Abtwil/Bonstetten
Bauernverband Aargau fordert Abschuss von «Problemwölfen»: «Herdenschutzhunde machen keinen Unterschied zwischen Wolf und Jogger»

Nachdem auf einer Weide in der Zürcher Gemeinde Bonstetten 25 Schafe gerissen wurden, fordern der Zürcher und der Aargauer Bauernverband den «umgehenden Abschuss von Problemwölfen». Andere Schutzmassnahmen seien nicht zielführend.

Dominic Kobelt
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Der Bauernverband Aargau fordert den Abschuss von «Problemwölfen».

Der Bauernverband Aargau fordert den Abschuss von «Problemwölfen».

Susanna Meyer

Marcel Frei aus Abtwil hat vor einer Woche 25 tote Schafe auf seiner Weide in Bonstetten ZH vorgefunden. Die Spuren der gerissenen Tiere lassen auf einen grösseren, hundeartigen Angreifer schliessen. Fachleute sicherten vor Ort Spuren und entnahmen DNA-Proben, Resultate sind in einigen Wochen zu erwarten.

Dass es sich beim Tier um einen Wolf gehandelt hat, gilt aber als wahrscheinlich. Das aktuelle Vorkommnis zeige, dass möglicherweise ein Wolf nun zum wiederholten Mal in dicht besiedeltem Gebiet unterwegs gewesen sei, schreiben der Zürcher Bauernverband und der Bauernverband Aargau in einer gemeinsamen Medienmitteilung.

Zögerlich trauen sich die Schafe zu Marcel Frei. Sie haben den Wolfsangriff überlebt und erholen sich im Stall in Auw vom Schock.

Zögerlich trauen sich die Schafe zu Marcel Frei. Sie haben den Wolfsangriff überlebt und erholen sich im Stall in Auw vom Schock.

Nathalie Wolgensinger

«Auch wenn aktuell die Bestätigung noch aussteht und erst in einigen Wochen Klarheit darüber herrschen wird, um welches Tier es sich gehandelt hat, sind Hobbytiere, Nutztiere und auch die Bevölkerung vor einem weiteren Übergriff zu schützen», fordern die Verbände. Falls sich die Vermutung bestätige, dass es sich um einen Wolf handle, seien Massnahmen einzuleiten, «dass solche Problemtiere nach vorliegendem Beleg unverzüglich abgeschossen werden können.»

Bauernverband sieht Herdenschutzhund nicht als Lösung

Die Bauernverbände kritisieren in ihrer Mitteilung die verschiedenen Nicht-Regierungsorganisationen und Umweltverbände. Diese müssten nun ihre aktuelle Haltung, die auch den Schutz von Problemtieren vorsieht, umgehend überdenken.

In Bonstetten sind 25 gerissene Schafe auf einer Weide entdeckt worden.

In Bonstetten sind 25 gerissene Schafe auf einer Weide entdeckt worden.

zvg

«Ein flächendeckender Einsatz von Herdenschutzhunden in Agglomerationsgemeinden wird dazu führen, dass Hundehalter sich mit ihren Lieblingen nicht mehr auf Feldwege trauen», heisst es in der Medienmitteilung. Die bis zu 100 kg schweren Herdenschutzhunde machten «keinen Unterschied zwischen einem Wolf, einem Haushund oder einem Jogger.»

Allem Fremden gegenüber zeige dieser ein ausgeprägtes Abwehr- und Territorialverhalten. «Der Freizeitdruck ist im Mittelland derart hoch, dass lebensbedrohliche Konfrontationen mit Hundehaltern, Freizeitsportlern und Spaziergängern vorprogrammiert sind, wenn Tierhalter als Abwehrmassnahme gegen den Wolf in unseren Breitengraden Herdenschutzhunde einsetzen müssen.»

Wenn tatsächlich ein Wolf die Tiere gerissen hat, könnte dieser möglicherweise bereits tot sein. Wenige Tage nach dem Vorfall fand man einen Wolf überfahren auf einem Bahngleis in Immensee – zuvor wurden auch dort drei Schaffe gerissen.

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