Fricktal

Sogar Matratzen, Fernseher und Computer landen auf der Strasse

In Mettau achtlos aus dem Autofenster geworfen: Zigarettenschachtel, Bierbüchsen und Weinflaschen.  HUG

In Mettau achtlos aus dem Autofenster geworfen: Zigarettenschachtel, Bierbüchsen und Weinflaschen. HUG

Die freiwilligen Helfer vom Naturschutzverein «Güch» im Mettauertal kümmern sich dieser Tage darum, dass die örtlichen Frösche den Weg über die stark befahrene Strasse finden. Eher unfreiwillig übernehmen sie noch die Aufgabe des Müllsammelns.

Die Naturschützer tragen Zigarettenschachteln, Bierbüchsen und Weinflaschen zusammen, die von Autofahrern achtlos aus dem Fenster geworfen wurden. Auf diese Weise greifen sie dem Strassenmeister unter die Arme, der im Auftrag des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) für den Unterhalt der Strassen und somit auch die Reinigung zuständig ist.

Roland Jegge, Strassenmeister im Fricktal, wendet mit seinem 12-köpfigen Team jährlich 2000 Stunden auf, um die Strassen vom «Güsel» zu säubern. Dies entspricht 250 Arbeitstagen und heisst mit anderen Worten, dass der Kanton einen Mitarbeiter mit einem 100-Prozent-Pensum anstellen könnte, der täglich einsammelt, was andere wegwerfen. «Abgesehen vom üblichen Kleinmüll finden wir an der Strasse auch Fernseher, Computer, Autobatterien, Autoreifen, Matratzen und Möbel», sagt Jegge.

Abfall ist nicht immer Abfall

Einigen Bürgern ist augenscheinlich nicht bewusst, dass das, was sie als «Güsel» deklassieren, in der nächsten Brockenstube kostenlos und legal abgegeben und zum Weiterverkauf angeboten werden kann. Solche Fälle sind auch der Regionalpolizei Oberes Fricktal bekannt. Auch sie fanden schon weggeworfene Matratzen und Computer. Dank einem Presseaufruf konnte der Täter gefunden werden. «In einer solchen Situation versuchen wir den Verursacher zu ermitteln und anzuzeigen», sagt Rolf Graf, Chef von der Regionalpolizei Oberes Fricktal.

Gemäss Strassenverkehrsgesetz ist festgelegt, dass Fahrer und Mitfahrende keine Gegenstände aus dem Fahrzeug werfen dürfen. Das gilt nicht nur für grössere Objekte wie Matratzen oder Fernseher, sondern beginnt schon beim Kaugummipapier. Auch wer einen Zigarettenstummel aus dem Autofenster schnippt, macht sich strafbar.

Deshalb setzt die Regionalpolizei seit 2007 einen Schwerpunkt auf das Thema Littering. «Wir wollen präventiv wirken, die Bevölkerung auf die Vorschriften aufmerksam machen und reichen in schwerwiegenden Fällen eine Anzeige ein», so Graf.

Der Einsatz der Polizei wird von den Gemeinden durchaus geschätzt. Die Menge des Abfalls an den Strassen konnte so zwar nicht massgeblich verringert werden, stagnierte jedoch auf einem Niveau, das keine dringenden Folgemassnahmen erfordert. Dennoch weiss Graf: «Handlungsbedarf ist noch immer da – dies ist ein Dauerauftrag.»

In frühen Jahren thematisieren

Eine wichtige Massnahme zum Eindämmen des Abfalls an der Strasse ist das Thematisieren des Problems in den Schulen. Aus diesem Grund versuchen die Schulleitungen im Fricktal, die Jugend in frühen Jahren zu sensibilisieren.

In Laufenburg findet alle zwei Jahre ein Abfalltag statt, während dessen Kleinmüll eingesammelt und anschliessend zu einer Abfallskulptur verarbeitet wird. Die Oberstufe Frick führte 2008 einen Thementag durch, wo speziell Littering angesprochen wurde.

Dabei wurde auch die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs besucht, um den Jugendlichen den Weg des Abfalls aufzuzeigen. Zudem obliegt es jede Woche einer Klasse, den Pausenplatz zu säubern. «Wir wollen damit das Bewusstsein der Jugendlichen entwickeln, dass Abfall in den Kübel und nicht auf die Strasse gehört», sagt Schulleiter Götz Arlt von der Oberstufe in Frick.

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