Interview

TV Möhlin: «Wir werden trotz der Coronakrise in den schwarzen Zahlen bleiben»

Seit Ende Oktober ruht der Spielbetrieb beim TV Möhlin – für die Spieler eine Herausforderung.

Seit Ende Oktober ruht der Spielbetrieb beim TV Möhlin – für die Spieler eine Herausforderung.

Der Meisterschaftsbetrieb beim TV Möhlin steht still. Im Interview spricht Präsident Simon Mahrer über die Auswirkungen.

Ende Oktober wurde entschieden, dass nicht nur der Spielbetrieb der Amateure und des Nachwuchses unterbrochen wird, sondern auch derjenige in der Nationalliga B. Ist das für den TV Möhlin nachvollziehbar?

Simon Mahrer: Ja, absolut. Das war ein logischer Entscheid. Wir sehen uns ganz klar als Amateurverein und haben uns in der Vernehmlassung mit den anderen Vereinen und dem Verband für diesen Unterbruch ausgesprochen.

Warum?

Einerseits wollen wir unsere Spieler, unseren Staff und deren Umfeld schützen. Andererseits arbeiten alle unsere Spieler neben dem Handball – mit Ausnahme unseres Trainers Samir Sarac und einem Profispieler. Wenn unsere Spieler bei der Arbeit ständig ausfallen würden, weil sie wegen des Handballs in Quarantäne müssen, wäre das problematisch. Da würde auch unser Image als Verein darunter leiden.

Der Unterbruch der Meisterschaft wurde vor gut zwei Wochen beschlossen. Gibt es in der Zwischenzeit schon Anzeichen, ob und wie es weitergehen könnte?

Ja, die gibt es. In einer Konferenz mit der Liga wurde über mögliche Szenarien diskutiert, wann und wie die Meisterschaft in der Nationalliga B wieder aufgenommen werden kann. Im besten Fall können wir im neuen Jahr mit der Vorbereitung beginnen und gegen Ende Januar den Meisterschaftsbetrieb wieder aufnehmen. Es wurde aber auch darüber diskutiert, die Meisterschaft bis in den Juni zu verlängern oder den Modus anzupassen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wobei noch nichts entschieden wurde.

Die Vorgaben des Bundes verbieten den Körperkontakt im Training. Der gehört aber im Handball definitiv dazu. Wie wird aktuell trainiert?

Im Moment trainiert bei uns nur das NLB-Team. Nach einigen Tagen Pause direkt nach der Verkündung des Meisterschaftsunterbruchs begann das Team letzte Woche mit Trainings im Fitnessstudio. Diese Woche wurde in Kleinstgruppen auch wieder in der Halle trainiert – allerdings noch ohne Ball. Es standen primär Ausdauer- und Krafttrainings auf dem Programm. Das Ziel ist, dass wir uns fit halten können und bereit sind, wenn es wieder losgeht.

Wie geht die Mannschaft mit diesem Unterbruch um?

Ich habe am Mittwochabend das Training besucht. Die Stimmung im Team ist gut, aber es ist natürlich eine schwierige Situation. Die Jungs trainieren vier Mal pro Woche, ohne konkretes Ziel. Wir wissen nicht, wann es wieder losgeht. Das ist sehr anspruchsvoll. Unser Saisonstart war zudem eher durchzogen. Es gibt verschiedene Bereiche, an denen wir gerne ansetzen und trainieren möchten. Aber das ist derzeit nicht möglich, weil kein Körperkontakt erlaubt ist. Das ist eine grosse Herausforderung.

Wie sieht es bei den anderen Teams aus. Steigen die auch bald wieder in den Trainingsbetrieb ein?

Ja, nächste Woche beginnen weitere Mannschaften zu trainieren. Vor allem unsere Nachwuchsteams möchten unbedingt wieder trainieren. Aber auch einige Aktivteams werden wieder loslegen.

War für euch klar, dass ihr Trainings anbieten werdet, wenn es möglich ist?

Ja, das war für uns klar. Wir haben als Verein allerdings keine Vorschriften gemacht. Wenn die Teams trainieren möchten, dürfen sie das. Wir zwingen aber niemanden zum Training. Ab nächster Woche wird nun etwa die Hälfte unserer Teams wieder trainieren.

Wie gross war der Aufwand, diese Trainings unter den neuen Voraussetzungen zu organisieren?

Für uns als Verein hielt sich der Aufwand in Grenzen. Wir konnten das Schutzkonzept des Verbands übernehmen und sind in der komfortablen Lage, dass wir genügend Hallenplätze haben. Da ist uns die Gemeinde Möhlin stark entgegengekommen. Der Mehraufwand liegt jedoch bei den Trainern, welche die neuen Massnahmen umsetzen müssen. Ein Beispiel: Unser NLB-­Trainer Samir Sarac steht jeweils abends nicht mehr nur zwei Stunden in der Halle, sondern vier. Dies, weil die Trainings in kleineren Gruppen doppelt geführt werden.

Wir haben jetzt über die sportliche und die organisatorische Seite des Unterbruchs gesprochen. Aber wie sehen die Finanzen des Vereins aus? Ist beim TV Möhlin mit Verlusten zu rechnen?

Uns fallen die Einnahmen für die Eintritte und die Verpflegung weg. Das macht rund 10 bis 15 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Zudem mussten wir den Gönnerlauf vom Januar auf den Frühling verschieben und die «Baranoia» im April ist bereits abgesagt. Auch das kostet uns ein paar Franken. Allerdings sind die Rückmeldungen unserer Sponsoren und Gönner sehr positiv. Sie halten uns die Treue.

Das heisst, der TV Möhlin gerät wegen des Unterbruchs nicht in eine finanzielle Schieflage?

Nein, definitiv nicht. Unsere Saison ist bis Ende Mai gesichert – egal bei welchem Szenario. Wir haben ja auch noch eine Entschädigung aus dem ersten Stabilisierungspaket in Aussicht gestellt bekommen und falls die Meisterschaft wieder abgebrochen werden sollte, können wir wie im Frühling Kurzarbeits- entschädigungen geltend machen. Wir haben unsere Finanzen also im Griff und werden in den schwarzen Zahlen bleiben. Schwierig wird es erst, wenn es noch eine weitere solche Saison geben sollte.

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