Petitio-Erfolg

Aufnahmeregeln an Mittelschulen: Kanton kommt Aarauer Schülerinnen entgegen

Melina Urech (links) und Sophie Rindlisbacher übergaben Grossratspräsident Benjamin Giezendanner ihre Petition am 9. Mai.

Melina Urech (links) und Sophie Rindlisbacher übergaben Grossratspräsident Benjamin Giezendanner ihre Petition am 9. Mai.

Zwei Bezirksschülerinnen lancierten auf Petitio.ch eine Petition. Ihr Ziel: Die Abschaffung der Pflicht von genügenden Noten in Mathe und Deutsch, die für die Aufnahme an weiterführenden Schulen gilt. Der Kanton hat die Petition behandelt und gibt den beiden Schülerinnen nun teilweise Recht.

Kantonsschülerin Melina Urech freut sich: "Ich bin erleichtert. Dass der Kanton einen Teil unserer Petition prüft, ist ein grosser Erfolg." Eigentlich habe sie gar nicht damit gerechnet, dass sich der Kanton überhaupt mit ihrem Anliegen befassen würde. 

Urech und ihre Kollegin Sophie Rindlisbacher forderten eine Veränderung im Schulgesetz, konkret: die Abschaffung der 2016 in Kraft getretenen Aufnahmekriterien von Bezirksschülern an Mittelschulen. Sie wehren sich gegen die Regelung, die besagt, dass man bei einem Übertritt von der Oberstufe in eine weiterführende Schule in Mathe und Deutsch in jedem Fall mindestens die Note 4,0 braucht.

Und zwar auch dann, wenn man insgesamt den nötigen Notenschnitt erreicht: für die Kantonsschule ist das eine 4,7 und für die Fachmittelschule eine 4,4. Im Mai überreichten sie dem Grossratspräsidenten Benjamin Giezendanner eine Petition mit 1640 Unterschriften, gesammelt auf der Plattform Petitio.ch.

Nicht nötig, in Deutsch und Mathe gut zu sein 

Die ehemaligen Bezirksschülerinnen Melina Urech und Sophie Rindlisbacher störten sich an der neuen Regelung, die vielen Kollegen Steine in den Weg legen würde. Bei der Lancierung ihrer Petition erzählten sie der AZ von einer Klassenkameradin, die im Schnitt eine 5,4 hatte, aber in Mathematik ungenügend war.

Sie habe deshalb erst eine Aufnahmeprüfung für die Kantonsschule absolvieren müssen. Melina Urech und Sophie Rindlisbacher waren sich einig: «Es ist nicht nötig, dass man in den beiden Fächern Mathe und Deutsch gut ist. Aus unserer Sicht ist es eher eine Qualität, wenn man den Gesamtschnitt für eine weiterführende Schule erreicht.»

Note 4,0 ist "Mindestanforderung"

Nun hat sich die Kommission Bildung, Kultur und Sport des Grossen Rats mit dem Anliegen befasst und ihren Entscheid veröffentlicht: «Die Vorgaben betreffend Note 4,0 in den Fächern Deutsch und Mathematik werden als Mindestanforderungen betrachtet, an denen man festhalten will. Genügende Noten in diesen beiden Fächern sind angezeigt, vor allem für Gymnasiasten.»

Die Schüler würden die Vorgaben kennen und könnten sich darauf einstellen und – falls nötig – einen zusätzlichen Effort leisten. Man wolle verhindern, dass erst in den Mittelschulen oder gar erst an der Universität selektiert wird. Die Kommission nimmt das Anliegen der Schülerinnen zur Kenntnis, sieht aber keinen Handlungsbedarf.

Teilerfolg für Petition

Doch bei den Aufnahmekriterien für Fachmittelschulen lenkt die Bildungskommission ein. Für künftige Fachmittelschüler werde «die geforderte Leistung als sehr hoch – zu hoch – eingestuft.» Die Kommission will nun prüfen, ob für Fachmittelschul-Kandidaten nur das Erreichen eines Schnittes von 4,4 genügend sei, und sie nicht auch noch eine 4,0 in Deutsch und Mathematik vorweisen müssen.

Für Melina Urech und Sophie Rindlisbacher ist das ein Teilerfolg. Falls ihr Anliegen bei der Prüfung durchfallen sollte, wollen sie dennoch weiterkämpfen und eine Partei um Unterstützung bitten: «Wir werden weiterhin für unsere Sache Werbung machen und hoffen, Hilfe zu bekommen», so Urech.

Die beiden Jugendlichen besuchen inzwischen die Kantonsschule, haben den Übertritt also trotz der heute geltenden scharfen Regelung geschafft.

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