Umfrage

Wie sich die Coronakrise auf die Sozialhilfe auswirkt – Spitze wird 2022 erwartet

Noch verzeichnen die Sozialämter keine Auswirkungen der Coronakrise.

Noch verzeichnen die Sozialämter keine Auswirkungen der Coronakrise.

Aktuell hat die Coronakrise noch kaum Auswirkungen auf die Sozialhilfe. Doch die Zahl der Empfänger wird steigen.

Die Coronakrise hat bislang kaum Auswirkungen auf die Zahl der Sozialhilfeempfänger und auf die Sozialhilfekosten – noch nicht, wie eine Umfrage der AZ unter Fricktaler Gemeinden zeigt. «Bei den Neuanmeldungen hat sich die Covid-Pandemie bisher kaum ausgewirkt», sagt etwa Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden.

Die Massnahmen von Bund und Kanton scheinen zu grei­-fen, so Erdin. Gleich tönt es aus Frick. «Bisher sind keine negativen Auswirkungen wegen Corona im Bereich der Sozialhilfe festzustellen», sagt Gemeindeammann Daniel Suter.

Reintegration in ­Arbeitsmarkt schwieriger

Die Zahl der Sozialhilfebezüger ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die Reintegration in den Arbeitsmarkt. Und hier spüren viele Gemeinden die Coronakrise. «Es ist tatsächlich so, dass es in der ak­tuellen Situation schwierig ist, ­Sozialhilfeempfänger in den Ar­beitsmarkt zu integrieren», sagt René Sacher, Vizegemeindeschreiber von Möhlin. Gleich tönt es aus Rheinfelden.

Positive Töne kommen hingegen aus Laufenburg. «Erfreulicherweise gelang es dem regionalen Sozialdienst trotz Covid-19, einige Sozialhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt zu integrieren», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Ivan Brigante. Je nach Branche würden Leute gesucht, was sehr erfreulich sei.

Als Vorteil erweist sich dabei die mit der Regionalisierung einhergehende Professionalisierung des Sozialdienstes. Von Laufenburg aus werden die Sozialhilfeempfänger in Gansin­gen, Laufenburg, Oeschgen, Sisseln und Stein betreut. «Durch die Professionalisierung des regionalen Sozialdienstes konnten in den letzten Jahren die Gesamtkosten erfreulich gesenkt werden», sagt Brigante.

Die Pandemie wird diesen Trend voraussichtlich bremsen. «Daher gehen wir davon aus, dass die Sozialhilfekosten gegenüber den Kosten 2020 verhalten steigen werden», so Brigante.

Die Zukunft ist es denn auch, die den Gemeinden eher Sorgen bereitet. Denn wer die Stelle verliert, wird zuerst von der Arbeitslosenkasse unterstützt. «Erst wenn die Bezugsberechtigung ausgelaufen ist und die Person nicht vermittelt werden konnte, kommt die Sozialhilfe zum Tragen», sagt Suter. In der Regel würden die Anzahl Fälle als auch die Kosten der Sozialhilfe in einer Wirtschaftskrise deshalb erst zeitlich verzögert ansteigen.

Wie hoch die coronabedingte Zunahme der Sozialhilfeempfänger mittelfristig sein wird, «ist schwierig abzuschätzen», sagt Sacher. Sascha Roth, Gemeindeschreiber in Stein, sieht dies gleich. «Da zuerst die Arbeitslosenkasse zum Zug kommt, ist sicher entscheidend, wie sich die Pandemie beziehungsweise der Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten und Jahren entwickelt.»

Spitze der Sozialhilfe wird erst 2022 erreicht

In Kaiseraugst rechnet man laut Gemeindeschreiber Rolf Dunkel frühestens ab 2022, je nach Entwicklung der Covid-Situation, mit einem Anstieg der Sozialhilfekosten. «Das Zusammenspiel von Kurzarbeit, allfälligen Entlassungen, Auslaufen von Unterstützungsgeldern vom Bund an Selbstständigerwerbende wird Einfluss haben.»

In Rheinfelden stützt man sich bei den Berechnungen auf die Empfehlungen der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos). Bei der Budgetierung für das Jahr 2021 habe der Gemeinderat die materielle Hilfe entsprechend diesen Empfehlungen erhöht, sagt Erdin. «Grundsätzlich geht man aber davon aus, dass die Spitze bei der Sozialhil- fe erst 2022 erreicht wird.» Gesamtschweizerisch gehe man aktuell für 2022 von einer Zunahme von 19,4 bis 36,7 Prozent an unterstützten Personen aus.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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