Magden
Vorbild mit ansteckender Freude

300 Leute wohnten in der katholischen Kirche dem zweistündigen Gottesdienst zum Gedenken an Padre Lothar Zagst bei. Der frühere Fricktaler Jugendseelsorger war am 8.September in Ecuador gestorben.

Martin Binkert
Drucken
Teilen
Bernhard Schibli (Mitte) zelebrierte den Gedenkgottesdienst für Lothar Zagst. mbi

Bernhard Schibli (Mitte) zelebrierte den Gedenkgottesdienst für Lothar Zagst. mbi

Martin Binkert

Lothar Zagst hätte gerne seine frühere Heimat, seine Freunde und Bekannten noch einmal besucht. Das Datum für das Fest in Magden stand bereits fest und ein Vorbereitungsteam war bestimmt. Doch dann folgte die Nachricht: «Lothar kommt nicht, er ist schwer krank». Am 8. September erlag er in Ecuador, wo der 77-jährige frühere Fricktaler Jugendseelsorger seit 1987 lebte, dem Krebs. Anstelle eines Treffens mit ihm organisierte das gleiche Team nur eine Woche später als geplant einen Gedenkgottesdienst.

Die Beteiligung und die Anteilnahme waren überwältigend. In der 320 Plätze fassenden Marienkirche gab es fast keinen freien Sitzplatz mehr. Der frühere Fricktaler Jugendseelsorger und Nachfolger von Lothar Zagst, Bernhard Schibli, stand dem Gottesdienst mit vier weiteren Priestern vor.

Ein Ad-hoc-Chor unter der Leitung von Franz Jakober, Zuzgen, begleitete die Messe. Vor dem Altar waren grosse Bilder des Verstorbenen aufgestellt, die ihn in seiner charakteristischen, unverfälschten Art zeigten. Lothar der Anreisser, Lothar der Charismatiker, aber auch Lothar, der Chaot – alle diese Eigenschaften kamen in der Messe zum Tragen und machten seinen Geist aus.

Missionsstation aufgebaut

Im Fricktal, in der Basler Pfarrei Don Bosco sowie im Laufental hat er Spuren hinterlassen, die auch jetzt – nach vielen Jahren – noch greifbar sind. Seine Freunde aus der Schweiz und aus seiner deutschen Heimat haben ihn und sein grosses Projekt in Ecuador begleitet und durchgetragen, seitdem er 1987 mit zwölf Jugendlichen quasi im Niemandsland eine Missionsstation aufgebaut hatte. Was mit vielen Schwierigkeiten begann, entwickelte sich zu einer Vorzeigepfarrei, ergänzt mit Kinderheim, Schulen, Werkstätten, einem kleinen Spital und einer Apotheke.

Der Seelsorger schonte sich dabei nicht. Mehrfach fesselten ihn Krankheiten ans Bett. Mehr als einmal wurde er überfallen und ausgeraubt. Doch Lothar Zagst erholte sich immer wieder, verbreitete mit seiner Gitarre und manchmal mit seinem Akkordeon ansteckende Freude.

Er lebte ganz nach dem Lied und seinem Motto «Die Sache Jesu braucht Begeisterte ...» Lothar Zagst schrieb: «Es ist nicht nötig, Millionär zu sein oder einen Haufen Geld zu haben, um Freude zu machen und eine Person zum Lächeln zu bringen; es braucht nur den guten Willen und die Liebe zu Gott.» Damit ist alles gesagt.

Auch an anderen Orten wurde oder wird an ihn und an seine Arbeit erinnert: In El Laurel, Ecuador, in Nürtingen (D), in Stuttgart (D), in der Pfarrei Don Bosco, in Basel und in Laufen.