Fricktal

Wanderhirt Hans van der Graaff ist in der Herde aufgehoben

«Während viele Menschen gegeneinander die Ellbogen ausfahren, sind Schafe sehr soziale Wesen», sagt Hans van der Graaff.

«Während viele Menschen gegeneinander die Ellbogen ausfahren, sind Schafe sehr soziale Wesen», sagt Hans van der Graaff.

Hans van der Graaff, Wanderhirt mit holländischen Wurzeln, zieht mit über 300 Schafen durch das Fricktal.

Der Wind pfeift um die Ohren auf den Hügeln oberhalb von Oberhofen im Mettauertal. Schutz vor dem Regen bieten dem Wanderhirten Hans van der Graaff ein grosser Militärparka und ein Hut. «Thaïs, à terre, Rob, komm zurück!», ruft der gebürtige Holländer scharf.

Mit der sechsjährigen Thaïs und dem neunjährigen Rob sind nicht zwei seiner über 300 Schafe, sondern seine Hunde gemeint, wichtige Assistenten des Wanderhirten. «Während ich Rob selber ausgebildet habe, hilft mir die französische Thaïs ausleihweise», sagt er.

So wie Hans van der Graaff, der in Sorvilier im Berner Jura zu Hause ist, ziehen jeden Winter 30 Hirten durch das Schweizer Flachland. Sie profitieren von der alten Regelung, zwischen dem 15. November und dem 15. März dort weiden zu dürfen, wo der Sommer etwas übrig gelassen hat.

Viele Kilometer Weg pro Tag auf der Suche nach Gras

Besonnen und gleichzeitig wachsam wandert van der Graaff mit seiner Herde von einer Grasfläche zur anderen. Zum zweiten Mal im Fricktal unterwegs, kenne er bereits einige Bauern beim Vornamen, erklärt er. Er lerne, wie die Bauern hier arbeiten und freue sich über freundliche Gesten wie einen Kaffee oder Salz für die Schafe.

Über 300 Schafe, im Besitz des Schneisinger Schafhalters Karl Tanner, führt van der Graaff zusammen mit den beiden Hunden, beide Border Collies. Während er in einem Camper in einem Bauernschopf in Endingen übernachtet und morgens mit dem Auto zur Herde fährt, verbringen seine Schafe die Nacht draussen im Schutz eines elektrischen Hages, den tagsüber zwei Eselinnen buckeln.

«Draussen können Schafe selber wählen, was sie fressen wollen, um gesund zu bleiben. Das ist artgerecht», erklärt van der Graaff. Im Moment gehe er viele Kilometer über Land, weil es zu warm und das Gras am Faulen sei. «Solches Gras bietet den Tieren nur Ballaststoffe. Moosbedeckte Wiesen deuten auf einen sauren Boden und sind unattraktiv», schildert er. Ebenfalls abstossend für Schafe sei Gras mit Jauche oder Mist bedeckt.

Wanderherden nutzen Bauern in vielerlei Hinsicht

Hans van der Graaff ist überzeugt, dass Wanderherden für Bauern in vielerlei Hinsicht von Nutzen sind. «Wenn Schafe im November über das Gras ziehen, müssen die Bauern es nicht mehr selber mähen. Schafe setzen zudem beim Überqueren der Wiesen Stickstoffe frei, sodass Pflanzen im Frühling besser keimen können.» In der Schule lernten die angehenden Landwirte heute zu wenig über diesen Nutzen, ist er überzeugt.

Im Alter von 29 Jahren zog van der Graaff in die Schweiz und arbeitete Teilzeit als Sozialpädagoge. Daneben pachtete er zuerst einen Bauernhof im Napfgebiet und einen in Habsburg. Ab dem Jahr 1997 besass van der Graaff während 20 Jahren eine eigene Wanderherde im Bernbiet. Seither führt er Schafe von Karl Tanner über die Weiden. «Ans Aufhören denke ich nicht, solange ich gehen kann», sagt der 69-Jährige und beobachtet ein paar Schafe, die sich in der Nähe eines Fruchtfeldes aufhalten und von den Hunden weiter getrieben werden.

Van der Graaff arbeitet gerne mit Schafen. «Ob 35 Grad Hitze oder minus 20 Grad Kälte: Es sind genügsame Tiere, die in der Herde auf einander und auch auf mich aufpassen. Wenn ich am Abend merke, dass meine Schafe zufrieden sind, war dies für mich ein gelungener Tag.» Bald zieht er über Gipf-Oberfrick, Schupfart, Magden nach Rheinfelden.

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