Bad Säckingen

Unfallfahrer war „nicht in der Lage, ein Fahrzeug sicher zu führen“

Der Angeklagte gab sein Einverständnis, fotografiert zu werden.

Der zweite Verhandlungstag gegen den Unfallfahrer in Bad Säckingen.

Der Angeklagte gab sein Einverständnis, fotografiert zu werden.

Vor einem Jahr raste ein 84-Jähriger aus Versehen durch die Bad Säckinger Altstadt. Zwei Menschen starben. Vor Gericht zweifelten Gutachter nun die Fahrtüchtigkeit des Rentners an. Und Zeugen stellten seine Version des Unfallhergangs in Frage.

Im Prozess gegen den damals 84-Jährigen, der vor einem Jahr mit seinem Auto versehentlich durch die Bad Säckinger Innenstadt gerast ist, ist am zweiten Verhandlungstag am Dienstag die Beweisaufnahme fortgeführt worden. Der Fahrer hatte im Mai 2016 zwei Menschen getötet sowie neun Personen schwer und 18 leicht verletzt.

Prozess Bad-Säckingen

Die Plädoyers und die Verkündung des Urteils sind für Mittwoch geplant. Der heute 85-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Der Fall hatte eine Debatte über die Fahrtüchtigkeit von älteren Menschen ausgelöst.

Am Dienstag wurden drei Gutachter sowie zwei Zeugen und zwei Mitarbeiter der Gerichtshilfe angehört. Laut der medizinischen und psychologischen Gutachten sei der Angeklagte „körperlich und geistig nicht in der Lage, ein Fahrzeug sicher zu führen“. Zu diesem Ergebnis kam eine Sachverständige des TÜV Süd.

Kein medizinischer Notfall

Außerdem habe der Angeklagte keine Kritikfähigkeit erkennen lassen. Er habe argumentiert, dass er vor dem tragischen Vorfall in Bad Säckingen stets unfallfrei gefahren sei. Dies habe er als Beweis für seine Fahrtüchtigkeit angesehen. Die Gutachterin habe nun aber entschieden, dass ihm keine Fahrerlaubnis mehr erteilt werden kann. Dass er allerdings zum Zeitpunkt des Unfalls einen medizinischen Notfall erlitten haben könnte – also etwa eine Bewusstlosigkeit – schlossen die Gutachter aus.

Ein Technischer Gutachter der Dekra gab zudem einen Einblick in seinen Versuch, den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren. Dies gestaltete sich indes nicht ganz einfach. So konnte die Rolle des Radfahrers, der laut Aussage des Fahrers die Ursache dafür war, dass er erschrak, vom Bremspedal rutschte und stattdessen Vollgas gab, nicht abschließend geklärt werden. Der 60-jährige Radfahrer kam bei dem Unfall ums Leben.

Eindrücklich waren die Schilderungen der Mitarbeiter der Gerichtshilfe. Sie hatten mit sieben Opfern gesprochen, die bei dem Unfall schwere Verletzungen erlitten hatten. Die Inhalte dieser Gespräche trugen sie  vor. So sollte es den Opfern erspart bleiben, selbst vor Gericht aussagen zu müssen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die betreffenden Opfer  auch Mitleid mit dem Unfallverursacher haben.



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