Fricktal

Sie lässt auf sich warten: Die E-Bike-Flotte steht noch nicht unter Strom

In Basel betreibt Pick-e-Bike ein Velo-Sharing mit 300 Stromer-Bikes.

In Basel betreibt Pick-e-Bike ein Velo-Sharing mit 300 Stromer-Bikes.

Im Fricktal lanciert Pick-e-Bike das erste grenzüberschreitende Bike-Sharing. Das ist komplex, der Start verschiebt sich auf Sommer 2020.

Das Projekt hat Pilotcharakter: In Stein und Bad Säckingen wird im nächsten Jahr das erste grenzüberschreitende E-Bike-Sharingsystem der Nordwestschweiz lanciert.

Das System kennt man bereits aus grösseren Städten: Per App sucht man sich auf dem Handy ein freies E-Bike, mietet es, fährt nach (N)irgendwo und stellt das Bike dort wieder ab. Dazu sind Rayons definiert, in denen man die E-Bikes holen respektive abstellen kann. Abgerechnet wird dann per Minutentarif.

In der Agglomeration Basel bietet Pick-e-Bike dieses System seit Mai 2018 an. Pick-e-Bike ist es auch, das den Bike-­Sharing-Gedanken in Kooperation mit der Internationalen Bauausstellung IBA 2020 und den beiden Gemeinden Stein und Bad Säckingen ins Fricktal tragen will.

2,5 Millionen Ausleih-Minuten

In und um Basel ist das Bike-­Sharing ein Erfolg, wie Geschäftsführer Stephan Brode sagt. Pick-e-Bike zählt aktuell 20100 Kunden und hat rund 300 Stromer-Velos im Einsatz. «Im Jahr 2019 wurden bisher über 2,5 Millionen Ausleih-Minuten registriert», so Brode.

Nicht zufriedenstellend verlief dagegen das als Pilot lancierte E-Scooter-Sharing. Die Marktreife sei noch nicht gegeben, teilte Pick-e-Bike Ende letzter Woche mit und stellte die Vermietung der 60 E-Scooter per sofort ein. «Die Zuverlässigkeit wie auch die Verfügbarkeit der E-Scooter erwiesen sich als instabil», heisst es in einer Mitteilung.

Am «bewährten Sharing-­Angebot» mit den E-Bikes ändere das nichts – ebenso wenig wie am Plan, die E-Bikes ins Fricktal zu bringen. Wobei: Eigentlich sollten die E-Bikes bereits über die Grenze flitzen. Denn bei der Ankündigung des Projekts im Juli hoffte Brode, noch im Herbst starten zu können.

In welcher Währung wird bezahlt?

Dass dies nicht klappte, hat zwei Gründe: Erstens steht die Finanzierung noch nicht; in Zusammenarbeit mit der IBA Basel werden laut Brode derzeit noch Finanzpartner für den Pilot­betrieb gesucht. Zweitens bringt ein grenzüberschreitendes Velo-­Sharing neue betriebliche und rechtliche Anforderungen mit sich.

Als besondere Herausforderungen nennt Brode die Frage, in welcher Währung bezahlt wird, zu welchem Mehrwertsteuersatz die Dienstleistung angeboten werden kann – Deutschland und die Schweiz haben unterschiedliche Sätze –, wie die Mehrwertsteuer abgerechnet wird, ob die Fahrräder in beiden Ländern versichert sein müssen und wie es zolltechnisch aussieht.

Die Antworten auf diese und weitere Fragen fliessen nun ebenso wie die Finanzierung in ein überarbeitetes Konzept ein, um «spätestens im Sommer 2020 mit dem Pilotbetrieb starten zu können», so Brode.

Flotte von 30 bis 40 E-Bikes ist denkbar

Mit wie vielen Fahrrädern Pick-e-Bike den Pilot im Fricktal starten wird, ist noch nicht ­fixiert. «Denkbar wäre eine Flottengrösse zwischen 30 und 40 Bikes», so Brode. Offen ist auch, ob auch schnelle E-Bikes zum Einsatz kommen.

Noch nicht festgelegt ist ebenfalls, wie viele Pick-up-­Stationen es geben wird. Dies werde man in Zusammenarbeit mit den Gemeinden bestimmen, so Brode. Bei der Projektpräsentation im Juli gingen die Verantwortlichen davon aus, dass der Miet-Rayon – also der Bereich, in dem man das Bike beziehen und zurückgeben kann – primär im Umfeld des Bahnhofs, der Schaffhauserstrasse und des Sisslerfelds liegen wird. In Bad Säckingen war ein grösserer Rayon angedacht.

Der engere Rayon auf Schweizer Seite und insbesondere der Einbezug des peripheren Sisslerfeldes, wo die grossen Pharmakonzerne weit über 1000 Arbeitsplätze bieten, macht durchaus Sinn, denn die Leih-Bikes werden, das zeigen Erfahrungen aus anderen Orten, neben Einkaufs- und Vergnügungsfahrten schwergewichtig fürs Pendeln eingesetzt.

E-Bike sollen Strassen von Autopendlern entlasten

Darauf hofft man auch in Stein und Bad Säckingen: Mit der Velo-Flotte sollen die Strassen von Autopendlern entlastet werden. Als weitere Vorteile sieht Brode die Reduzierung der Parkiervorgänge, die Verlängerung der Mobilitätskette zum öffentlichen Verkehr sowie Energie- und Platzeinsparungen.

Mit dem Pilot will Pick-e-­Bike im Fricktal den grenzüberschreitenden Velo-­Sharing-Verkehr mit seinen besonderen rechtlichen und betrieblichen Anforderungen testen. Ob daraus ein Dauerbetrieb wird, hängt vom Testverlauf ab. «Indikatoren sind sicherlich die Nutzung – Ausleihen und Dauer –, die betriebliche Qualität und die Klärung der noch offenen Fragen im Bereich der Versicherungen, Mehrwertsteuer und Verzollung», führt Brode aus.

Seine Vision skizzierte der Geschäftsführer im Sommer so: Ein Mikro­mobilitätssystem, das in der ganzen Region zwischen Stein und Basel im Einsatz ist.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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