Schweinehaltung
Kuschelige Nester für die Ferkel: Die Investition in den Ferkelstall soll die Stromrechnung sinken lassen

15 Aargauer Schweinezuchtbetriebe beteiligen sich am Projekt Ferkelnester. Der von Thomas Stocker aus Obermumpf ist einer davon. Er verspricht sich vom Einbau der neuen Boxen eine höhere Energieeffizienz auf seinem Hof – aber nicht nur das.

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Hat umgerüstet: Schweinezüchter Thomas Stocker aus Obermumpf präsentiert eines seiner neuen Ferkelnester.

Hat umgerüstet: Schweinezüchter Thomas Stocker aus Obermumpf präsentiert eines seiner neuen Ferkelnester.

Patrick Schellenberg

Schweinezüchter Thomas Stocker ist zufrieden. «So gefällt es mir. Alle Ferkel liegen nebeneinander im Stroh und dösen», sagt er, als er den Deckel des Ferkelnests auf seinem Brunnacherhof in Obermumpf schliesst. Das Ferkelnest ist eine Kiste, in der sich die jungen Schweine zusammenkuscheln. In den Tagen nach ihrer Geburt ist die Box auf 38 Grad Celsius aufgeheizt, damit die Ferkel nicht frieren.

Stocker, der in Obermumpf Ackerbau und eine Schweinezucht betreibt, hat die konventionellen Ferkelnester in seinem Stall vor einigen Monaten durch die moderneren ersetzt. Die neuen Ferkelnester haben dicke, isolierte Wände und einen schweren Deckel. Ein- und Ausgang der Kiste sind mit einem speziellen Streifenvorhang versehen, damit die Wärme nicht entweichen kann. Ein elektronischer Fühler sorge dafür, dass die Temperatur in der Kiste stets dem Bedürfnis der Ferkel angepasst sei.

Kompetenzzentrum für Klimaschutz in der Landwirtschaft unterstützt

Die Umstellung auf Ferkelnester wird von Agro Clean Tech (ACT) mit einem Projekt gefördert. ACT ist das Kompetenzzentrum des Schweizer Bauernverbands für Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Klimaschutz in der Landwirtschaft.

Nathanaël Gobat, Energieingenieur und Co-Geschäftsführer von ACT, sagt: «Unser Ziel ist es, bis 2024 die Umstellung auf rund 80 neuen Betrieben zu fördern und so nochmals rund eine Gigawattstunde Strom pro Jahr einzusparen.» Bis jetzt habe ACT 220 Betriebe in der Schweiz unterstützt. Diese Betriebe sparten gemeinsam rund drei Gigawattstunden Strom pro Jahr. Im Kanton Aargau beteiligen sich bisher 15 Betriebe am Projekt.

Schweinehaltung kostet hohe Mengen an Strom

Die Klimatisierung der Schweineställe sorgt laut ACT für hohe Stromrechnungen. Gemäss den Angaben des Kompetenzzentrums ist rund ein Viertel des gesamten landwirtschaftlichen Stromverbrauchs der Schweinehaltung zuzuschreiben. Gobat rechnet vor:

«Ein konventionelles Ferkelnest ohne Isolation, Wärmevorhang und elektronische Temperatursteuerung verbraucht etwa 2000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.»

Mit dem neuen, energieeffizienteren System sinke der Stromverbrauch pro Nest um rund einen Viertel.

Der Obermumpfer Schweinezüchter Stocker geht sogar noch einen Schritt weiter. Er heizt seine neuen Ferkelboxen nicht mehr mit elektrischen Wärmeplatten oder Heizlampen, sondern mit Heizkörpern, wie man sie in Wohnräumen einsetzt. Das Heisswasser produziert er mit seiner Hackschnitzelheizung, die er mit Holz aus dem eigenen Wald befeuert. Der Verzicht auf ein elektrisches Heizsystem erhöhe zudem die Sicherheit der Tiere, da die Brandgefahr minimiert werde, ergänzt der Landwirt.

Stromrechnung von 15'000 Franken soll sinken

Bisher flatterte bei Thomas Stocker jedes Jahr eine Stromrechnung von rund 15'000 Franken ins Haus. Er rechnet, dass er mit den energieeffizienteren Ferkelnestern rund 2000 Franken Stromkosten pro Jahr einsparen kann. Der Fricktaler Schweinezüchter ist überzeugt:

«Die Kostenoptimierung ist ein wichtiger Aspekt der neuen Ferkelnester.

Genauso wichtig sei ihm aber, optimale Bedingungen für seine Tiere zu schaffen. Das Tierwohl stehe für ihn an erster Stelle.

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