Lärmbelästigungen
Jetzt rufen auch Aargauer Autoposer ihre Community zur Vernunft auf – «fahrt anständig, vor allem innerorts»

Weil sie immer wieder ein schlechtes Bild abgeben, werden die als Autoposer verschrienen Autoliebhaber nun aktiv und rufen dazu auf, sich an die Regeln zu halten. Die Aufrufe in den sozialen Medien finden Anklang. Auch im Aargau.

Alessandro Crippa
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Qualmende Reifen, knallender Auspuff: «Autoposer» greifen zu technischen Kniffs, um ihr Fahrzeug in Szene zu setzen. (Symbolbild)

Qualmende Reifen, knallender Auspuff: «Autoposer» greifen zu technischen Kniffs, um ihr Fahrzeug in Szene zu setzen. (Symbolbild)

Roland Niederstrath/ddp

Die Polizei und die sogenannten Autoposer sind bekanntlich keine Freunde. Zumindest bis anhin nicht. Verschiedene Posts von Autofans auf Instagram finden sich aber nun auch in den Storys der Polizeien, so auch bei der Kantonspolizei Aargau. Haben sich da zwei Parteien gefunden?

Drei einfache Regeln zur Besserung

Die Autofans in der ganzen Schweiz wollen ihr Image aufpolieren – mit eigenen Regeln. Angefangen hat alles in der Region Basel mit einem Instagram-Post. Und dieser hat offenbar Wellen geschlagen: Derzeit posten viele Betreiber von Autoseiten auf Instagram dieses Statement:

Die Autofans wollen, dass sich ihre Community an drei grundsätzliche Regeln hält. Es sind dies die folgenden:

  1. «Fahrt anständig, vor allem innerorts.» Zudem soll es an den Treffen und auf Parkplätzen keine Burnouts und Motorengeheul mehr geben und auch keine Hupkonzerte.
  2. «Hinterlasst keinen Müll», fordern die Autoliebhaber von ihren Verbündeten. Man solle doch den Abfall gleich wieder mitnehmen oder den Weg zu einem Mülleimer auf sich nehmen.
  3. «Haltet euch an die geltenden Corona-Massnahmen.»

Geteilt hat den Beitrag auch die Instagramseite «autotreffwuerenlos». Die Seite hat knapp 2000 Abonnentinnen und Abonnenten. Das Prinzip dieser Seite ist simpel: Fans können ein Foto ihres Autos einschicken und der Administrator postet es anschliessend. Zwischen 60 und 130 Mal werden die Bilder durchschnittlich mit einem Gefällt-mir-Herz markiert. Für den Aufruf mit dem Statement hat die Seite bereits mehr als 280 Likes abgesahnt.

«Es ist doch ganz einfach», sagt ein Autoliebhaber.

Darüber freut sich Besart Maliqaj, der das Instagramprofil von «autotreffwuerenlos» betreibt. Zwar sei er nicht auf die Likes aus, dennoch freut er sich über die Aufmerksamkeit, die der Post nun erhält. Er vermutet, dass viele Autofans auf einen solchen Aufruf zur Vernunft gewartet haben könnten.

Besart Maliqaj.

Besart Maliqaj.

zvg

Maliqaj selbst bezeichnet sich nicht als «Autoposer», sondern als Autoliebhaber. Für ihn selbst sowie alle Seiten, welche #carloverstogheter vertreten, spielt der Begriff «Autoposer» keine Rolle. Sie möchten keinen Fahrer in eine Schublade stecken, sondern gemeinsam das gleiche Ziel anstreben: Zusammen für mehr Toleranz und das gemeinsame Wohlergehen im Strassenverkehr für alle.

Zur zweiten Regel der Community mit dem Abfall hat Maliqaj auch eine klare Haltung. Er versteht nicht, warum die Leute den Abfall überhaupt liegen lassen. Er sagt, niemand hätte Freude, wenn er den Müll anderer Personen im eigenen Garten finden würde. Maliqaj sagt: «Es ist doch ganz einfach. Wenn sich eine Gruppe junger Autofans trifft, nimmt jemand aus der Gruppe einen Abfallsack mit.» Kleiner Aufwand, grosse Wirkung – das erhofft sich Autofan Maliqaj von den neuen Regeln der Autofan-Community.

Doch: Warum dieser Aufruf? Die Medien würden die Autoszene gerne in ein negatives Licht rücken. Selbstredend missfällt dies den Fans. Jedoch sind sie sich bewusst, dass die Akzeptanz der Bevölkerung schwindet. Auf Instagram schreiben sie:

«Es geht nicht mehr lange und es entstehen neue Gesetze, die unsere Leidenschaft zu Autos einschränken werden.»

Wenn alle zusammen am gleichen Strick ziehen, könne man erreichen, dass die Autoszene in ein positives Licht gerückt wird. Fazit: Das gefällt auch der Polizei.