Gendersprache
EDU will ein Verbot, SP Freiwilligkeit – die Debatte um den Genderstern geht weiter, dabei wäre eigentlich alles klar

Die SP will die Regeln zu gendergerechten Schreibweisen auf der Verwaltung und an Aargauer Schulen überarbeiten. Derweil ist der Vorstoss der EDU, der ein Verbot von Genderstern und Co. fordert, noch hängig. Die Diskussion müsste es gar nicht geben, sagt SP-Grossrätin Lelia Hunziker.

Eva Berger
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Ginge es nach dem Regierungsrat, hat sich die Diskussion über gendergerechte Schreibweisen erledigt.

Ginge es nach dem Regierungsrat, hat sich die Diskussion über gendergerechte Schreibweisen erledigt.

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Ginge es nach dem Regierungsrat, hat sich die Diskussion über gendergerechte Schreibweisen auf der kantonalen Verwaltung und in den kantonalen Schulen erledigt. Denn eigentlich wäre es klar: Es sind ausschliesslich Formen zu verwenden, die den grammatikalischen und orthografischen Regeln entsprechen.

Der Genderstern gehört nicht dazu, er und ähnliche Schreibweisen werden nicht verwendet. So steht es in den Richtlinien zu gendergerechtem sprachlichen Formulieren in der Verwaltungssprache des Kantons Aargau. Am 15. Dezember wurden sie um den Grundsatz «Orientierung am Bund» sowie um den Umgang mit dem Genderstern ergänzt.

Diskussion von Junger SVP lanciert

Das hat der Regierungsrat auf eine Motion der beiden EDU-Grossräte Martin Bossert und Rolf Haller sowie SVP-Grossrätin Nicole Müller-Boder geantwortet. Sie fordern, dass die Weisungen des Bundes gegen Sonderzeichen durchgesetzt werden. Tatsächlich ist das bereits der Fall, weshalb der Regierungsrat die Motion zwar entgegennehmen will, sie jedoch gleichzeitig abschreiben würde.

Schliesslich war es der Kanton, der den Rektor der Alten Kanti Aarau im Januar darauf hingewiesen hat, dass Symbole in der gendergerechten Sprache an kantonalen Schulen nichts verloren haben. Darauf aufmerksam gemacht hatte ihn die Junge SVP. Erst damit war die Diskussion lanciert.

Petition und zwei Vorstösse hängig

Und obwohl es eigentlich nichts zu diskutieren gäbe, reisst die Diskussion nicht ab. Eine Juso-Petition mit 5000 Unterschriften liegt noch beim Regierungsrat und der Grosse Rat hat die EDU-Motion noch nicht einmal behandelt, da gibt es bereits eine Gegenforderung der SP-Fraktion. Der Regierungsrat soll seine sprachlichen Weisungen so überarbeiten, dass kantonale Schulen und Stellen selber wählen können, wie sie gendergerecht schreiben. Es soll ihnen möglich sein, in einer gendergerechten Sprache Diversität abzubilden, heisst es in der am Dienstag eingereichten Motion. Die SP will auf Freiwilligkeit setzen.

Dass die Debatte überhaupt geführt werden müsse, stört Grossrätin Lelia Hunziker. Die meisten Kantone haben ähnliche Regeln wie der Aargau, trotzdem würden dort auf Abteilungen und in Schulen Gender-Sonderzeichen verwendet. Das könnten sie, weil sich niemand daran stört. «Wo kein Kläger, da kein Richter», so Hunziker und weiter:

Lelia Hunziker, Grossrätin SP.

Lelia Hunziker, Grossrätin SP.

zvg
«Gendergerechte Sprache ist zeitgemäss, darum wird sie verwendet, auch wenn die offiziellen Regelungen altmodisch sind.»

Auch im Aargau brauche es die Offenheit, diese Entwicklung der Sprache zuzulassen. «Stattdessen wurde etwas politisiert, das nicht verpolitisiert werden müsste», so Hunziker.

Unterschiedliche Regeln an Schulen und Hochschulen

Es sei sinnlos, an Kantonsschulen Verbote gegen Genderzeichen zu erlassen, während sie an Berufsschulen gebraucht werden dürfen und ihre Verwendung an Fachhochschulen teilweise sogar verlangt werde, findet die Grossrätin weiter. «Auch Unternehmen gehen mit der Zeit und nutzen gendergerechte Schreibweisen, weil sie wissen, dass sie damit die Menschen abholen können.» Trotzdem sei es die SP, der ständig vorgeworfen wird, sie spiele die Sprachpolizei. «Liberal ist ein Verbot von Schreibweisen aber ganz sicher nicht», so Hunziker.

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