Im Oktober wurden die Profile für den Wohnturm auf dem Kaiseraugster Liebrüti-Zentrum errichtet. Damals ging man von einer baldigen Auflage des Baugesuchs für den sogenannten «Domus» aus. 124 Wohnungen und Gewerbeflächen sollen im Hochhaus entstehen. Die Eigentümer rechnen mit Investitionen zwischen 50 und 60 Millionen Franken.

Bis heute allerdings wurde die öffentliche Auflage noch nicht gestartet. Knackpunkt sind die architektonische Gestaltung und die räumliche Wirkung. Unter dem Titel «Verzögerung bei Bewilligung Hochhaus Liebrüti: Hoffnungsschimmer in Kaiseraugst» schaltete «Architektur Basel» Ende letzter Woche einen Beitrag auf dem eigenen Online-Portal auf. «Architektur Basel» ist ein Kollektiv junger Architekten, dessen Ziel darin besteht, «das facettenreiche Architekturgeschehen in und um Basel zu dokumentieren und zu kommentieren».

Fehlt der architektonische Dialog?

Bereits im letzten November hatte Architekt Lukas Gruntz in einem Beitrag auf der Plattform kritisiert, dass das geplante Hochhaus «jeden Dialog mit der umgebenden Architektur» vermissen lasse. «Banale Bänder als Antwort auf die rhythmisch gegliederten Fassaden der bestehenden Zeilenbauten. Man könnte von einer architektonischen Gesprächsverweigerung sprechen», so Gruntz damals (die AZ berichtete).

In seinem neuen Beitrag schreibt Gruntz, dass derzeit mit Walter Tschudin aus Brugg eine unabhängige Fachperson das Projekt begutachte und sich die Baugesuchsauflage deshalb verzögere. Es bleibe zu hoffen, dass Tschudin sein Urteil im Sinne der Baukultur fälle und eine Überarbeitung des Städtebaus und einen Architekturwettbewerb fordere, so Gruntz weiter. Gegenüber der AZ betont er, das vorliegende Projekt sei seiner Ansicht nach aus städtebaulicher Sicht nicht die bestmögliche Lösung. «Diese gilt es aber anzustreben.» Zumindest sollte das Domus-Projekt aber architektonisch überarbeitet werden, «damit es die Punkte aufnimmt, die das Baudenkmal ausmachen». Dabei spricht er etwa die Betonelemente oder die Farbigkeit an.

Im Beitrag auf der «Architektur Basel»-Plattform sagt der Kaiseraugster Gemeindeschreiber Roger Rehmann, Walter Tschudin sei im Kanton Aargau ein ausgewiesener Fachmann. «Er hat Erfahrungen bei kantonalen Planungen und in Ortsbildberatungen.» Dies seien auch Kriterien für seine Auswahl gewesen.

«Intensiver Austausch» im Gang

Tschudin selber sagt gegenüber der AZ, er habe Ende 2018 von der Gemeinde den Auftrag erhalten, ein Fachgutachten zum Domus-Projekt zu erarbeiten. Dabei gehe es darum, zu prüfen, ob die Vorschriften des Gestaltungsplans eingehalten werden. Tatsächlich ist unter Paragraf 17 der Sondernutzungvorschriften zum Gestaltungsplan Liebrüti Zentrum zur Qualitätssicherung eine solche Stellungnahme einer unabhängigen Fachperson gefordert.

Als Beurteilungskriterien werden etwa die architektonische Gestaltung, die räumliche Wirkung, die Gliederung der Fassade oder die Wirkung der Materialien und Farben genannt. Tschudin hat mittlerweile seine Stellungnahme zuhanden der Gemeinde verfasst. «Darin habe ich Verbesserungspotenzial aufgezeigt», so Tschudin. Genauere inhaltliche Aussagen könne er derzeit nicht machen, da der Prozess noch im Gang sei. Aber: Derzeit werde das Domus-Projekt überarbeitet. Zwischen Tschudin selber, der Gemeinde Kaiseraugst, den Liebrüti-Eigentümern und den Architekten des Wohnturms finde derzeit «ein intensiver Austausch» statt.

Auflage vor den Sommerferien?

Der Wunsch von «Architektur Basel» und Lukas Gruntz scheint sich also zumindest teilweise zu erfüllen. Kein Thema ist dagegen gemäss Tschudin ein Architekturwettbewerb. Dafür gebe es keine rechtliche Grundlage, so der Experte. Zur architektonischen Qualitätssicherung sei eben die externe Überprüfung in den Sondernutzungsvorschriften festgeschrieben worden.

Hinsichtlich des Zeitplans äusserte sich Tschudin nur vorsichtig. Ziel sei es, eine Ausschreibung des Baugesuchs noch vor den Sommerferien zu schaffen. Allerdings sei dies nun davon abhängig, ob die Überarbeitung des Projekts den Anforderungen entspreche.