Möhlin
Wo nur sind die 5,4 Hektaren Bauland – und andere wichtige Fragen

Der Streit um den Rüttenen-Verkauf entzündet sich an Landreserven, Wachstum und Schule.

Marc Fischer
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Der Sportplatz Riburg soll verkauft und teilweise überbaut werden. Doch wo hat Möhlin dann noch Baulandreserven?

Der Sportplatz Riburg soll verkauft und teilweise überbaut werden. Doch wo hat Möhlin dann noch Baulandreserven?

Nadine Böni

Am 1. Dezember stimmen die Einwohner von Möhlin darüber ab, ob die Gemeinde den ehemaligen Sportplatz Riburg, das sogenannte Areal Rüttenen, verkauft. Dort sollen eine Wohnüberbauung und eine Erholungsanlage entstehen. Dagegen – und auch gegen den Verkauf der Leigrube, der in einem Jahr spruchreif werden soll – hat sich Widerstand formiert. Die IG Leigrube, «Pro Kulturland» und «Zukunft Möhlin» kämpfen mit unterschiedlichen Schwerpunkten gegen den Landverkauf.

1. Woran entzündet sich der Streit?

An der Frage nach den Landreserven. «Bevor wir Land verkaufen, müssen wir abwarten, wie sich Möhlin weiterentwickelt», sagt Werner Erni von «Zukunft Möhlin». Franz Stocker von der IG Leigrube spricht vom Tafelsilber, das man verscherble. Ohne Not dürfe das nicht geschehen, sind sich beide einig; allzu viele Reserven habe Möhlin nicht mehr. Der Gemeinderat widerspricht.

«Auch nach den allfälligen Landverkäufen verfügt die Gemeinde Möhlin weiterhin über viel gemeindeeigenes Land und damit Entwicklungsmöglichkeiten», heisst es in einem sogenannten Faktencheck, den die Gemeinde erarbeitet hat. Derzeit betrage die Reserve in der Bauzone 7,5 Hektaren, selbst nach dem Verkauf von Rüttenen und Leigrube blieben immer noch 5,4 Hektaren übrig.

2. Wo liegen die Baulandreserven?

Bei den Gegnern sorgen diese 5,4 Hektaren für ungläubige Gesichter. «Mir ist nicht bekannt, wo diese liegen sollen», sagt Werner Erni stellvertretend. René Berger, Abteilungsleiter Bau und Umwelt in Möhlin, bringt Licht ins Dunkel. Das Land liege in unterschiedlichen Zonen. In der Gewerbezone beim Werkhof oder in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen beim Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach.

Auch die Zone für öffentliche Erholungs- und Freizeitanlagen in der Umgebung des Gemeindehauses und den Sonnenpark erwähnt Berger. Die Aufzählung der Reserven bringt Hans Delz von «Pro Kulturland» zum Lachen: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Parzellen je überbaut werden.»

3. Ein anderer grosser Streitpunkt ist das Wachstum der Gemeinde. Wie verlaufen hier die Fronten?

«Der Gemeinderat hat seit 2010 den klaren Auftrag, das Wachstum zu drosseln», sagt Hans Delz, «doch es geht ungebremst weiter und wurde eher noch gesteigert.» Delz spricht damit an, dass die Bevölkerung damals gewünscht habe, dass das Dorf nicht um mehr als 80 Einwohner pro Jahr wachsen dürfe.

Der Gemeinderat sagt, die Zahl 80 habe sich auf die damals neu eingezonten Gebiete bezogen. Franz Stocker sieht das anders: «Bereits in der Zukunftskonferenz vor der Debatte um den neuen Bauzonenplan war klar, dass die Bürger sich für die ganze Gemeinde ein moderates Wachstum von etwa 80 Einwohnern pro Jahr wünschen.» Ihm ist bewusst, «dass man Zuzüger nicht auf die Einzelperson genau steuern kann», aber das Tempo des Wachstums in Möhlin sei zu hoch.

Delz fordert deshalb im Namen von «Pro Kulturland», dass der Gemeinderat, das ohnehin vorhandene Wachstum nicht mit dem Verkauf von Land «befeuert». Ammann Fredy Böni dagegen verwies am Montag auf die Bevölkerungsstatistik der letzten Jahre. «Die Wachstumskurve flacht ab», sagt er.

Den letzten Schub hat es 2012 mit einem Zuwachs von 267 Personen gegeben. In den folgenden Jahren wuchs die Bevölkerung jährlich um 75 bis 170 Einwohner – und damit im langsamer als in den Vorjahren.

4. Geht es an der Gemeindeversammlung nur um den Rüttenen-Verkauf oder um mehr?

Viele Einwohner verknüpfen den Verkauf mit dem angedachten Bau eines Oberstufenzentrums. Hans Delz bezweifelt, dass der Neubau für geschätzte 20 Millionen Franken überhaupt nötig ist. «2011 hiess es, die Infrastruktur reiche für bis zu 15 000 Einwohner, nun haben wir 11 000 Einwohner und brauchen angeblich ein neues Schulhaus.»

Der Gemeinderat räumt ein, dass der Bedarf erst bei neueren Studien bekannt wurde. Das Oberstufenzentrum sei kein Prestigeobjekt, so Böni, «aber eine Lösung, die uns Luft gibt.» Schul-Gemeinderätin Bernadette Kern doppelt nach, «bis 2030» gewährleiste das Oberstufenzentrum nach heutigem Stand genügend Raum.

«Zukunft Möhlin» und die IG Leigrube sehen den Bedarf an Schulraum und für Sanierungen. Werner Erni wünscht sich aber Varianten und verweist darauf, dass regionale Bemühungen angelaufen seien.

«Wir wüssten zum Beispiel auch gerne, was ein Oberstufenzentrum in Möhlin für die Schule Wegenstetten bedeutet.» Weiter ist Erni überzeugt, dass Möhlin bei einem Schulhausneubau auch ohne Landverkäufe finanziell «nicht in eine kritische Zone» käme. «Das werden wir an der Gemeindeversammlung auch aufzeigen.»

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