Obstbau
Die Suzukii-Fliege bedroht auch Kirschen und Zwetschgen

Der aus dem Fernen Osten eingeschleppte Schädling Drosophila Suzukii ist nicht nur eine Bedrohung für die Weinbauern. Der Obstbau ist noch viel stärker betroffen. Denn die kleinen Fliegen lieben Kirschen und Zwetschgen noch viel mehr als Trauben.

Hans Lüthi
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Kirschen sind von der Suzukii-Fliege viel mehr bedroht als Trauben.

Kirschen sind von der Suzukii-Fliege viel mehr bedroht als Trauben.

Keystone

Die Rekordernte von 2014 beim Steinobst bildete für die nur zwei bis drei Millimeter kleinen Viecher ein gefundenes Fressen. Sie vermehrten sich millionenfach und taten sich am Schluss an den Weintrauben gütlich.

Netze als wirksame Abwehr

«Die Kirschessigfliege – kurz KEF genannt – fegte letztes Jahr wie ein Tsunami über die Kulturen», sagte Othmar Eicher an der Nordwestschweizer Obstbautagung in Eiken. Der Obstbau-Leiter vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen staunte über den grossen Aufmarsch von 130 Bauern.

Das Fazit zur Bekämpfung der verhassten Suzukii-Fliegen ist ernüchternd, aber nicht aussichtslos: «Die prophylaktische Insektizidanwendung ist weitgehend sinnlos, viele Fragen sind noch offen. Als sehr effektiv sind hingegen Insektenschutznetze zu beurteilen. Bereits Hagelnetze bilden eine gewisse mechanische Barriere», erklärte Stefan Kuske von Agroscope Wädenswil. Ganz machtlos sind die Obstbauern also nicht, aber «nur die strikte Umsetzung von Präventivmassnahmen und die optimale Kombination geeigneter Pflanzenschutzstrategien werden in schwierigen Jahren helfen, die Kirschessigfliege unter Kontrolle zu halten.»

Fest steht bereits, dass die bereits gegen Hagel eingesetzten Vollnetze einen relativ guten Schutz bieten. Noch besser wären die weissen Netze mit nur 0,8 Millimetern Maschenweite. Da kommen die Weibchen nicht mehr durch und können die Eier als Basis der Zerstörung nicht mehr ablegen.

Klimawandel bringt Vorteile

Mit allen anderen Methoden im auch für 2015 absehbaren Kampf gegen die Kirschessigfliege wird es schwierig: Versuche mit seitlichen Netzen bei Zwetschgen stehen noch aus. Bei Behandlungen mit Spritzmitteln oder Löschkalk seien die Erfahrungen widersprüchlich. Getestet werden auf die Blätter gespritzte Lockstoffe mit Killeffekt, welche die Fliegen anziehen und auch gleich erledigen.

Die viel zu milden Winter helfen den Fliegen, aber auch den Obstbauern selber. Die Basis für die Rekordernten bei Kirschen und Zwetschgen bildeten 2014 die frostfreie Winterzeit und ein früher Frühling. Der am Temperaturverlauf ablesbare Klimawandel bringe den Obstbauern Chancen und Risiken.

Um 20 bis 40 Tage verlängere sich die Vegetationszeit, aber in Hitzejahren wie 2003 könne Wassermangel zum Problem werden. In der Schweiz werde die mittlere Temperatur schon bis 2060 um 2,5 bis 3 Grad ansteigen.

Das ermögliche neue Sorten und neue Kulturen, die Weinbau-Gebiete könnten sich ausdehnen. Als Nachteile zählte Referent Jürg Fuhrer vom Institut für Nachhaltigkeit in Reckenholz mehr Hagel, Stürme, Hitze und Extremregen auf. Und zusätzliche Schädlinge – wie derzeit die kleine Fliege. «Die Produzenten müssen sich anpassen», lautet Fuhrers Ratschlag.

Kirschenhochburg der Schweiz

Bei den Tafelkirschen gab es letztes Jahr eine absolute Rekordmenge. Von den landesweit 3400 Tonnen kamen 1700 Tonnen aus den drei Kantonen Aargau, Baselland und Solothurn, welche den Nordwestschweizer Verband bilden. «Dazu gab es noch 1100 Tonnen Industriekirschen», präzisierte Obstproduzent Ernst Lüthi aus Ramlinsburg BL, Sprecher im Schweizer Steinobstverband. An die ebenfalls starke Schweizer Zwetschgenernte von 3500 Tonnen trugen die Nordwestschweizer rund 1000 Tonnen bei.