Zeihen

Solidaritätswelle rettete Vogelpark Ambigua: «Die Hilfsbereitschaft ist einfach unglaublich»

Tierpflegerin Noemi Appert mit Weisshaubenkakadu Charly.

Tierpflegerin Noemi Appert mit Weisshaubenkakadu Charly.

Am Sonntag startet der Vogelpark Ambigua in die Saison – eine Solidaritätswelle hat den Park in der Coronakrise gerettet.

Zeihen Er ist noch immer überwältigt. «Ich bin jetzt 70 und hätte es nie für möglich gehalten, dass ich so etwas erlebe», sagt Rolf Lanz. So etwas, das bezieht sich zum einen auf die Coronakrise, die ihn und seinen Vogelpark Ambigua in Zeihen kräftig durchgeschüttelt hat. Ausgerechnet in den besucherstärksten Monaten April und Mai fehlten sämtliche Einnahmen; alle Führungen und Events mussten abgesagt werden. Die Kosten aber für die Löhne, das Futter der rund 400 Tiere und den Tierarzt blieben.

So etwas, das bezieht sich aber vor allem auf die riesige Solidaritätswelle, die ihm nach einem Bericht auf Tele M1 entgegengeschwappt ist. Über 30000 Franken an Spenden sind zusammengekommen. Damit ist der Betrieb bis Ende Jahr gesichert, das wegen der Coronakrise drohende Aus ist abgewendet. Und noch immer erhält er kleinere und grössere Geldbeträge. Gerade letzte Woche habe er ein Couvert in der Post gehabt. Ohne Absender, mit Karte – und 150 Franken. «Einfach unglaublich.»

22. März 2020: Vogelpark steht vor dem Nichts

22. März 2020: Vogelpark steht vor dem Nichts

Der Vogelpark Ambigua in Zeihen muss wegen des Coronavirus derzeit geschlossen bleiben. Der 69-jährige Besitzer Rolf Lanz bangt auf Grund der fehlenden Einnahmen nun um die Existenz seines Lebenswerks.

Ein unglaubliches Gefühl ist es für Lanz und sein Team auch, dass es am Sonntag um 11 Uhr wieder losgeht. Eigentlich dürfte er ja schon ab Samstag öffnen, doch so kurzfristig konnte er die freiwilligen Helfer – «das Rückgrat des Betriebs» – nicht aufbieten. «Bis vor zehn Tagen ging ich davon aus, dass der nächste Lockerungsschritt am 8. Juni kommt.» So wird der Vogelpark nun am Samstag auf Vordermann gebracht.

Lanz nippt am Kaffee, lacht verschmitzt. «Allerdings hält meine Pechsträhne nun wohl doch noch 24 Stunden länger an», sagt er dann. Denn am Sonntag ist Dauerregen angesagt und bei Regen kommen nur wenige Besucher. «Das optimale Wetter für uns ist: bewölkt, aber trocken», so Lanz.

4. April 2020: Grosse Solidarität mit Vogelpark Ambigua

4. April 2020: Grosse Solidarität mit Vogelpark Ambigua

  

Alles andere als bewölkt ist – trotz Coronakrise – sein Gemüt. «Es ist ein durch und durch gutes Gefühl, jetzt loslegen zu können. Wir sind topmotiviert», sagt er, was Tierpflegerin Noemi Appert nickend bestätigt. Froh ist Lanz auch, dass ihm seit zehn Tagen wieder Anfragen für Führungen, Gruppenevents und Geburtstagsfeiern ins Haus flattern. «Diese Einnahmen bilden das Rückgrat», erklärt er. Der Buchungsstand liegt derzeit rund 75 Prozent unter Vorjahr. «Ich hoffe, es gibt noch viele Buchungen, denn die Einnahmen helfen uns, durch den Winter zu kommen.»

Ferienpension für ­Papageien und Sittiche

Hoffnungen setzt Lanz auch auf das «Ferienressort mit fünf Suiten», wie er die im Frühling eröffnete Ferienpension für Papageien und Sittiche lachend nennt. Für Ostern und die Frühlingsferien sei er bereits ausgebucht gewesen, erzählt er, aber dann kam Corona. Erste Reservationen für den Sommer sind inzwischen eingetrudelt, Platz hat es aber noch in allen Wochen. Neu will er ab diesem Jahr auch Events wie Raclette-­Abende durch den Winter anbieten; dazu wird er den Sitzplatz winterfest machen.

Damit sein Lebenswerk, der Vogelpark, auch langfristig gesichert ist, wird ihn Lanz Ende Jahr in eine Stiftung überführen. Denn so etwas wie in diesem Jahr will er nicht noch einmal erleben.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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