Möhlin

Zaun um die Unterkunft wegen eines Coronafalls: Wurden Asylbewerber für zehn Tage weggesperrt?

Die Asylunterkunft in Möhlin – hier ohne Zaun. (Archivbild)

Die Asylunterkunft in Möhlin – hier ohne Zaun. (Archivbild)

In der Asylunterkunft in Möhlin mussten sich 22 Personen in Quarantäne begeben, weil sich ein Bewohner mit Covid-19 infiziert hatte. Als zusätzliche Massnahme liessen die Behörden einen Zaun um die Baracke errichten. Ist das verhältnismässig? Die Gemeinde verteidigt sich und spricht von viel Verständnis und Hilfe aus der Bevölkerung.

Eine Person hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. In der Folge muss sie zuhause bleiben, in Isolation, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne. Langsam kennen wir das Prozedere. Doch wie ist es, wenn sich eine Person in einer Asylunterkunft mit Covid-19 infiziert? In Möhlin ist genau das passiert. 22 Personen wohnen in der Unterkunft und mussten für zehn Tage in Quarantäne.

Die Behörden haben deshalb einen Zaun aufgestellt, der dafür sorgt, dass auch alle Bewohner innerhalb des Areals bleiben. Zudem ist in der Fricktaler Gemeinde Sicherheitspersonal vor Ort. Das berichtet das «SRF-Regionaljournal Aargau-Solothurn».

Sicherheitspersonal geht einkaufen

Das sei richtig in dieser Situation, sagt Lutz Hahn, Mediensprecher der ORS Management AG, gegenüber dem Radiosender. Die Firma ist schweizweit für die Asylkoordination in den Gemeinden verantwortlich. Die Erfahrung habe gezeigt, dass gerade in Asylunterkünften das Verständnis für eine Quarantäne häufig nicht vorhanden sei und man die Verordnung nicht so ernst nehme. So möchten beispielsweise die Bewohner einer Asylunterkunft trotzdem einkaufen gehen, auch wenn sie in Quarantäne sind. Deshalb hat die Firma ORS nun zusätzliches Personal aufgeboten. Einerseits soll dieses mit den Bewohnern reden, Aufklärungsarbeit leisten und andererseits aber auch die Einkäufe erledigen.

Jugendeinrichtung stellt einen «Töggelichaschte» zur Verfügung

Die Erfahrungen seien gut, bestätigt auch die Gemeinde Möhlin. Allerdings ist das Volk teilweise aufgebracht. Es sei unmenschlich, Leute wegzusperren. Gemeindeschreiber Marius Fricker sagt, dass dies einzelne Leute gewesen seien, die sich in den sozialen Medien darüber empört hätten. Vor Ort habe sich allerdings ein anderes Bild gezeigt: Leute aus dem Dorf seien zur Asylunterkunft gekommen, um mit den Bewohnern zu sprechen, für sie – in Absprache mit dem Sicherheitspersonal – einkaufen zu gehen. Die Lebensmittel seien auch gespendet worden. Eine Jugendeinrichtung habe sogar einen «Töggelichaschte» zur Verfügung gestellt, damit sich die Bewohner der Asylunterkunft während der zehn Tage etwas besser beschäftigen können.

Bei Asylunterkünften der Gemeinden im Aargau gibt es seitens des Kantons keine Richtlinien, wie ein solcher Fall gehandhabt werden soll. Und: Am Donnerstag ist die Quarantäne für die Bewohner der Asylunterkunft in Möhlin vorbei. Laut aktuellen Informationen haben sich keine weiteren Personen angesteckt. (cri)

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