Regierungsratswahl

FDP schickt eine Frau und einen Mann ins Rennen um den freien Sitz in der Kantonsregierung

Die FDP schickt Jeanine Glarner und Gérald Strub ins Rennen um den freien Regierungsratssitz.

Die FDP schickt Jeanine Glarner und Gérald Strub ins Rennen um den freien Regierungsratssitz.

Bisher war mit Severin Lüscher von den Grünen erst ein Kandidat für die Nachfolge der zurückgetretenen Regierungsrätin Franziska Roth bekannt. Nun ist klar: Auch die FDP tritt am 20. Oktober an, für die Freisinnigen sollen entweder Grossrätin Jeanine Glarner oder Grossrat Gérald Strub den freien Sitz holen.

Die FDP Kanton Aargau geht mit einem Zweierticket ins Rennen für den vakanten Regierungsratssitz.

Am Mittwochabend hat die Geschäftsleitung entschieden, den Mitgliedern Jeanine Glarner und Gérald Strub für die Nachfolge der zurückgetretenen Franziska Roth zu präsentieren.

Die Partei nominiert am 14. August in Aarau schliesslich ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin. Obwohl die Zeit bis zu den Wahlen vom 20. Oktober knapp ist, legen die Freisinnigen also diese Zusatzrunde ein – die Grünen etwa haben ihren Mitgliedern mit Severin Lüscher lediglich einen Kandidaten präsentiert.

Und diese haben ihn auch nominiert. «Wir lassen uns durch den Zeitdruck nicht davon abhalten, unseren Mitgliedern eine Auswahl zu präsentieren, wie das demokratisch richtig ist», sagt Parteipräsident Lukas Pfisterer. Mit Glarner und Strub habe man zwei unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Hintergründen und damit eine echte Wahl für die Freisinnigen.

Sowohl Glarner als auch Strub sind im Grossen Rat und beide Mitglieder in Gemeinderäten. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber tatsächlich auch schon vorbei.

Ehemalige Jungfreisinnige gegen Gemeindepräsident

Jeanine Glarner ist erst 35 Jahre alt, aber schon seit 2012 Mitglied des Kantonalparlaments. Die Historikerin arbeitet als Kommunikationsspezialistin. Seit ihrer Kindheit sei sie fest verwurzelt in Möriken-Wildegg, schreibt die FDP in ihrer Mitteilung zur Kandidatur. Seit 2018 ist Glarner dort auch Mitglied des Gemeinderats.

Gérald Strub hingegen wurde bereits 2001 in den Gemeinderat seiner Gemeinde Boniswil gewählt, seit 2006 ist er dort Gemeindeammann. Anders als Jeanine Glarner ist der Freisinnige mit Jahrgang 1970 im Grossen Rat aber ein Neuling, er wurde erst bei den Wahlen 2016 gewählt. Grosse Stricke hat er dort bisher noch nicht zerrissen.

Er vertritt die FDP-Fraktion in der Kommission Allgemeine Verwaltung und hat soweit erst drei Vorstösse mit eingereicht. Strub setzt sich vor allem für die Digitalisierung auf der Verwaltung ein – als selbstständiger Unternehmer ist der gelernte Elektromonteur im Bereich Organisations- und Prozessberatungen tätig.

Jeanine Glarner hat langjährige politische Erfahrung. Sie war Präsidentin der Jungfreisinnigen Aargau und Initiantin und Komiteevorsitzende der Staatskunde-Initiative. Bei der Waldinitiative, die im November letzten Jahres an der Urne scheiterte, ist Glarner als Gegnerin in Erscheinung getreten.

Für die FDP-Fraktion nimmt sie in der Kommission Umwelt, Bau, Energie und Raumordnung Einsitz und leitet das entsprechende Ressort in der FDP-Kantonalpartei. Sie ist auch Mitglied der Geschäftsleitung der Partei sowie des Fraktionsvorstands. Glarner politisiert am rechten Rand der FDP, sie ist eine Gegnerin des Atomausstiegs und der Energiestrategie. Damit kann sie vor allem bei rechts-bürgerlichen Wählern punkten.

Sabina Freiermuth: «Gewisse Voraussetzungen nicht gegeben»

Die FDP-Geschäftsleitung habe bei der Nomination von Glarner und Strub nicht bewusst auf eine Frau und einen Mann gesetzt, sagt Parteipräsident Pfisterer, das Geschlecht spiele für seine Partei keine primäre Rolle. «Wichtig ist, dass jemand in den Regierungsrat gewählt ist, der sowohl das Departement Gesundheit und Soziales leiten kann als auch bei einer Rochade jedes andere Departement übernehmen könnte», so Pfisterer. Es gehe deswegen in erster Linie um das Amt und nicht darum, ob jemand Gesundheitspolitiker sei.

Seit dem Rücktritt von Franziska Roth wird viel darüber spekuliert, mit welchen Kandidaturen die Parteien für die Nachfolge antreten. In der Öffentlichkeit wurden für die FDP die Namen Gérald Strub und Jeanine Glarner kaum bis gar nicht genannt. Dafür sind Fraktionspräsidentin Sabina Freiermuth und Gesundheitspolitikerin Martina Sigg ins Feld geführt worden. Beide hielten sich in den letzten Wochen aber darüber bedeckt, ob sie sich für eine Kandidatur ernsthaft interessieren.

Gestern sagte Sabina Freiermuth auf Anfrage: «Regierungsrätin wäre ein spannendes Amt und ich habe mir eine Kandidatur ernsthaft überlegt. Nach reiflichen Überlegungen bin ich aber zum Schluss gekommen, dass gewisse Voraussetzungen nicht gegeben sind und ich mich jetzt voll auf die Nationalratswahlen konzentrieren werde.» Die Frage, ob weitere Politikerinnen und Politiker ihr Interesse an einer Kandidatur bei der FDP-Geschäftsleitung angemeldet haben, kommentierte Parteipräsident Lukas Pfisterer gestern nicht.

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