23. Heitere Open Air

Durchwegs überzeugende Acts am ersten Festivaltag

Nationale Bands wie die Monotales oder Rapper Greis heizten den Festivalbesuchern auf dem Heitere ebenso ein wie Noah&theWale, Public Enemy oder Pitbull.

Man nehme: Rock, Country, einen Schuss Rockabilly und fünf smarte Männer im besten Alter aus Luzern – heraus kommt die Band Monotales. Selbstbewusst und mit viel Elan beherrschten sie die Bühne vom ersten Moment an und brachten mit den ersten Tönen Bewegung in die noch müden Glieder der Festivalbesucher. Sänger Mauro Guarise glänzte zusätzlich mit Tanzeinlagen, bei denen er gern die ganze Bühne in Beschlag nahm. Monotales stellen mit ihren Texten unter Beweis, dass gute Musik durchaus auch Tiefgang besitzen kann.

Es war an den fünf Engländern von Noah&the Wale, die Lindenbühne als erste Band in Beschlag zu nehmen. Sie liessen sich von den anfänglich noch lichten Publikumsreihen nicht abschrecken und gaben in gekonnter Manier ihren Folk-Pop zum Besten. Der Auftritt der fünf Jungs war perfekt, um in dieses musikalische Wochenende zu starten. Da sah wohl auch Petrus so, verzog sich doch auch die letzte Regenwolke am Himmel. Und spätestens beim Hit «L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.» wagten sich die Zuhörer näher ran.

Das Tanzbein geschüttelt wurde aber erst beim nächsten Act, dafür aber kräftig. Alice Francis heizte auf der Parkbühne mächtig ein. Zum einen riss ihre Mischung aus Swing, Charleston und 20er-Jazz sowie Electro und Hip-Hop sogleich mit. Zum anderen vermochte die deutsch-rumänische Frontfrau durch ihre Ausstrahlung und Bühnenpräsenz das Publikum zu fesseln. Ausserdem kamen bei Alice Francis auch die Männer auf ihre Kosten. Die Musikerin, sie ist nach den Absagen von Jessie J und Rita Ora die einzige Frau im Heitere-Programm, geizte in ihrem hautengen Kleidchen nicht mit ihren Reizen.

Danach wurde es wieder testosteronlastig: Jessie wer?, fragten sich die Leute vor der Lindenbühne, als die Security von Public Enemy im Söldnerlook aufmarschierte. Die beiden Aushängeschilder der erfolgreichen Rapcombo, Chuck D. und Flavor Flav, sind zwar schon über 50 Jahre alt, waren aber ständig in Bewegung. Das zum grossen Teil junge Publikum in den ersten Reihen tat es ihnen gleich und feierte mit, als wären sie schon Ende der 80er dabei gewesen. Gross war die Freude, als Flav einen Ausflug in den Bühnengraben wagte und auf Tuchfühlung mit den Fans ging. Die Hip-Hopper spielten ausserdem Football auf der Bühne, verschenkten Handtücher, Plektren, Setlist und Drumsticks. Flavor Flav gab sogar sein «letztes» Hemd für die Fans und schmiss es in die Menge.

Von den amerikanischen Altmeistern zum einheimischen «Nachwuchs»: Schon als kleiner Junge hatte er sich Public Enemy angehört – Sound von Greis hat aber seinen ganz eigenen Stil. Fröhlich mixt er Schweizerdeutsch mit Französisch und Englisch, rappt und singt gleichermassen erfrischend. Die Texte sind mal witzig, mal nachdenklich, die Refrains eingängig. Im Scheinwerferlicht stehen aber auch ein DJ, ein Schlagzeuger, zwei tanzende Schwestern und ein welscher Gastrapper, die ihren Teil zur Party beitragen. Das kommt an vor der Parkbühne: Hüpfen, klatschen, mitsingen ist angesagt. Greis, bekannt aus der Chlyklass-Crew, ist von Zofingen begeistert: «Heitere, ich habe viel von euch gehört – aber das hier übertrifft alles.»

Und dann enterte «Mr. Worldwide» die Lindenbühne und setzte stimmungsmässig nochmals einen drauf. Die Songs von Pitbull sind immer nach dem gleichen Muster aufgebaut: eingängige Melodie, coole, tanzbare Beats und Features mit bekannten Namen. Diese bekannten Namen waren zwar nicht vor Ort – doch es funktionierte trotzdem. Die Show mit Tänzerinnen und Lichteffekten zum ohrenbetäubenden Sound verwandelte den Platz vor der Lindenbühne in einen Hexenkessel. Lauthals wurde mitgesungen, euphorisch mitgehüpft und gekreischt, was das Zeug hielt.

Kaum war der letzte Hit verklungen, dröhnten pumpende Bässe von der Parkbühne her, 2manydjs hatten sich dort installiert und untermalten ihre eher statische Show mit speziellen Visuals. Der Heitern verwandelte sich in einen Freiluft-Club und eröffnete eine Partynacht, die danach auf dem Zeltplatz weiterging. (rwi/cwi/mec/lej)

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