Transsexuell
Jil Lüscher – Der beschwerliche Weg vom Mann zur Frau

Selbstzweifel, Selbstmordgedanken: Jil Lüscher war ihr Leben lang gefangen im falschen Körper. Seit einem Jahr ist die 58-jährige Aargauerin endlich befreit. «Tele M1» hat sie während ihrer Verwandlung begleitet.

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Schon als Kind hat Jörg Lüscher lieber die Kleider der Schwester getragen. Jetzt hat der Vater einer Tochter die Verwandlung gewagt. Aus dem Mann wurde im vergangenen Jahr eine Frau: Jil Lüscher.

Ein Doppelleben als Familienvater

Jahrelang war sie gefangen im falschen Körper. Nach der Verwandlung ist die 58-jährige Aargauerin endlich befreit: «Es geht mir so gut, dass ich bereue, so lange gewartet zu haben», sagt sie heute gegenüber «Tele M1».

Die TV-Redaktorin Cynthia Ringgenberg hat die Verwandlung von Jörg in Jil ein Jahr lang begleitet. Es ist ein beschwerlicher Weg.

Jahrelang führt Jörg Lüscher ein Doppelleben, hat Beziehungen mit Frauen, wird Vater, lebt zuletzt mit seiner Freundin und den zwei Kindern in Zofingen.

Das Outing in der Zeitung

Seine Transsexualität macht der Chefredaktor des «Anzeiger Luzern» in der «Neuen Luzerner Zeitung» öffentlich: «Ich will endlich zu mir stehen», lautet der Titel des Artikels. Jörg Lüscher will endgültig zur Frau werden – körperlich, nicht nur seelisch.

An seinem letzten Tag als Mann sind Jörg Lüschers Gefühle gemischt. «Ich freue mich. Aber ich gebe auch etwas auf», sagt er. «Ich will nicht, dass ich eines Tages sagen muss, das war der Fehler meines Lebens.»

Frauenkleider und Suizidgedanken

Ein paar Monate später ist auch äusserlich aus dem Mann eine Frau geworden: Jil Lüscher erzählt an ihrem ersten Frauenabend von ihrem Coming-out, ihren Leiden in der Vergangenheit und den Suizidgedanken:

Eine Vagina: die riskante Operation

Als letzte Konsequenz will Jil Lüscher ihren Penis loswerden. Dafür hat der Psychiater sein Okay gegeben. Doch medizinisch ist das Frau-Werden nicht ganz einfach.

Alles steht und fällt mit dem Termin beim plastischen Chirurgen Merlin Guggenheim am Unispital Zürich. Er untersucht, ob er aus dem Penis eine Vagina machen kann.

Das ist eine Hochrisiko-Operation. «Komplikationen könnten das neue Genital erheblich schädigen», sagt der Chirurg.

Ein neuer Lebensabschnitt – mit Komplikationen

Und dann ist es endlich soweit: Mit der Geschlechtsumwandlung beginnt für Jil Lüscher ein neuer Lebensabschnitt. Nach knapp fünf Stunden ist die Operation vorbei.

Doch nach der gelungen Operation gibt es Komplikationen. Und bei Jil Lüscher kommen wieder Zweifel auf: «Ich weiss nicht, ob ich das noch einmal machen würde», sagt sie nach den Strapazen im Spitalbett.

«Jetzt bin ich Jil, aber ich bin einsam»

Zum Schluss wird Jil Lüscher auch ganz offiziell eine Frau: Auf dem Passamt bekommt sie eine neue Idendität.

Aber es kommen doch immer wieder dunkle Gedanken auf. «Jetzt bin ich Jil, aber ich bin einsam», sagt Jil Lüscher.

Zum perfekten Glück fehlt noch der richtige Partner: «Am innigsten wünsche ich mir eine Beziehung mit einer Person, der ich vertrauen kann.»

Heute ist sie sicher: Ein Mann soll es sein. «Ich finde das sehr anziehend. Und es wäre schön, wenn ich einen guten Mann finden würde.» Sagt sie und lacht.

Denn lachen, das kann sie heute wieder. Jetzt, wo sie ein Jahr nach der Operation wirklich angekommen ist in ihrem neuen Leben und dieses in vollen Zügen geniessen kann. (smo)