Bis um 3 Uhr morgens wurde gewürfelt, gezockt und gerätselt. Die Spielenacht, welche die Ludothek Gipf-Oberfrick im vergangenen Herbst organisierte, war ein voller Erfolg. Sie ist gleichzeitig ein gutes Beispiel.

Denn: Computern, Smartphones, Virtual Reality oder Drohnen zum Trotz – Spiele sind beliebt, bei Kindern sowieso und auch bei Erwachsenen. Das zeigt eine Umfrage der AZ in mehreren Ludotheken in der Region. «Kinder spielen immer», sagt etwa Astrid Daasch von der Ludothek in Gipf-Oberfrick. Andere bestätigen diesen Eindruck. Und sie stellen ebenso fest, dass ein Spieleabend unter Freunden auch bei jungen Erwachsenen wieder an Beliebtheit gewinnt.

«Wir beobachten vermehrt, dass junge Eltern in die Ludothek kommen – und hier dann Spiele aus ihrer Kindheit entdecken, die sie spontan mit nach Hause nehmen, um sie mit ihren Kindern oder auch Freunden zu spielen», sagt Eveline Dillinger von der Ludothek in Laufenburg.

«Lotti Karotti» sei da ein klassisches Beispiel dafür. Das Hasenrennen – es geht für die Spieler darum, als Erster eine Karotte auf einem Hügel zu erreichen – wird auch in den Ludotheken in Gipf-Oberfrick und Rheinfelden regelmässig ausgeliehen. Erschienen ist das Spiel 2001. «Es fasziniert quasi seit Generationen», sagt Indira Gerber von der Ludothek in Rheinfelden mit einem Lachen.

Eine Chance für die Klassiker

Gefragt sind also einerseits die Klassiker, andererseits gibt es aber auch neuere Trends. Eine steigende Nachfrage bestehe im Moment für sogenannte «Exit»- oder «Escape Room»-Spiele, heisst es bei den Ludotheken. Bei diesen Spielen geht es darum, in einer Gruppe möglichst rasch verschiedene Rätsel zu lösen – um etwa aus einem Gefängnis auszubrechen oder eine Seuchenepidemie zu verhindern. Wobei diese Szenarien natürlich rein imaginär sind. «Die Spiele erfreuen sich derzeit grosser Beliebtheit», sagt Indira Gerber.

Das Problem dabei: Viele der Spiele zerstören sich beim Lösen der Rätsel und können so nur ein Mal gespielt werden. Jene, die mehrmals spielbar wären, haben so viele Einzelteile, dass sie für eine Ludothek kaum zu kontrollieren sind.

Viele Ludotheken haben solche Spiele deshalb nicht im Sortiment. Trotzdem sehen sie in dem Trend eine Chance: Dass junge Menschen vom Spielen derart fasziniert sind, dass sie auch andere Spiele ausprobieren möchten. «Wir empfehlen deshalb vermehrt die Spiele-Klassiker für Gruppen, etwa ‹Scotland Yard› oder ‹Cluedo›, wo es ebenfalls darum geht, Rätsel zu lösen oder Hinweise zu kombinieren», sagt Gerber.

Tipps werden geschätzt

Empfehlungen und Tipps sind ganz generell ein wichtiger Eckpfeiler für die Ludotheken. Denn die Mitarbeitenden können genau damit den Kunden weiterhelfen. «Ein Spiel nur anhand der Verpackung, der Beschreibung oder der Anleitung zu beurteilen, ist manchmal schwer», sagt Eveline Dillinger. «Da hilft es, wenn wir mit Erklärungen einen Vorgeschmack geben können. Das schätzen die Kunden, ähnlich wie bei den Büchern in der Bibliothek.» Umgekehrt gehen die Ludotheken soweit möglich auch auf Kundenwünsche ein, wenn es um Anschaffungen neuer Spiele geht.

Neben den Empfehlungen sei auch ein möglichst niederschwelliger Zugang zu einem Spiel entscheidend, sagt Dillinger. Sprich: leicht verständliche Regeln. Viele Kunden würden nur ungern viel Zeit damit verbringen, sich durch komplexe Regeln zu lesen, bestätigt Indira Gerber: «Die Spielanleitung kann eine Barriere sein.» Aber auch hier kann Abhilfe geschaffen werden – entweder durch Erklärungen von jemandem, der das Spiel schon kennt. Oder online: «Im Internet gibt es unglaublich tolle Videoanleitungen zu vielen Spielen», sagt Gerber.

Keine Angst vor der Konkurrenz

Es sind auch solche Sachen, welche die Ludotheken zuversichtlich stimmen für die Zukunft. Angst, dass ihnen die elektronischen Unterhaltungsmittel oder digitalen Spiele den Rang komplett ablaufen, haben sie nicht. Astrid Daasch etwa ist überzeugt, dass ein Nebeneinander – oder vielmehr ein Nacheinander – möglich ist. «Viele Kinder wenden sich in ihrer Jugend den digitalen Spielen zu. Aber die Chance besteht, dass sie wieder zu den herkömmlichen Spielen zurückfinden», sagt sie. «Wir erleben das gerade aktuell.»

Die herkömmlichen Spiele, da gehen alle Ludotheken einig, haben ihren Reiz. Eveline Dillinger sagt es so: «Spiele sind nach wie vor wichtig für die Sozialkompetenz. Im Vordergrund steht das gemeinsame Erlebnis – und zwar ganz real.»