Grossratswahlen

«Weil ich mitgestalten will»: Bernhard Stöckli kandidiert zum dritten Mal

«Die Familie steht für mich an erster Stelle»: Bernhard Stöckli ist Spitzenkandidat der GLP im Bezirk Laufenburg.

«Die Familie steht für mich an erster Stelle»: Bernhard Stöckli ist Spitzenkandidat der GLP im Bezirk Laufenburg.

Bernhard Stöckli ist zum dritten Mal Spitzenkandidat der GLP. Für einen Sitz im Grossen Rat wird es aber kaum reichen. Er amtet bereits als Fachrichter im Spezialverwaltungsgericht.

Er ist Realist. Für einen Sitz im Grossen Rat werde es der GLP im Bezirk Laufenburg auch diesmal kaum reichen, sagt Bernhard Stöckli, zum dritten Mal Spitzenkandidat der Grünliberalen im oberen Fricktal.

Stöckli erwartet zwar eine Zunahme beim Wähleranteil «im moderaten einstelligen Bereich». Da aber ausser Tanja Primault (SVP) alle Bisherigen wieder antreten und der zweite SVP-Sitz ungefährdet ist, wirds nichts werden mit dem Sitz.

Zwar macht das Wahlsystem, der doppelte Pukelsheim, alles etwas unberechenbar – «aber so viel Pukelsheim-Glück werden wir kaum haben, dass es für einen Sitz reicht», so Stöckli. Anders sieht es für ihn aus, wenn dereinst Gertrud Häseli von den Grünen zurücktritt. «Dann haben wir durchaus eine Chance», ist sich Stöckli sicher.

Auf dem Land wird zum Teil traditionell gewählt

Dafür muss die GLP allerdings noch kräftig zulegen. Bei den letzten beiden Grossratswahlen dümpelte sie bei unter vier Prozent herum, während sie gesamtkantonal auf gut fünf und im Bezirk Rheinfelden mit Zugpferd und Grossrat Roland Agustoni sogar auf über acht Prozent kam.

Stöckli sieht einen Grund für den tiefen Wert im oberen Fricktal in den urbanen Ideen der GLP, die auf dem Land weniger auf Gegenliebe stossen. «Hier wird zum Teil noch recht traditionell gewählt.» Zudem sei es bei den letzten beiden Grossratswahlen nicht gelungen, eine volle Liste zu präsentieren, was Stimmen gekostet habe.

Schmusekurs mit der SVP störte Stöckli an der FDP

Diesmal ist die Liste voll. «Wir konnten die Mitgliederzahl in den letzten zwei Jahren markant steigern», freut sich Stöckli und spricht von einer Aufbruchsstimmung. Diese gab es, ganz konkret, Anfang Jahr: Die beiden Bezirksparteien fusionierten da zur GLP Fricktal. Manch einer befürchtete im Vorfeld, dass die Bezirkspartei aus dem oberen Fricktal zum Juniorpartner verkomme. «Das hat sich nicht bestätigt, wir sind keine Filiale von Rheinfelden.» Für Stöckli macht die Fusion Sinn, «denn wir haben in beiden Bezirken ähnliche Themen.»

Der Themenmix der GLP, dieser Mix aus liberal und ökologisch, war es auch, der Stöckli vor gut zehn Jahren zur Partei brachte. Zur FDP habe er sich nie hingezogen gefühlt, sagt der 37-jährige Landschaftsarchitekt, dessen Vater, Thomas Stöckli, zwölf Jahre lang für die FDP im Fricker Gemeinderat sass.

Sein Sohn störte zweierlei an der FDP: «Der Schmusekurs mit der SVP, den die FDP zu der Zeit fuhr, als ich politisch aktiv wurde.» Und dass die Umwelt- und Klimapolitik bei der FDP auf dem Abstellgleis stand. Daran habe sich seither wenig geändert. Stöckli überlegt kurz, fügt dann hinzu: «Wenn die FDP in diesen Fragen vernünftige Antworten gehabt hätte, hätte es die GLP nicht gebraucht.»

Es gibt sie und Stöckli fühlt sich in ihr zu Hause. Wobei: Das richtige Zuhause, seine Frau und die beiden Kinder, sind für ihn das Lebenszentrum. «Die Familie steht für mich an erster Stelle», sagt Stöckli. Bliebe da neben Beruf, Engagement im Berufsverband und dem OK-Präsidium bei der Gewerbeausstellung in Frick überhaupt Zeit für ein politisches Amt? Doch, sagt Stöckli, das brächte er unter einen Hut. Allerdings, schränkt er ein, wäre ihm derzeit ein Amt als Gemeinderat oder Nationalrat zu zeitintensiv. Er lacht. «Der Grossrat käme da gerade gelegen.»

Ehrgeizig, aber nicht verbissen

Stöckli schliesst damit nicht aus, dass er sich in ein paar Jahren auch ein Amt in der Gemeindeexekutive oder auf dem nationalen Parkett vorstellen kann. Zeit dafür bleibt ihm mit seinen 37 Jahren noch viel.

Die Fähigkeiten für ein solches Amt bringt Stöckli mit. Das bestätigen Leute, die ihn kennen. Er weiss, was er will, ist zuverlässig, steckt voller Ideen und ist dialogbereit. Er sei schon auch ehrgeizig, sagt Stöckli von sich selbst, «aber ich gehe die Dinge nicht verbissen an». Er setze sich die Ziele realistisch, sei keine Fahne im Wind und ehrlich unterwegs. Letzteres «ist leider nicht so typisch für Poli­tiker».

Die Art, wie er den diesjährigen Wahlkampf angeht, zeigt ebenfalls einiges über ihn. «Ich bin nicht der Wahlkämpfer, der auf die Wahlen hin Vollgas gibt. Ich engagiere mich das ganze Jahr über.» Stöckli ist ein Schaffer, der das Rampenlicht nicht eben sucht, sich in ihm aber gekonnt bewegt, wie er bei der letzten Gewerbeausstellung in Frick bewiesen hat.

Sein erstes Amt ist in der Judikative

Auch wenn er in diesem Herbst bereits zum fünften Mal kandidiert – zweimal für den Nationalrat, dreimal für den Grossen Rat – gehört Stöckli noch immer zu den Jüngeren auf den Listen. «Ich kandidiere, weil ich mitgestalten will», sagt er. Das Gestalten hat er als Landschaftsarchitekt im Blut.

Mitbeurteilen kann er bereits: Seine Partei fragte ihn an, ob er als Fachrichter im Spezialverwaltungsgericht amten wolle. Er wollte. Bei rund fünf Fällen im Jahr, bei denen es meist um Landerwerbsstreitigkeiten geht, bringt er sein Fachwissen als Landschaftsarchitekt ein. «Das Nebenamt ist sehr spannend», sagt Stöckli, schmunzelt. «Ich hätte nie gedacht, dass mein erstes Amt ausgerechnet eines in der Judikative sein wird.»

Es ist nicht sein letztes Amt. Wenn er will.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1