Konzert Frick
Warum ein Schatzsucher im Fricktal fündig wird

Das Fricktal erhält hohen Besuch eines Dirigenten. Bernhard Hangartner will das Publikum in der Kirche St. Peter und Paul mit ausgewählten Musikstücken verwöhnen.

Elisabeth Feller
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Das Bläserensemble Il Desiderio. zg

Das Bläserensemble Il Desiderio. zg

Michael Praetorius, Hans Leo Hassler, Johann Staden, Johann Erasmus Kindermann – kennt man sie (noch), diese deutschen Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts? Hassler und Praetorius möglicherweise eher als ihre beiden Kollegen? Ganz kurz: Hassler war nicht nur Komponist, sondern auch Hersteller von Musikautomaten; Praetorius war Zeit seines Lebens «nur» Komponist. Alles in allem sind die Genannten aber Terra incognita – unbekanntes Land. Aber gerade dieses reizt den Riniker Musikwissenschaftler und Chorleiter Bernhard Hangartner seit Jahren.

Der Riniker gleicht einem Schatzsucher, der unermüdlich auf der Suche nach verborgenen musikalischen Preziosen ist. Das Schöne: Der langjährige Leiter des Klosterchors Wettingen wird immer wieder fündig. Diesmal stellt er Werke vor, die für das 40-köpfige Vokalensemble wie für das kleine Bläserensemble Il Desiderio massgeschneidert sind.

Noch Instrumente dazugenommen

Vokalkompositionen von Hassler und Praetorius bestimmen ein Programm mit vielen, kurzen Stücken, das mit einer Hauptsurprise aufwartet – Hasslers «Missa super Dixit Maria». Sie bietet allen, dem Chor ebenso wie der Orgel und den Bläsern, dankbare Aufgaben. «Ja», nickt Bernhard Hangartner in Richtung seines fragenden Gegenübers, «ich habe noch Instrumente dazugenommen.»

Das entspricht durchaus damaliger Gepflogenheit. Wie die «Missa» in ihrer Entstehungszeit geklungen hat, weiss man natürlich ist. Alles bleibt Vermutung, «weshalb wir uns nun die Freiheit einer möglichen Aufführungspraktik nehmen», sagt Hangartner. Deswegen wird Hasslers vokal ausgeschriebene Komposition mit Unterstützung im Wechsel mit instrumentaler Besetzung musiziert.

Dirigents Freude auf Zink

Wie festlich – nicht schmetternd auftrumpfend, sondern eher dunkel glühend – solches klingen kann, ahnt man, als Hangartner mit spürbarer Begeisterung auf jene Instrumente zu sprechen kommt, die eingesetzt werden: Orgel, Posaune und Zink, die nach historischen Vorbildern nachgebaut wurden. Auf den Zink freut sich der Dirigent ganz besonders, denn dieses, wie eine Trompete geblasene Instrument, «kommt der menschlichen Stimme am nächsten». Somit dürfte sich der schlanke Klang des relativ klein besetzten Klosterchors Wettingen wunderbar mit jenem der Orgel und der Bläser mischen.

Hangartner ist überzeugt, «dass die dadurch erzielte Stimmung dem ursprünglich zugedachten Verwendungszweck von Hasslers Messekomposition erst so richtig gerecht wird». Wenn denn schon ein exzellentes Ensemble wie Il Desiderio am Werk ist, dürfen entsprechende Bläser-Kompositionen – auch von Hassler – nicht fehlen. Aber: «Die Bläser spielen Vokalmusik, die sie für ein Instrument oder mehrere Instrumente eingerichtet haben. Damit setzen sie lediglich eine Praxis fort, wie sie einst gang und gäbe war», unterstreich Hangartner.

Der Impulsgeber

Aus dem zeitlichen Umfeld ist für die Mitte des Anlasses dann aber doch auch ein Block mit originalen Instrumentalkompositionen von Staden und Kindermann ausgewählt worden. «Das sind schlicht und ergreifend schöne Stücke», sagt Hangartner und erinnert an die Orgel (Elisabeth Hangartner), die selbstverständlich ebenfalls eine wichtige Rolle übernimmt. Ein Konzert wie dieses, das in der Stadtkirche Brugg und in der Kirche St. Peter und Paul Frick gegeben wird, setzt eine langjährige Vertrautheit mit den Interpreten voraus.

Hangartner kennt den Klosterchor seit über zehn Jahren so sehr, dass er sich im Konzert vornehmlich als «Impulsgeber» versteht. Anders gesagt: Der Riniker Musiker versucht, vieles aus dem Moment zu gestalten, was aber nur dann gelingt, wenn die Partner miteinander im Einklang sind – so wie Bernhard Hangartner und der Klosterchor.

Konzerte Reformierte Stadtkirche Brugg, Sa., 14. Mai, 20 Uhr; Kirche St. Peter und Paul Frick, So., 15. Mai, 17 Uhr. Eintritt frei.

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