Zofingen

Heitere Openair: Fans feiern Patent Ochsner und Co. trotz Regen

Partybands, aber auch Musik zum Abrocken und Schmachten, bot das 25. Heitere Open Air vom vergangenen Wochenende.

Geweckt wurde die Heitere-Gemeinde gestern früh mit fetzigem Rock von The Rambling Wheels. Obwohl die Ohrstöpsel am dritten Tag weitere Kreise zogen als noch am Vorabend – dem satten Sound konnte sich niemand entziehen. Wahre Begeisterungsstürme liessen zwar noch auf sich warten. Doch The Rambling Wheels sind Stammgäste auf Festivalbühnen und reissen ihr Publikum entsprechend in kürzester Zeit vom Hocker – Pardon, aus den Flip Flops. Richtig Schwung versprachen dann Carrousel. Und erst recht Stefanie Heinzmann. Schafft es eine, die Herzen des Publikums im Flug zu erobern, dann die 26-jährige Walliserin.

Szenenwechsel: Das Konzert von Lilly Wood & The Prick als schlecht zu bezeichnen, wäre übertrieben. «Gut» ist dennoch ebenso fehl am Platz. Das französische Duo mitsamt Band dümpelte irgendwo dazwischen. Fazit: Hätten Lilly Wood & The Prick nicht am Heitere gespielt, man hätte sie nicht vermisst.

«Wes schiffet, lahsch di verschiffä»

Fast schon ein Heimspiel im Ausland hatten da Patent Ochsner auf dem Zofinger Hausberg. Denn auch langjährige Fans entdecken die Berner Mundartrocker immer wieder neu; auch im Aargauischen. «Was schnäu afaht, hört o schnäu uf», sang Frontmann Büne Huber. Auch wenn es immer zu früh ist zum Aufhören. Neben Songs der neuen Platte «Finitolavoro – The Rimini Flashdown, Pt. III» fehlten auch Klassiker wie «Fischer», «Scharlachrot» oder «Bälpmoos» nicht. Und als Büne «Schmierfett» anstimmte, begann es fast schon sinnbildlich zu regnen. Doch der Salsa der Kapelle wurde noch besser, und die Jungs im Publikum forderten ihre Liebsten zum Tanz. Bünes Kommentar zu den Wetterkapriolen: «We dr Strussevogu nid chasch ii-fah, de lahsch ne äbä la loufä.» Was soviel bedeute wie: «Wes schiffet, de lahsch di äbe lah verschiffä.»

In Zofingen einen Zwischenstopp eingelegt haben gestern auch Lo & Leduc. Kaum ein grosses Open Air, welches die nationalen Überflieger der letzten zwei Jahre nicht verpflichtete. Zurecht, denn die zwei Entertainer Lorenz Häberli und Luc Oggier haben mit ihrem poppigen Hip-Hop das Publikum von der ersten Sekunde an im Griff. Mit «All die Büecher», «Blaui Peperoni» oder «Jung verdammt» schrieben sie Hymnen, die das Publikum mitfeiert. Nur müssen die beiden aufpassen, dass sie sich nicht selbst kopieren, zuviele Elemente wiederholten sich mittlerweile. Trotzdem ein Auftritt, der zu den diesjährigen Hits in Zofingen zählten.

Ganz anders verhält es sich mit Sunrise Avenue. Die Musik der Finnen ist unspektakulär – ihre Konzerte aber ein riesiges Spektakel. Die poppigen Elemente vom letzten Auftritt sind zwar in den Hintergrund gerückt, heute kommen Sunrise Avenue rockiger daher. Wer sich getraut, gleich als zweites den Hit «Lifesaver» zu bringen, verdient Respekt. Doch sie können sich das erlauben, haben sie doch jede Menge Hits auf Lager. Der grösste, «Hollywood Hills», kam trotzdem erst am Schluss des regulären Sets.

Weniger gut erging es tags zuvor The Rumours. Das vom Berner Rapper Greis getrimmte All-Star-Ensemble vermochte die Lindenbühne nicht zu packen. Die 13 Musiker aus dem Pop- und Hip-Hop-Genre wirkten, als ob sie sich zur Bandprobe treffen würden. Zu viel Gelassenheit, zu wenig Power. Von Interaktion mit dem Publikum nicht zu sprechen. Dabei hatten The Rumours mit dem Heitere-Jubiläumssong «Bouger» ein stimmungsvolles Stück vorgelegt – doch gelang es nicht, damit den Funken zu zünden. Einziger versöhnlicher Punkt des Auftritts: «Manitou» zum Schluss mit Leadsängerin Anna Rossinelli.

Um es vorwegzunehmen: Ebenso wenig spektakulär war die Show des John Butler Trio. Kein Schnickschnack; simpel, aber gut. Die Aufforderung gleich zu Beginn, «nun hebt mal euer Gesäss und kommt näher zur Bühne, hier ist es kühler», hätte sich John dennoch sparen können. Wer stand, genoss die Musik. Und wer sitzen blieb, liess sich ebenso von der Leichtigkeit der australischen Lebensweise anstecken.

«Living In The City»: John Buttler Trio am Heitere Openair 2015

«Living In The City»: John Butler Trio am Heitere Openair 2015

Dann ward es Samstagabend, heiss, und die Leute tranken. Und der Geräuschpegel war hoch, was auch der Passenger-Singer/Songwriter bemerkte und um Ruhe bat. An einem Festivalsamstag um 21 Uhr einen einzelnen Mann mit Gitarre auf die Bühne zu schicken, ist ziemlich mutig. Und unfair. Doch der Wahl-Australier machte seine Sache gut und holte sich dank der berührenden, eingängigen Songs und seinem Humor dennoch die Aufmerksamkeit.

Party-Samstag

Den totalen Kontrast bot Emeli Sandé. Die R’n’B-Lady aus Schottland überzeugte auf der Lindenbühne schon mit den ersten Tönen. Mit einer geballten Ladung Charme sang sie sich direkt in die Herzen des Publikums, transportierte mit jedem Ton Gefühl und Lebensfreude und vermittelte den Eindruck, dass die gerade mal 28-Jährige genau weiss, wovon sie singt. Gekonnt steigerte sie die Stimmung und sorgte für glückliche Gesichter.

Wen interessiert da, dass es in Strömen regnet, wenn zuletzt Le Klischée gebucht sind? Niemand. Die Jungs machen nicht Party, sie sind Party. Und sie legten mit ihrem Mix aus Swing, Jazz und moderner Elektronik einen absoluten Kracher hin. Da wurde Regenmantel um Regenmantel zum hüpfenden Gummiball. Einen partytauglicheren Abschluss für den Heitere-Samstag? Kaum vorstellbar. (mif/guez/mec/lej/rwi/no/sat) 

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