Kultur

Immer weniger Zuschauer, immer weniger Geld: Die Oper Schloss Hallwyl ist am Ende

Oper Schloss Hallwyl nach 16 Jahren am Ende

Oper Schloss Hallwyl nach 16 Jahren am Ende

Der Verein rund um die Oper in Hallwyl hat sich aufgelöst. Nachdem die Zuschauerzahlen rückläufig waren, konnte die Finanzierung des Projekts nicht mehr gesichert werden. Auch der Kanton lehnte eine finanzielle Unterstützung der Oper ab.

Der Verein Oper Schloss Hallwyl hat sich aufgelöst. Dazu führten sinkende Zuschauerzahlen, eine immer schwierige Finanzierung und das Nein des Kantons zur erarbeiteten Neukonzeptionierung.

Die letzte Produktion der Oper Schloss Hallwyl 2018 schloss mit einem Defizit ab. Statt der erwarteten 9000 Besucher kamen nur 8000. Die Auslastung lag bei mageren 60 Prozent. Sinkende Zuschauerzahlen bei klassischen Veranstaltungen sind gemäss Vereinspräsidentin Esther Egger ein schweizweiter Trend. Sie sieht die Ursachen in der grossen Konkurrenz und einer allgemeinen Übersättigung.

Vielleicht auch daran, dass das Schloss Hallwyl nicht zentral gelegen ist. Aber auch die Finanzierung einer solchen Produktion sei immer schwieriger geworden. Auch von privater Seite. Dank der vorhandenen Eigenmittel konnte das Defizit zwar gedeckt werden, für den Verein Oper Schloss Hallwyl war es aber klar, dass die Situation überdenkt werden musste.

Neukonzeptionierung der Opernaufführung

Mit der Abteilung Kultur des Kantons, renommierten Kulturschaffenden sowie argovia philharmonic als Partner der ersten Stunde und der künstlerischen Leitung der Produktion «La Cenerentola» 2018, fanden intensive Diskussionen statt. Es wurden neue Wege gesucht, um die Tradition der Freilichtopern auf Schloss Hallwyl weiterleben zu können.

Eine neue Form der Aufführung sollte ein breiteres Publikum mit Familien und jungen Menschen ansprechen und die Welt der Oper zugänglicher machen. Die Oper sollte gemäss dem Grobkonzept kleiner werden. Geplant war die Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel.

Weniger Plätze, kleineres Budget. Dazu sollte gemäss Egger das Schloss besser genutzt und in die Aufführung integriert werden. Eine lockerere Atmosphäre sollte entstehen, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Private hatten bereits beachtliche Mittel zugesichert.

Kanton verwehrt finanzielle Unterstützung

Mit grossem Bedauern musste der Verein das Nein des zuständigen Departements des Kantons zum Gesuch beim SwisslosFonds zur finanziellen Unterstützung entgegennehmen. «Der Kanton war vom Neukonzept nicht überzeugt», sagt Egger. Die Neuausrichtung zur Weiterführung der mittlerweile 16-jährigen Tradition, damals als Teil des Jubiläums Kanton Aargau 200 Jahre initiiert, blieb somit chancenlos.

«Es tut weh, dass es so zu Ende geht. Wir sind auch etwas ratlos, denn wir sind überzeugt, dass wir mit der Freilichtoper einem grossen Publikum sehr viele schöne Momente ermöglicht haben», sagt Egger. «Wir hätten uns gewünscht, dass uns der Kanton nochmals eine Chance gibt.»

Schloss soll weiter genutzt werden

Der Verein Oper Schloss Hallwyl hat sich per Beschluss der Generalversammlung vom 17. Januar 2020 aufgelöst und bedauert diese Entwicklung sehr. Der Verein erachtet es laut Mitteilung als wichtig, dass das Seetal und das Schloss Hallwyl nicht vollständig auf eine musikalische Bespielung verzichten müssen.

Er freut sich daher, dass argovia philharmonic das Schloss Hallwyl und damit auch die Hallwilersee-Region musikalisch neu erklingen lassen will. Dazu wünscht der Verein den Verantwortlichen viel Glück und Erfolg und hofft, dass vielen Besucherinnen und Besuchern der Opernaufführungen schöne und klangvolle Erinnerungen bleiben und auch in Zukunft der Charme des Schlosses und seiner Umgebung mit neuen musikalischen Klängen genossen werden kann.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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