Hydrokultur

Dank neuer Anbaumethode: Salat aus dem Wasser statt der Erde

Patrick Forster, Geschäftsleiter der Forster Salatgarten AG, bringt den Hydro-Salat in die Schweiz. Nächste Woche werden in der 175 Meter langen Halle die Tische montiert und Mitte März die ersten Jungpflanzen gesetzt.

Patrick Forster, Geschäftsleiter der Forster Salatgarten AG, bringt den Hydro-Salat in die Schweiz. Nächste Woche werden in der 175 Meter langen Halle die Tische montiert und Mitte März die ersten Jungpflanzen gesetzt.

Während sich die Anbaumethode andernorts etabliert hat, betritt Patrick Forster in Oftringen Neuland: er betreibt das erste Hydrokultur-Salatgewächshaus.

Schlechte Nachrichten für die italienischen Gemüsebauern: Statt den Salat aus dem Süden zu importieren, wird die Migros im nächsten Winter einen Teil ihrer Ware aus Oftringen beziehen. Dort, direkt neben der Kehrichtverbrennungsanlage, baut die Forster Salatgarten AG derzeit das erste Hydrokultur-Salatgewächshaus der Schweiz. Eine kleinere, in ein bestehendes Gewächshaus integrierte Anlage ging kürzlich im zürcherischen Dällikon in Betrieb. Mitte März werden dann auch im Aargau Hydro-Salate spriessen.

Indoor-Farming boomt weltweit. Am stärksten in Japan, wo sogar Technologiekonzerne wie Panasonic ins Geschäft eingestiegen sind. In hermetisch abgeriegelten Hallen und damit unabhängig von den äusseren Bedingungen gedeiht dort Grünzeug unter LED-Lampen.

In Oftringen werden die Salate den Winter derweil noch zu spüren bekommen. Sie wachsen unter Glasscheiben mit Sonnenlicht. Aber eben nicht aus der Erde, sondern aus Plastikrinnen, durch die mit Nährstoffen angereichertes Wasser fliesst. Die Anlage ist somit ein Kompromiss zwischen traditionellem Anbau und «Gemüsefabrik» — und beruht auf erprobten Technologien.

«Hier in der Schweiz sind wir zwar Pioniere», sagt Salatgarten-Geschäftsführer Patrick Forster. Andernorts, zum Beispiel in Belgien oder Holland, komme aber bereits heute der grösste Teil des Gewächshaus-Salats aus Hydro-Anlagen. Hiesige Konsumenten und Produzenten seien «grundsätzlich eher konservativ», erklärt der Gemüsebauer den Rückstand. Beim Anbau von Hors-sol-Tomaten verlief die Entwicklung ähnlich: «Anfänglich waren uns die Holländer um Welten voraus», so Forster. «Unterdessen hat sich die Anbaumethode aber auch in der Schweiz etabliert.»

Eine 175 Meter lange Reise
Der 35-jährige Unternehmer ist kein Nostalgiker. Während sein Grossvater noch mit Ross und Wagen aufs Feld ging, steuerte er nach der Lehre als Gemüsebauer bereits Traktoren mit GPS-Unterstützung über den Acker. Und nun wird, zumindest im Salatanbau, also auch der Traktor überflüssig. Die Jungpflanzen werden am einen Ende der 175 Meter langen Halle eingesetzt und wachsen während der je nach Jahreszeit vier- bis achtwöchigen Reise auf die andere Seite, um dort dann geschnitten zu werden. «Das ist der Wandel der Zeit», konstatiert Forster. «Die Bevölkerung wächst, die Ackerfläche schrumpft, also muss auf einer kleineren Fläche mehr produziert werden.»

Der Hydro-Anbau erfüllt diese Vorgabe spielend: Die Anlage in Oftringen wird auf 1,3 Hektaren jährlich 2,6 Millionen Salatköpfe produzieren. Im traditionellen Anbau wäre der Flächenbedarf für dieselbe Menge laut Forster etwa acht Mal so hoch. Gleichzeitig reduziere sich der Wasserbedarf um 70 Prozent. Und der Restnährstoff, den die Pflanze nicht aufnimmt, fliesst via Auffangbecken mit dem aufbereiteten Wasser in den Kreislauf zurück statt im Boden zu versickern.

Keine fossilen Energieträger
Bleibt noch das Problem des Energiebedarfs für die Hallenheizung im Winter. Die Migros forderte als Bedingung für die Zusammenarbeit den Verzicht auf fossile Energieträger. Forster baute seine Halle deshalb neben der Kehrichtverbrennungsanlage. Ein Teil von deren Abwärme, nämlich das Wasser mit einer Temperatur von maximal 53 Grad, tauge für das öffentliche Wärmenetz nicht, erklärt er. Nun fliesst sie in sein Gewächshaus. Theoretisch könnte er mit der bisher unbenutzten Abwärme das zehnfache der jetzigen Fläche beheizen. Expansionspläne liegen dennoch keine in der Schublade. Zuerst müsse die Produktion in der ersten Halle rund laufen, sagt Forster.

Dass Hydro-Salate künftig immer häufiger in den Regalen der Grossverteiler zu finden sein werden, steht für ihn trotzdem ausser Frage. «Ich kenne Mitbewerber, die auch schon in Belgien waren und mit dem Gedanken spielen, auf diese Anbau-Methode zu setzen.» Für veritable Gemüse-Fabriken, wie sie die Japaner bauen, sieht er in der Schweiz jedoch keinen Markt. «Der Konsument wäre für so etwas kaum bereit».

Ein bisschen hilft allerdings auch Patrick Forster der Natur nach. Im Gewächshaus hat er eine Zusatzbeleuchtung installiert, die er in den Wintermonaten bei Bedarf morgens und abends je eine Stunde lang einschalten wird. In Italien sind die Tage schliesslich auch etwas länger. «Und dafür», so Forster, «kann der Konsument in Zukunft zwölf Monate im Jahre einheimischen Salat essen».

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