Stein

Sieben Wochen oder 356 Kilometer auf Schusters Rappen

Ramona Bär

Ein eingespieltes Team: Ramona Bär und ihr Hund Loup.

Ramona Bär

Ramona Bär wanderte sieben Wochen lang quer durch die Schweiz. Wie sich zeigt ist es eine Reise mit Hindernissen. Trotzdem ist sich Ramona Bär dabei selber näher gekommen und hat sogar ihre Angst vor der Höhe überwunden.

Ramona Bär aus Stein und ihr Hund Loup durchwanderten im letzten Jahr 17 Kantone und legten rund 356 Kilometer zurück. Die Reise war für die Coaching-Fachfrau eine wertvolle persönliche Erfahrung.

Der Start verlief für Ramona Bär und ihren Hund Loup nicht ganz wunschgemäss. Eine nicht vollständig auskurierte Erkältung machte sich zwei Tage nach Beginn der Wanderung wieder bemerkbar. An eine Fortsetzung der geplanten Tour durch 17 Kantone war vorerst nicht zu denken. «Ich merkte, dass ich nicht die Kraft hatte, meine Reise im vorgesehenen Rahmen durchzuziehen. Also beschloss ich, mich zuerst bei den Eltern meines Partners im Schwarzbubenland auszukurieren», erzählt die 32-Jährige.

Ursprünglich plante sie, jeden Tag zwischen 15 und 20 Kilometer zurückzulegen. Auch diesen Plan musste sie bald einmal auf den Kopf stellen, denn der Juli präsentierte sich prächtig heiss. Um fünf Uhr morgens zogen der Lagotto Romagnolo und sein Frauchen los. Sie wanderten durch bis elf. Mehr als 10 bis 15 Kilometer täglich lagen aufgrund der Hitze nicht drin.

Die 13 Kilogramm Gewicht am Rücken von Ramona Bär waren das eine, erzählt sie; dabei nahm Ramona Bär nur das Nötigste mit, und ihre Mutter versorgte sie einmal pro Woche mit frischen Kleidern und Hundefutter. Doch: «Ich überschätzte die Fitness meines Hundes und stellte bald einmal fest: Ich war körperlich trainierter als er. Hinzu kam, dass Loup Mühe mit den heissen Böden hatte.»

Ein «verrücktes Jahr»

«Die Idee zur Wanderung geisterte mir seit vielen Jahren im Kopf herum. Ende 2014 beschloss ich, aus dem bevorstehenden Jahr ein etwas verrücktes Jahr werden zu lassen.» Ramona Bär arbeitet im Teilzeitverhältnis als Projektleiterin für ein Schulprojekt. Da sie in den Sommerferien frei hatte, bot sich diese Zeit an, um den lang gehegten Wanderplan in die Tat umzusetzen. Das Wanderprojekt stand aber auch im Zusammenhang mit ihrer zweiten beruflichen Tätigkeit: Ramona Bär begleitet als Coaching-Fachfrau Jugendliche und Erwachsene in Veränderungsprozessen. Mit ihrem Wanderprojekt wollte sie zum einen auf ihr Coaching-Angebot aufmerksam machen, zum andern ging es ihr auch darum, selber zu erfahren, was eine solche Wanderung in einem Menschen alles bewirken und verändern kann.

Höhenangst überwinden

Die Wanderung führte vorbei an Orten wie Hemmiken, Roggwil, Langnau i. E., Alpnach, Zug, Einsiedeln, Bad Ragaz, Balzers, Vaduz, Bodensee, Rheinfall, Rapperswil und Zürich. An ihre persönlichen Grenzen kam Ramona Bär beispielsweise bei der Wanderung über den Glaubenberg von Flüeli-Ranft nach Stans. Grund: Höhenangst. Deshalb bat Ramona Bär eine Kollegin, sie auf diesem Streckenabschnitt zu begleiten.

Eine weitere Herausforderung war für das Paar mit zwei Füssen und vier Pfoten die tägliche Suche nach einer Unterkunft. Diese gestaltete sich nicht immer einfach. «Ich musste oft an mehreren Orten nachfragen und auch mal ein Dorf weiterziehen, bis ich eine Unterkunft gefunden hatte», erzählt Ramona Bär. Zweimal war die junge Frau drauf und dran, in den Bus zu steigen und nach Hause zu fahren. Doch auch dann fanden sich Menschen, die ihr bei der Vermittlung einer Unterkunft helfen konnten. Auf eine Nacht in freier Wildbahn verzichtete Ramona Bär aus Sicherheitsgründen.

Sich selber nähergekommen

Pech hatte Loup, als er während der Wanderung in einen Kaugummi trat und sich danach seine Pfote entzündete. Ramona Bär musste mit ihm zum Tierarzt. «Ich bekam ein schlechtes Gewissen Loup gegenüber und fragte mich, was ich ihm mit meiner Wanderung antue.» Nichtsdestotrotz genossen es die beiden, 24 Stunden pro Tag zusammen zu sein. Die Reise habe sie als «Rudel» noch mehr zusammengeschweisst, sagt Ramona Bär. Als besonders wertvoll empfand sie ferner die Zeit, die sie hatte, um sich selber näherzukommen.

«Viele Emotionen und Gedanken, die wir haben, werden in der Regel von den Herausforderungen des Alltags überlagert. Auf meiner Wanderung kamen sie alle zum Vorschein, ganz automatisch.» Ihre Vorliebe für Wälder sei durch die Wanderung noch ausgeprägter geworden, nicht nur wegen der angenehmen Kühle unter dem Blätterdach im Hochsommer.

Für Ramona Bär steht fest: Ihre siebenwöchige Wanderung quer durch die Schweiz hat ihr Leben verändert. «Mir ist noch bewusster geworden, dass sich jeder Mensch verändern kann, aber ganz nach seinem persönlichen Tempo. Und für jeden Schritt vorwärts braucht es manchmal auch einen Rückschritt.» Auch für ihren Hund Loup war das Wanderabenteuer eine lehrreiche Erfahrung. Diese setzt er nun als Assistent und Trainingspartner in den Coachinggesprächen seines Frauchens um. In sieben Wochen durch 17 Kantone,
Erlebnisbericht und Fotoschau mit
Ramona Bär, Dienstag, 16. Februar,
19.30 Uhr, Landhaus Schönau, Stein,

www.landhaus-schoenau.ch

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