Unfall
Eurobus-Chauffeur droht ein Gerichtsverfahren in Norwegen

Zwei Monate nach dem tragischen Busunglück in Norwegen laufen die Ermittlungen weiter. Dem Unglücksfahrer von Eurobus droht in Norwegen ein Prozess. Er ist vorläufig nicht mehr am Steuer – das Carunternehmen steht aber hinter ihm.

Janine Gloor
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Aargauer Busdrama in Norwegen - drei Schweizer tot, 13 verletzt (TeleM1)
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Der Unglücksbus wird am Tag nach dem Unfall in einer Werkstatt von norwegischen Spezialisten untersucht.
Der verunglückte Schweizer Reisecar und zahlreiche Helfer.
Der Bus knallte frontal in den Hang.
Die Polizei sichert den Unfallplatz.
Der Strassenabschnitt im Unfallgebiet gilt bei Einheimischen als gefährlich.
Der Bus war nach dem Crash in die Felswand völlig zerstört.
Der verunfallte Aargauer Bus von in Norwegen.

Aargauer Busdrama in Norwegen - drei Schweizer tot, 13 verletzt (TeleM1)

Keystone

Gut zwei Monate nach dem tragischen Busunglück in Norwegen laufen die polizeilichen Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Noch ist nicht geklärt, wie am 29. Juli der Car des Aargauer Unternehmens Eurobus auf dem Gebiet der Gemeinde Namsskogan von der Strasse abgekommen war und in eine Böschung prallte.

Beim Unglück verloren 4 Passagiere ihr Leben, 13 weitere wurden verletzt. Die Schweizer Reisegruppe war auf einer zweiwöchigen Tour durch Finnland und Norwegen.

Der Untersuchungsbericht aus Norwegen liegt noch nicht vor, wie die norwegische Staatsanwaltschaft auf Anfrage der az mitteilt. Ein technischer Fehler als Unfallursache wurde nicht gefunden; das gab die norwegische Unfallkommission kurz nach dem Unfall bekannt.

Nicht wieder Bus gefahren

Ist also ein Fehlverhalten des Chauffeurs Ursache der Tragödie oder führten allein äussere Umstände zum Unglück? Fakt ist: Der Strassenabschnitt der norwegischen E6, auf welcher sich der Unfall ereignete, ist als besonders gefährlich bekannt.

Anfang Juli wurde die schmale Strasse mit neuem Asphalt belegt, zur Zeit des Unglückes befanden sich gemäss der norwegischen Zeitung «Verdens Gang» noch keine Markierungen auf der Strasse.

Nach norwegischem Gesetz wird der Chauffeur des Unglücksbusses, der diese Strecke zum ersten Mal gefahren ist, als Verdächtiger behandelt.

Er wurde nach dem Unfall verhört, danach konnte er in die Schweiz zurückreisen. Der Deutsche ist weiterhin für das Unternehmen Eurobus tätig, wie Geschäftsführer Andreas Meier auf Anfrage sagt. «Seit dem Unfall ist er jedoch nicht wieder Bus gefahren.»

Ob der Chauffeur krankgeschrieben oder suspendiert ist, will Meier aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht offenlegen, Lohn bekomme er aber weiterhin.

Falls es in Norwegen zu einem Gerichtsfall und einer Anklage des Chauffeurs kommen sollte, stehe Eurobus selbstverständlich hinter ihrem Angestellten, sagte Meier weiter. «Das Unternehmen verfügt über eine Rechtsschutzversicherung, die in diesem Fall zum Zug kommt.»

Sicherheitsvideo soll reichen

Zur Meldung aus den norwegischen Zeitungen, dass gemäss ersten Untersuchungen einige Passagiere ihre Sitzgurte nicht getragen hätten, will sich Meier nicht äussern, da von offizieller Seite nichts bekannt sei.

Der Eurobus-Geschäftsführer verweist auf das Sicherheitsvideo, das auf die Gurtenpflicht aufmerksam mache und auf allen Reisen vor der Abfahrt abgespielt werde.

Auch bei der Praxis mit der Anzahl Chauffeure sieht Eurobus keinen Handlungsbedarf. Gemäss Meier gibt es «momentan keine Pläne», die Cars auf der Nordkap-Rundreise mit einem zusätzlichen Chauffeur auszustatten. Busreisen in der Nacht dagegen, wie etwa nach Spanien, würden von zwei Chauffeuren begleitet.