Aarau

Er wollte drei statt 15 Jahre ins Gefängnis: Billard-Schütze verliert vor Bundesgericht

Der türkische Asylbewerber hatte im Juni 2016 die Billardlounge «Playland» in Aarau überfallen und auf Gäste geschossen.

Der türkische Asylbewerber hatte im Juni 2016 die Billardlounge «Playland» in Aarau überfallen und auf Gäste geschossen.

Die Schüsse, die ein Mann beim Überfall auf das «Playland» in Aarau abfeuerte, waren versuchter Mord. Das entscheidet das Bundesgericht und bestätigt die Freiheitsstrafe von 15 Jahren für den Täter.

Nur mit einem Stein bewaffnet stellte sich im Juni 2016 ein Besucher des Aarauer Billardcenters «Playland» dem Mann in den Weg, der mit vorgehaltenem Revolver Geld von den Gästen verlangte. Der Gast hatte zuvor das Lokal unbemerkt durch den Hinterausgang verlassen und war durch den Haupteingang zurückgekehrt.

Der maskierte Räuber erschrak, schoss in Richtung des Eingangs und verfolgte den Besucher nach draussen, wo er zwei weitere Schüsse abgab. Alle Projektile verfehlten den Flüchtenden. Eine Stunde später konnte der Täter, ein damals 32-jähriger türkischer Asylsuchender, von der Polizei gefasst werden. Allerdings liess er sich nicht ohne Gegenwehr festnehmen, erneut griff er zum Revolver und bedrohte die Polizisten, die ihn aber schliesslich überwältigen konnten.

Dreieinhalb statt 15 Jahre?

Drei Jahre später musste sich als letzte Instanz das Bundesgericht mit dem missglückten Überfall zu beschäftigen. Der Beschuldigte verlangte in seiner Beschwerde Freisprüche in zwei Anklagepunkten: versuchter Mord sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte.

Stattdessen sei er wegen Raubes, Gefährdung des Lebens und Sachbeschädigung zu höchstens 40 Monaten statt den vom Aargauer Obergericht ausgesprochenen 15 Jahren Freiheitsstrafe zu verurteilen.

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Unbestritten ist: Der Täter schoss im Billardcenter einmal in Richtung des Besuchers, der mit dem Stein in der Hand beim Eingang stand. Er traf dabei einen fünf Meter entfernten Spielautomaten, in dem das Projektil steckenblieb. Er habe nicht auf den Mann mit dem Stein gezielt, gab der Schütze an.

Auch in Bezug auf die beiden Schüsse, die draussen fielen, gehen die Ansichten auseinander. Zwar zeigen Aufnahmen der Überwachungskameras, wie der Räuber mit waagrecht ausgestrecktem Arm und dem Revolver in der Hand den Flüchtenden verfolgte, doch die Schussabgaben selbst sind auf den Videos nicht zu sehen. Der Täter sagte, er habe lediglich in die Luft geschossen. Das halten – unter anderem aufgrund des Einschusslochs im nahen Busdepot – weder Obergericht noch Bundesgericht für glaubhaft.

Kritik am Obergericht

Der Beschuldigte kritisiert zudem die Strafzumessung durch das Aargauer Obergericht. Dieses hätte die Strafe wegen seiner schwierigen Kindheit und Jugend senken müssen, verlangte er. Nach dem Tod seines Vaters habe er im Alter von sieben Jahren die Rolle des Familienoberhauptes übernehmen, arbeiten und für seine Mutter und seine sechs Geschwister sorgen müssen. Nach seiner Flucht aus der Türkei habe er auf der Strasse gelebt, kein Geld für Lebensmittel gehabt und er sei dem Alkohol und den Drogen verfallen.

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15 Jahre Knast für Billard-Räuber (25. Oktober 2017)

    

Das Bundesgericht teilt die Kritik des Beschuldigten an der Vorinstanz zumindest teilweise, die bei der Festlegung der Strafe einen «wesentlichen Gesichtspunkt in Verletzung von Bundesrecht ausser Acht» lasse. «Nicht aufgezeigt und deshalb nicht nachvollziehbar ist, weshalb nach ihrer Einschätzung ein Zusammenhang zwischen den früheren Schwierigkeiten im Leben des Beschwerdeführers und den hier zu beurteilenden Delikten nicht erkennbar sein soll», halten die obersten Richter im Urteil fest.

Das vermag aber nichts an der Einschätzung zu ändern, wonach das Aargauer Obergericht das ihm zustehende Ermessen im Ergebnis nicht überschritten habe. Dies auch angesichts der drei Vorstrafen des Schützen in der Schweiz und einer früheren Verurteilung wegen Tötung in der Türkei. Das Bundesgericht weist die Beschwerde des Mannes ab, der somit frühestens nach zehn Jahren hinter Gittern auf eine bedingte Entlassung hoffen kann.

Bundesgerichtsurteil 6B_603/2018 vom 7. Juni

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Autor

Manuel Bühlmann

Manuel  Bühlmann

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