Frick

Wie man in der Bronzezeit feierte

Eine neue Publikation der Kantonsarchäologie erklärt, was hinter den Funden in einer Grube beim Seckeberg in Frick steckt.

Was vom Fest übrig blieb, der Erde übergeben wurde und dreieinhalb Jahrtausende später unverhofft wieder zum Vorschein kam: Auf diese Kurzformel könnte man den Inhalt einer Grube aus der beginnenden Spätbronzezeit bringen. Sie wurde 1997 bei der Verlegung einer Gasleitung auf dem Seckeberg bei Frick entdeckt. Die soeben erschienene Publikation «Der Rest vom Fest – Eine spätbronzezeitliche Grube voller Scherben vom Seckeberg in Frick» der Kantonsarchäologie gibt Einblicke in den Fund.

Bereits während der Grabung vor über 20 Jahren führten die hohe Anzahl der feinkeramischen Gefässe, die starken Hitzespuren und die Anordnung in der Grube zur Einschätzung, dass es sich um einen besonderen Fund handelt. Die Grube befand sich nicht in einer Siedlung, sondern isoliert an einem Ort, von wo aus man einen hervorragenden Ausblick hat. Und sie enthielt nicht die üblichen Siedlungsabfälle.

Geschirr zertrümmert und ins Feuer geworfen

Die Antwort, worum es sich handelt, liefert das Buch der Archäologin und Autorin Miriam Hauser. Sie interpretiert die Grube vom Seckeberg als Überrest eines Festmahls. So wurde vor 3500 Jahren nach dem Mahl das Geschirr zertrümmert und die Scherben wurden in ein heftig loderndes Feuer geworfen.

Nachdem dieses heruntergebrannt war, las man die Scherben aus der Asche und deponierte sie in einer eigens ausgehobenen Grube, die man anschliessend wieder mit Erde abdeckte. Mit ihrer Arbeit macht Hauser auf ein Phänomen aufmerksam, das in der Schweizer Forschung zur Bronzezeit bisher noch wenig Beachtung fand, und eröffnet einen Einblick in die bislang kaum bekannten bronzezeitlichen Festpraktiken.

Dass solche Festmähler in der Vorgeschichte aber durchaus gang und gäbe waren, zeigt die Autorin auf, indem sie schriftliche Quellen aus anderen Kulturkreisen zusammenträgt und sie mit dem Fricker Befund vergleicht. Sogar bis zum heutigen Tag ist das absichtliche Zerbrechen von Geschirr bekannt – denn wer erinnert sich nicht an einen Polterabend, bei dem «Scherben Glück bringen»?

Am Dienstag, 22. Oktober, findet im «Meck» in Frick die Buchvernissage statt. Mit der Reihe «Archäologie im Aargau», in der bislang zwei Monografien erschienen sind, reaktiviert die Kantonsarchäologie Aargau eine Publikationslinie, die in Zukunft intensiver für wissenschaftliche Veröffentlichungen genutzt werden soll. Im Zentrum stehen dabei – wie der Name schon sagt – die archäologischen Befunde und Funde im Kanton.

Im Kontext der starken Bautätigkeit werden dank einer klaren strategischen Schwerpunktsetzung sowie einer intensivierten Zusammenarbeit mit Universitäten und verschiedenen Kooperationspartnern laufend neue archäologische Daten erschlossen und aufgearbeitet, die die Kantonsarchäologie der Fachwelt im In- und Ausland möglichst zeitnah zur Verfügung stellen möchte. Parallel zum gedruckten Buch erscheint die Publikation zum freien Download, sodass eine zeitgemässe, schnelle und weitreichende Verbreitung der Forschungsergebnisse sichergestellt ist. (az)

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