Zofinger Bezirksgericht
Handy als Waffe: Ex-Ehemann bedrohte Frau im Minutentakt per Whatsapp und SMS

Das Zofinger Bezirksgericht hat einen Mann wegen massives Stalkings zu zwei Jahren Haft und ambulanten Massnahmen verurteilt.

Raphael Nadler
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Ein Familienvater stand vor Gericht, weil er seine von ihm getrennte Ehefrau per Handy massiv bedrohte und zu nötigen versuchte. Bildmontage ran/mnu

Ein Familienvater stand vor Gericht, weil er seine von ihm getrennte Ehefrau per Handy massiv bedrohte und zu nötigen versuchte. Bildmontage ran/mnu

Vor Bezirksgericht Zofingen musste sich ein 31-jähriger Familienvater verantworten, weil er seine Noch-Ehefrau tätlich anging, sie über längere Zeit massiv bedrohte, in ihre gemeinsame Wohnung eindrang, sie mehrfach zu nötigen versuchte, sie aufs Übelste beschimpfte, Hausfriedensbruch beging, seinen ehemaligen Geschäftspartner angriff und bedrohte und gegen das Waffengesetz verstiess. Begonnen hat alles vor Jahren. Der Mann und die Frau kannten sich aus der Schule, verliebten sich, heirateten und gründeten eine Familie mit zwei Kindern. Der Mann war schon immer ein «Schnörri», sagten seine Frau, aber auch sein Verteidiger an der Verhandlung. Mit dem Gesetz nahm er es offenbar nie so genau. So sass er wegen Strassenverkehrs- und Drogendelikten in Haft.

Die Ehe wurde so auf den Prüfstand gestellt, doch die Frau hielt zuerst zu ihrem Mann. Dann der verhängnisvolle Schnitt: Die Frau verliebte sich in den Geschäftspartner ihres Mannes und zog zu ihm. Nun entwickelte sich der Ehemann zu einem üblen Stalker. Der Horror für die Frau begann. Von Januar bis Oktober 2016 bedrohte der Mann die Frau rücksichtslos und brutal mit zahlreichen WhatsApp-, SMS- und Sprachnachrichten. «Wenn Du mir nochmals das Telefon abhängst, komme ich und trete die Türe ein, und schlage Dir den Schädel ab», war nur eine von unzähligen Bedrohungen. Die Frau lebte in Angst und Schrecken, die Drohungen nahmen kein Ende, trafen zeitweise gar im Minutentakt ein. Anzeigen bei der Polizei blieben ohne Wirkung.

Paar feierte zweite Hochzeit

Zwischenzeitlich versöhnte sich das Paar wieder, feierte gar eine zweite Hochzeit, doch schon zwei Wochen später kam es wieder zum Bruch. Die Frau ging zum Liebhaber zurück. Der Mann bedrohte nun auch ihn und seine teilweise minderjährigen Kinder mit dem Tod. Anlässlich einer Modeschau, bei dem die Kinder des Paars auftraten, war auch der Liebhaber der Frau unter den Zuschauern. Als der Mann seine Frau zur Rede stellte und am Arm beiseite zog, kam es zu einem Handgemenge mit dem ehemaligen Geschäftspartner. Sicherheitsleute mussten die Streithähne trennen. Erst als die Frau die Opferhilfe einschaltete, wurden die Behörden aktiv. Der Mann wurde verhaftet und nach sechsmonatiger U-Haft in Sicherheitshaft genommen. Zurzeit sitzt er in Lenzburg in Haft.

«Er war überfordert mit der Situation der Trennung», sagte seine Noch-Ehefrau vor Gericht. Und: Dass er seine Drohungen in die Tat umgesetzt hätte, glaube sie nicht. Ihr Ex-Mann habe schon immer eine sehr grobe Sprache gepflegt, sei sehr aufbrausend gewesen und habe sie immer wieder gepackt und fest gehalten. «Wir hatten zwar oft Streit», sagte die Frau an der Verhandlung, «doch geschlagen hat er mich nie.» In Haft wurden zwei Gutachten erstellt. Eines davon besagt, dass der Mann ein Hochrisikotäter sei und mehrjährige stationäre Massnahmen nötig seien. Das andere Gutachten hält fest, dass er mit ambulante Massnahmen therapiert werden könne.

Mit der Trennung abgefunden

Vor Gericht bedauerte der 31-jährige Familienvater seine Taten glaubhaft. Er sei im Gefängnis ein anderer Mensch geworden und lasse sich seit einigen Monaten freiwillig therapieren. «Ich habe mich mit der Trennung abgefunden, will nach verbüsster Strafe wieder ein normales Leben führen und unternehme alles dafür», erklärte der Angeklagte. «Sie werden nie mehr etwas von mir hören, Frau Gerichtspräsidentin, das verspreche ich Ihnen.»

Nach mehrstündiger Verhandlung verurteilte ihn das Bezirksgericht Zofingen zu 24 Monaten Freiheitsentzug mit ambulanter Behandlung. Zudem auferlegte sie ihm 40 Tagessätze à 30 Franken, eine Busse von 1000 Franken und eine Entschädigung an seine Noch-Ehefrau von 1500 Franken. Die Staatsanwaltschaft hatte 24 Monate Haft und stationäre Massnahmen gefordert.

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