Wittnau

Würdevoller Ort der Trauer: Projekt Gemeinschaftsgrab wird vorgestellt

Remo Streit und Gertrud Häseli geben Auskunft zum geplanten Gemeinschaftsgrab auf dem Wittnauer Friedhof.

Remo Streit und Gertrud Häseli geben Auskunft zum geplanten Gemeinschaftsgrab auf dem Wittnauer Friedhof.

Der Wertewandel unserer Zeit scheint auch am Tod nicht spurlos vorüberzugehen. Genauer: An der Art und Weise, wie der Mensch künftig zur letzten Ruhe gebettet wird.

Die Wittnauer Gemeinderätin Gertrud Häseli hat am Samstagvormittag die Bevölkerung zur Vorstellung des neuen Gemeinschaftsgrabs eingeladen, das bereits seit einigen Jahren auf der Wunschliste des Gemeinderats steht.

Platz für das neue Gemeinschaftsgrab wird durch die Auflassung des ehemaligen Priestergrabs geschaffen. Auf einer Länge von 14 Metern werden in zwei Reihen in symbolträchtiger Bogenform 140 Tafeln Platz haben, die mit dem Namen, dem Geburts- und dem Sterbejahr der bestatteten Personen versehen werden. Innerhalb des Bogens können wahlweise Urnen oder die Asche von Verstorbenen in der Erde gelassen werden.

Die Tafeln bilden einen guten Kontrast

Zur Ausgestaltung des Gemeinschaftsgrabs gab Remo Streit, Geschäftsinhaber des Bildhauerateliers Meier in Brugg, Auskunft. Mittig wird eine Rasenfläche angelegt. In gräulichem Tessiner Granit seien die beiden Bogen gehalten. Einen guten Kontrast würden die Tafeln bilden, die aus verschiedenfarbigen, wiederverwerteten Steintafeln unterschiedlichster Art gefertigt würden.

Die Besonderheit: Im Gegensatz zu anderen Gemeinschaftsgräbern in der Region werde es Hinterbliebenen ermöglicht, individuellen Blumenschmuck anzubringen, kündigte Häseli an. Es sei sehr wünschenswert, durch eine persönliche Note einen nicht nur würdevollen, sondern auch attraktiven Ort der Erinnerung und der Trauer zu gestalten. Die Erfahrungen hätten ausserdem gezeigt, dass die Urnenwand des Wittnauer Friedhofs von manchen Hinterbliebenen nicht sehr gut angenommen werde, sagte Häseli.

Die Gemeinderätin sieht in dem Gemeinschaftsgrab einen guten Kompromiss: Ist eine Grabpflege durch Angehörige nicht mehr möglich, bietet das Gemeinschaftsgrab eine pflegeleichte Alternative. «Angehörige, die die Grabpflege noch selbst besorgen möchten, haben an diesem Ort die Möglichkeit dazu», so Häseli.

«Grundsätzlich gut, aber sehr gross», befand eine Wittnauer Seniorin knapp. August Müller führte die Bedenken weiter aus. «Zu überdimensioniert», so seine Einschätzung. Müller befürchtete, dass angesichts des rasanten Wandels der Zeit – durch Zuzug anderer Religionsgemeinschaften und Kirchenaustritte – die Anstrengungen zur Schaffung eines Gemeinschaftsgrabs in wenigen Jahren schon wieder überholt sein könnten.

Der Baubeginn ist im Frühjahr 2021 vorgesehen

Vereinzelt kam auch Kritik an den Kosten in der Höhe von 90000 Franken auf, von denen 30000 Franken die römisch-katholische Kirchgemeinde tragen wird. «Ein übertriebener Aufwand», befand August Müller.

Zustimmung signalisierte dagegen Martha Liechti. In dem Projekt sah die Wittnauerin sowohl den gewandelten Zeitgeist in Hinblick auf die Bestattungskultur als auch das auf Friedhöfen weitverbreitete Platzproblem gut berücksichtigt. Einzig bei der Ausgestaltung empfahl sie, Anregungen des Gemeinschaftsgrabs auf dem Friedhof in Zollikofen aufzunehmen. Als sehr positiv bewertete sie, dass es in Wittnau nun «verschiedene Möglichkeiten der Bestattungen gibt».

Wie repräsentativ die Reaktionen im Rahmen des sehr verregneten Ortstermins waren, mag dahingestellt bleiben. Entscheidend sein wird jedoch die Wittnauer Einwohnergemeindeversammlung, die am 26. November über die Zustimmung zum Projekt entscheiden wird. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen.

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