Rheinfelden

«Signale waren nicht eindeutig»: Ehemann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei gesprochen

Die Richter in Rheinfelden sahen zu wenig Hinweise für eine Vergewaltigung. (Symbolbild)

Die Richter in Rheinfelden sahen zu wenig Hinweise für eine Vergewaltigung. (Symbolbild)

Ein 45-Jähriger verschafft sich durch die Katzentüre Zutritt in die Wohnung seiner Frau. Vom Vorwurf der Vergewaltigung spricht das Bezirksgericht den Angeklagten jedoch frei.

Drohung, Hausfriedensbruch, Vergewaltigung – die Eifersucht gegenüber seiner Ehefrau brachte einen 45-Jährigen auf die Anklagebank des Bezirksgerichts Rheinfelden. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von zwei Jahren bedingt und eine bedingte Geldstrafe von gesamthaft 31'200 Franken.

Die Ehefrau des Angeklagten tritt am Prozess als Zivilklägerin auf. Sie schildert, dass sich die Ehe verschlechterte, als sie ihre Anstellung aufgibt, um sich selbstständig zu machen. In der Anfangsphase ihrer Selbstständigkeit wird das Geld knapp.

Dies stösst ihrem Mann sauer auf, erzählt die Zivilklägerin: «In dieser Zeit ist mein Mann immer gleich auf 300 gewesen.» In der Folge trennt sich das Ehepaar räumlich und trifft die Abmachung, dass sie sich gegenseitig informieren, wenn sich beim einen der beiden eine neue Beziehung anbahnt.

Dies tat die Ehefrau dann auch, als sie über das Internet jemanden Neuen kennen lernte. «Mein Mann hat mich dann mit Fragen gelöchert und gestalkt», erzählt die Zivilklägerin.

Dies gipfelte darin, dass der Angeklagte mehrfach in die Wohnung seiner Ehefrau eingedrungen ist, indem er durch die Katzentüre in die Wohnung griff und mit einer Verlängerung das Fenster öffnete. Dies bestreitet der Angeklagte nicht: «Immer, wenn ich das Gefühl hatte, sie hat mich angelogen, bin ich in ihre Wohnung gegangen, um ihren Chatverlauf zu lesen.»

Im Badezimmer versteckt

Als sich der Angeklagte zum letzten Mal Zutritt zur Wohnung seiner Ehefrau verschafft, liest er in ihrem Laptop auf einem Flirt-Portal Sätze wie «ich liebe dich» und «ich vermisse dich», die an einen anderen Mann gerichtet sind. Der Angeklagte versteckt sich im Badezimmer und wartet auf seine Frau.

Als diese nach Hause kommt, packte er sie, schubst sie auf das Bett, reisst ihr das Oberteil auf, zieht ihr die Hose aus und fixiert mit seinen Füssen ihre Hände. Als die Ehefrau zu schreien beginnt, drückt er ihr ein Kissen ins Gesicht.

Als sich der Angeklagte schliesslich beruhigt, bittet ihn seine Frau, bei ihm zu bleiben. «Ich habe dies gesagt, damit er wieder runterkommt, weil ich Angst hatte, dass er mir den Hals umdreht», erklärt die Zivilklägerin vor dem Gericht.

Einige Minuten später will der Angeklagte ihr die Unterhose ausziehen. «Ich sagte zu ihm, dass ich das nicht will», so die Zivilklägerin. Anschliessend kommt es zum Geschlechtsverkehr. Der Angeklagte bestreitet die Schilderungen der Zivilklägerin: «Wir haben angefangen, uns zu küssen. Der Sex war einvernehmlich.»

Hinsichtlich des Vergewaltigungsvorwurfs streut die Anwältin des Angeklagten Zweifel. So sei es auch einige Wochen vor der angeblichen Tat immer wieder zu sexuellen Kontakten der beiden gekommen. Zudem habe die Zivilklägerin ihren Mandaten vor der angeblichen Tat gebeten, zu bleiben. Die Anwältin beantragt daher für die Straftat der Vergewaltigung einen Freispruch.

Das fünfköpfige Gerichtsgremium sieht es ähnlich und spricht den Angeklagten vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. «Die Signale, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht wollte, waren nicht eindeutig», so Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab.

Auch, dass beide nach dem Akt noch über eine Stunde im Schlafzimmer zusammen waren, macht das Gericht skeptisch. Aufgrund der Drohung und des Hausfriedensbruchs wird der Angeklagte zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 120 Franken verurteilt. (dka)

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