Prozess in Rheinfelden

Töfffahrer filmt sich beim Rasen – und beim Sex mit Frauen

Töffraser auch wegen privater Pornos vor Gericht

Töffraser auch wegen privater Pornos vor Gericht

Er drehte Videos seiner lebensgefährlichen Fahrten und filmte heimlich Sex. Dafür steht ein 31-jähriger nun in Rheinfelden vor dem Richter.

Wegen Raser- und Sexvideos musste ein 31-Jähriger vor das Bezirksgericht Rheinfelden. Bei den Raservideos zeigte er Reue.

Es war wohl ein wahrer Höllenritt. An einem Abend im Sommer 2013 fuhren zwei Kollegen mit ihren Rennmotorrädern durch Kaiseraugst und Rheinfelden – mit deutlich zu hohen Geschwindigkeiten und bei Gegenverkehr. Ihre Fahrt filmten die beiden und luden das Video anschliessend auf das Videoportal Youtube. Das Video zeigt auf der Baslerstrasse in Rheinfelden eine Spitzengeschwindigkeit von 186 km/h auf dem Tacho des Motorrads. In dem Abschnitt gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.

Unter anderem wegen dieses Tatbestands stand am Mittwoch einer der beiden mutmasslichen Raser vor dem Rheinfelder Bezirksgericht. Im Verlaufe der Ermittlungen waren allerdings noch verschiedene andere Gesetzesverstösse aufgedeckt worden. So musste sich der 31-Jährige wegen insgesamt elf Anklagepunkten verantworten.

Neben der Raserfahrt bildeten andere Videos, die er im Frühjahr 2015 gemacht hatte, den heftigsten Vorwurf. Allerdings nicht von weiteren Raserfahrten. Stattdessen filmte sich der Angeklagte unter anderem beim Sex mit verschiedenen Frauen – ohne deren Wissen oder Einverständnis, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf. Die Ermittler fanden fünf solcher Videos, drei der Frauen konnten sie identifizieren.

Frau will Genugtuung

Sie waren am Mittwoch als Privatklägerinnen vor Gericht und gaben unisono an, vom Angeklagten nicht über die Aufnahmen informiert worden zu sein. «Für mich sind solche Aufnahmen ein absolutes No-Go. Ich weiss ja nicht, was mit den Aufnahmen geschieht», sagte eine der Frauen. Sie verzichtete auf eine Zivilklage, sagte stattdessen, sie wolle «mit der ganzen Geschichte jetzt einfach nur noch abschliessen. Die letzten Monate waren für mich sehr belastend.» Eine der Frauen stellte die Forderung nach einer Genugtuungszahlung in der Höhe von 1000 Franken.

Der Angeklagte bestritt gar nicht erst, die Aufnahmen ohne das Wissen der Frauen gemacht zu haben. Er behauptete stattdessen, die Frauen im Nachhinein darüber informiert zu haben. «Sie fanden es okay, solange niemand sonst die Filme sieht», so der Angeklagte. Zu den Anzeigen sei es wohl gekommen, weil die Frauen einen Groll gegen ihn hegten. «Sie wünschten sich eine Beziehung und waren verletzt, weil es nicht dazu kam», sagte der Angeklagte. «Mein Verhalten war sicherlich nicht Gentleman-like, aber ich habe die Videos niemandem gezeigt und sie auch nirgends hochgeladen.»

Mehr Reue zeigte er im Fall des Raservideos. Als es darum ging, den Vorfall zu schildern, brach er in Tränen aus: «In dem Moment war ich mir nicht bewusst, was ich hätte anrichten können. Heute beschäftigt es mich sehr, dass ich das Leben anderer Menschen gefährdet habe.» Eine wirkliche Erklärung, wie es zur Fahrt kam, konnte er nicht abgeben. «Es war einfach dumm.»

Haftstrafe gefordert

Die Staatsanwaltschaft forderte für die verschiedenen Vergehen eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wovon 12 Monate unbedingt, den Rest mit einer Probezeit von vier Jahren sowie eine Busse von 1000 Franken. Sie verwies auf ein weiteres laufendes Verfahren sowie die vier Vorstrafen des 31-Jährigen. «Es fällt ihm offensichtlich schwer, sich an die Gesetze zu halten», so Staatsanwaltschaft Pius Suter. Er warf dem Angeklagten «selbstsüchtiges Verhalten» vor und fand deutliche Worte: «Er schert sich nicht um die Befindlichkeiten anderer.»

Der Verteidiger hingegen forderte ein geringeres Strafmass von 12 Monaten bedingt bei einer Probezeit von fünf Jahren sowie einer Busse von 600 Franken. Es habe sich bei der Raserfahrt um einen Einzelfall gehandelt, für andere Vorwürfe fehlten die Beweise und: Es sei nicht nachvollziehbar, dass die gefilmten Frauen nichts von den Aufnahmen mitbekommen hätten, argumentierte er. «Der Angeklagte versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen. Eine unbedingte Freiheitsstrafe würde ihn um Jahre zurückwerfen.»

Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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