer ein zu grosses Risiko ein? Peter Veider von der Tiroler Bergrettung warnt vor einem vorschnellen Urteil und nimmt den Bergführer in Schutz. «Das Restrisiko ist vorhanden», so Veider. «Was ich sagen muss: Gerade im Winter bei solchen Verhältnissen ist Bergführer sein ein Scheiss-Job.» Als solcher müsse den Leuten stets das Beste geboten werden. Dabei würden alle erwarten, dass es ohne Risiko ablaufe.

Bereits letztes Jahr löste eine Skitourengruppe aus Frankreich eine Lawine am Jochgrubenkopf aus. Damals ging das Unglück glimpflich aus. Alle Beteiligten konnten sich selbstständig retten.

Bilder des tragischen Lawinenunglücks und der Rettungsaktion in Tirol:

«Die verantwortliche Person innerhalb der Tourengruppe ist der Bergführer – die Ermittlungen konzentrieren sich auf ihn», berichtete Luca Laube, Sonderkorrespondent vom Regionalsender Tele M1 gestern Donnerstag aus dem Tirol. Unabhängige, von der Staatsanwaltschaft eingestellte Gutachter waren am Donnerstag vor Ort. Ihre Aufgabe ist es zu rekonstruieren, wie es zum Unglück kam. Ausserdem wurden die vier Überlebenden von der Polizei einvernommen. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen und dürften andauern. (yas)

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